Der Benediktinermönch Anselm Grün befasst sich in diesem Buch mit den Begriffen Reinheit und Reinigung in der Religionsgeschichte und thematisiert in der Folge reinigende Rituale für Körper und Seele.
Gleich zu Beginn reflektiert Grün zwanghaftes, aggressives Reinigungsverhalten, das nicht selten zur Verfolgung Andersdenkender führt. Von solchem Verhalten distanziert Grün sich nachhaltig.
Was versteht man unter innerer Reinheit und wie kann man diese ( die Griechen sprechen von Katharsis)erlangen?
Die philosophische Schule der Pythagoreer glaubte sich durch Musik und Mathematik der Katharsis zu nähern. Die stoische Philosophie definierte Katharsis vor allem als Freiheit von Affekten. Jesus ging es dabei vor allem um das lautere Herz, das frei von Nebenabsichten ist.
Das Unreine im Menschen zeigt sich in dessen Bosheit, Gier und Aggression, in Blicken, die kein Vertrauen ausstrahlen, aber auch in der Stimme eines Menschen ist das Unlautere wahrnehmbar.
Grün ist davon überzeugt, dass sich der Mensch generell nach Reinheit und Redlichkeit sehnt, weil er ahnt , dass er letztlich nur aufgrund dieser Eigenschaften wirklich frei und glücklich sein kann, währenddessen ihn unlautere Verhaltensmuster im Inneren beschmutzen und unglücklich machen.
Apatheia, - Herzensreinheit -, scheint nur möglich zu sein, wenn man seine Gedanken, Emotionen und Leidenschaften genau beobachtet und kritisch analysiert. Nur so gewinnt man Abstand und wird frei von ihnen.
Pater Anselm zeigt auf, wie sich Katharsis und Psychotherapie zueinander verhalten und wie die Katholiken durch reinigende Rituale , wie etwa die Beichte, das Gebet, die Meditation oder das Fasten sich von Schuldgefühlen befreien und sich auf diese Weise einen Weg für einen Neuanfang eröffnen bei dem die Redlichkeit im Mittelpunkt des eigenen Handels steht.
Empfehlenswert.