Mit dieser Märchenerinnerung beginnt sie ihr kleines Buch.
Es ist Joyce Carol Oates gewidmet.
Sie plaudert sehr angenehm über ihre Männer. Frank Sinatra
zum Beispiel, der in ihr Leben trat wie ein Feuerwerkskörper.
'Wie fast alle Männer sprach er am liebsten über sich selbst'.
Eigentlich wollte sie Nonne werden, aber das war bevor sie die
Jungs entdeckte. Die Jungs hießen Marlon Brando, für den das Haar
aber vergeblich fiel. Und Truman Capote, der sie als Holly
Golightly in 'Frühstück bei Tiffany' so beschrieb:
Die buntgemischten Farben ihres kurzgeschnittenen Haars, lohfarbene
Büschel, Strähnen von weißblond und gelb, leuchteten im Treppenlicht
auf. Es war ein warmer Abend, fast schon Sommer und sie trug ein schmales
schwarzes schlichtes Kleid, schwarze Sandaletten und eine kurze Perlen-
kette. Ungeachtet ihrer schicken Magerkeit hatte sie etwas Gesundes, das
an Haferflockenfrühstück, an Kernseife und Zitronen denken ließ.
Ein kräftiges Rosa überschattete ihre Wangen. Der Mund war breit und
sie hatte eine Stubsnase. Die dunklen Gläser einer Sonnenbrille löschten
ihre Augen aus. Es war ein Gesicht, das die Kindheit hinter sich gelassen
hatte, aber noch nicht in die Bezirke des Fraulichen gehörte.
Sie schreibt sehr anschaulich über ihre Ehen, und dass eine Scheidung für
sie nicht ein Scheitern bedeutete. Sie war als Kind schon in Amerika
bekannt durch einen Sorgerechtsprozess. Ihr Problem war jetzt noch durch
eigene Leistung bekannt zu werden, was sie geschafft hat.
Und das geht vielen so: Den ersten Mann deswegen heiraten, damit man bloß
schnell von dem als unerträglich empfundenen zuhause wegkommt.
Ein Kapitel heißt 'Was soll ich bloß anziehen?'
Darin überlegt sie was man anzieht, wenn man richtig sexy aussehen will.
Für sie bedeutet es 'empfänglich, selbstbewusst, selbstsicher auszusehen,
gepaart mit einer nervösen Offenheit, wohin das Ganze wohl führen wird.
Reserviertheit kann auch etwas Verführerisches haben, aber sie muss durch
Wärme gemildert werden, sonst funktioniert es nicht.'
Einmal klingelt bei ihrer Mutter das Telefon und Howard Hughes ('Hughes
Aircraft') ist dran, er möchte mal vorbeikommen. Die Mutter ist ganz
aufgeregt, was sie nun anziehen soll.. Hughes möchte aber nur die Erlaubnis,
mit Gloria ausgehen zu dürfen. Die trägt dabei ein Trachtenkleid von Lanz,
Salzburg, das damals in Mode war. Dazu eine halbe Flasche Shocking von
Schiaparelli hinters Ohr.
Sie schreibt, einige Männer hätte sie leiden lassen, wenn auch nie mit Absicht,
aber viele glücklich gemacht und findet, das sei letztlich eine ganz gute
Bilanz.
Ein trauriges Kapitel ist über einen ihrer Söhne, der sich, wohl betäubt
durch Medikamente, plötzlich von der Terrasse gestürzt hat.
Das Personenregister am Ende liest sich wie ein Schauspieler- Schriftsteller-
und Prominentenlexikon des 20. Jahrhunderts.
Sic transit Gloria Vanderbilt.