Das Buch "Die Damen mit dem grünen Daumen" braucht genau drei Seiten (Vortitel, Titel), um den Leser für sein Thema zu begeistern. Beim Anblick der Doppelseite mit dem opulenten farbenfrohen Gemälde "Bäuerin mit Gemüsegarten" von Max Baer ist der begeisterte Betrachter schon gefangen von den Gärten und den Frauen, die sie bewirtschaften. Beim ersten Blick erinnert der Band an englische Bücher zu diesem Thema mit seiner liebevollen Seitengestaltung, den vielen farbigen Bildern und den sorgfältig ausgewählten variierenden Schriften - doch die Autorinnen Claudia Lanfranconi und Sabine Frank stammen beide aus Deutschland. Gleichwohl spielen die englischen Gärtnerinnen auch in diesem Bildband die Hauptrolle.
Im Vorwort führt Sabine Frank den Leser mit einem kurzen Gang durch die Kulturgeschichte tiefer in das Thema ein. Sie beginnt mit der griechischen Sage und macht deutlich, dass Gärten und Parks schon immer eine bedeutende Rolle in der Kultur gespielt haben. Der Garten ist Rückzugsort und Spiegel menschlicher Ideen, er dient der Erholung und der Ernährung. In diesem Spannungsfeld entstanden beeindruckende Gartenanlagen. Das Buch "Die Damen mit dem grünen Daumen" konzentriert sich auf Gärten und Park, die von Frauen als schöne Kunst und nicht in erster Linie zur Ernährung gestaltet wurden.
Die Autorin Claudia Lanfranconi stellt in dem Kapiteln "Gärtnern lassen" Garten begeisterte Regentinnen vor, im Kapitel "Mit Pinsel und Palette bis in die Urwälder des Amazonas" beschäftigt sie sich mit gärtnernden Malerinnen. Die informationsreichen Texte geben kurze biographische Details wieder, die Autorin schreibt vor allem über die Begleitumstände der jeweiligen Zeit, die zur Entstehung der Parks und der Kunstwerke geführt haben. Manchmal schweift sie ein wenig weit vom eigentlichen Thema ab. Claudia Lanfranconi ist eine begeisterte Erzählerin, die nichts weglassen mag und dem Leser möglichst viele interessante Aspekte vorstellen möchte, daher bleibt sie eher an der Oberfläche.
Die Kapitel von Sabine Frank über Frauen, die selber Hand angelegt haben, "Jäten, Gießen, Harken", und über gärtnernde Schriftstellerinnen, "Wenn ich ein Stück Land besäße", sind mehr auf die Personen und ihre Ideen konzentriert. Die ebenfalls sehr informativen Texte geben einen tiefen Einblick in die Biographien der Frauen und zeigen, wie Frauen sowohl handwerklich als auch künstlerisch in Gärten gewirkt und ihre Ideen umgesetzt haben. Ihr eingeschobenes Kapitel über die Rose bietet einen schönen Rahmen für die Biographie der Napoleongattin Josèphine de Beauharnais. An dieser Stelle fehlen leider die andernorts erwähnten berühmten Rosenbilder von Redouté.
Beiden Autorinnen gelingt es, informationsreiche Texte über mehr als 20 Frauen seit dem 16. Jahrhundert unterhaltsam zu schreiben und dem Leser auch weniger bekannte Damen vorzustellen. Das Buch "Die Damen mit dem grünen Daumen" ist sehr großzügig mit Bildern, Fotographien und Zeichnungen ausgestattet. Die sorgfältige Gestaltung trägt dazu bei, dass der Inhalt des schönen Buches noch besser zur Geltung kommt.
Der Bildband "Die Damen mit dem grünen Daumen" über weibliche Gartenleidenschaft ist ein informativer Augenschmaus - auch für Herren mit einer Hand für Pflanzen.
(c) Maren Gierth von Literaturtipp.com