Als ich erstmals hörte, dass "Dame, König, As, Spion" neu verfilmt werden soll, habe ich gestöhnt und gedacht, dass dies nun wirklich nicht sein müsse. Die alte BBC-Miniserie mit Sir Alec Guinness als George Smiley ist eine so geniale Verfilmung des Romans von John LeCarré, bei der man sich kaum vorstellen kann, wie das besser werden kann.
Jetzt habe ich den Film im Kino gesehen mir dann die DVD in England bestellt. Denn Regisseur Tomas Alfredson und die hervorragende Darstellerriege um Gary Oldman haben das Kunststück geschafft, die Geschichte tatsächlich genauso qualitativ gut zu verfilmen, weil sie nicht einfach kopiert, sondern sie anders erzählt haben.
Die Story: Der Leiter des britischen Auslandgeheimdienstes MI6, genannt Control, hat den Verdacht, dass einer seiner hochrangigsten Mitarbeiter ein Verräter und Maulwurf des sowjetischen Geheimdienstes ist. Er entsendet einen Agenten nach Ungarn, um die Identität des Verräters zu erfahren. Doch die Operation scheitert und der Agent wird angeschossen und gefoltert. Der außenpolitische Skandal führt zum Rücktritt Controls. Angesichts der Umstände wird jedoch die politische Führung des Geheimdienstes misstrauisch und startet eine eigene Untersuchung. Da man den eigenen Mitarbeitern nicht trauen kann, holt man den pensionierten Agenten George Smiley zurück, damit dieser den Maulwurf ausfindig macht. Smiley bohrt, unterstützt von wenigen Helfern, das private und berufliche Leben der Verdächtigen auf und entwickelt eine Intrige, um den Verräter zu stellen.
Wer das Buch und die Miniserie kennt, der weiss, dass diese Geschichte mit unendlichen Verwicklungen und in verschiedenen Zeit- und Handlungsebenen erzählt wird. LeCarré hat das Prinzip der Geheimdienstwelt, dass nichts ist wie es scheint und hinter allem eine zweite Wahrheit steckt, in seinem Klassiker perfektioniert. Man fühlt sich in einem Netz aus privaten, beruflichen und politischen Intrigen so gefangen, dass man nicht erkennt, wer hier die Fäden zieht und warum.
Während die alte Miniserie über 5 Stunden braucht, um die Fäden zu entwirren, besteht die Qualität des neuen Films darin, die Handlung auf ca. 2 Stunden zu konzentrieren. Dabei ist den Drehbuchautoren gelungen, einerseits alle wesentlichen Elemente der Story zu erhalten, aber anderseits die Geschichte wesentlich zügiger zu erzählen.
Ich hätte nicht gedacht, dass dies möglich ist, doch es ist geglückt.
John LeCarré selbst hat die Filmemacher davor gewarnt, das Buch oder den alten TV-Film zu kopieren, sondern Ihnen geraten, den Stoff neu zu erfinden.
Die Filmemacher haben sich dies zu Herzen genommen, die Geschichte behutsam modernisiert und statt der verwinkelten Spionagegeschichten die persönlichen Konflikte der Handelnden mehr in den Vordergrund gerückt. Herausgekommen ist eine zeitlose Geschichte über Loyalität und Verrat.
Das ist immer noch kein James Bond-Actionthriller, aber vielleicht dafür die realistische und beste Geschichte aus dem Innenleben der Geheimdienste, die es gibt. Keine leichte Kost und man muss beim Film wirklich dran bleibe, um die Wendungen der Story zu verfogen, aber es lohnt sich.
Was den Film sehr positiv von der alten Serie abhebt, sind die Darsteller. Während die TV-Serie sich auf Sir Alec Guiness Darstellung des George Smiley konzentrierte, sind hier auch die Nebenrollen perfekt besetzt. Neben Hauptdarsteller Gary Oldman als Smiley sind lauter Schwergewichte des britischen Kinos dabei: Colin Firth (The King's Speech), John Hurt, Thomas Hardy, Benedict Cumberbatch (Sherlock) und Ciaran Hinds (Rome), um nur einige zu nennen.
Diese starke Darstelleriege führt dazu, dass die in der TV-Serie eher blassen Nebenfiguren stärker in den Vordergrund rücken, was der Story wirklich gut tut.
Die deutsche Syschronisation ist diesmal wirklich zu loben, obwohl, wer kann, sich den Film im Originalton gönnen sollte.
Fazit: Absolut sehenswert und spannend und zu Recht in Großbritannien an der Spitze der DVD-Charts. Die Drehbuchschreiber sind bereits mehrfach ausgezeichnet worden und auch für den Oscar fürs beste adaptierte Drehbuch nominiert. Sie hätten ihn verdient.