Rebecca ist 53 und seit 28 Jahren verwitwet. Seit dem Tod ihres um einige Jahre älteren Mannes hat sie dessen Töchter aus erster Ehe sowie die gemeinsame Tochter allein großgezogen und seinen Betrieb weitergeführt. Inzwischen ist sie auch mehrfache (Stief-)Großmutter.
Nun stellt sie sich die Frage, ob sie nicht im Grunde das falsche Leben führt. Sie, die vom Wesen her eher still und nachdenklich ist, gibt für die Familie und den Betrieb die fröhliche, gesellige und stets hilfsbereite gute Seele. Hätte sie nicht seinerzeit besser ihr Studium beenden und ihren ersten Verlobten, einen gleichaltrigen Kommilitonen, heiraten sollen? Gibt es ein Zurück zu der damaligen Weggabelung und die Möglichkeit, nun noch die andere Richtung einzuschlagen? Einige Versuche in dieser Hinsicht zeigen ihr, dass das nicht funktioniert: Sie ist älter geworden und die Welt hat sich weiter gedreht. Aus ihrem Verlobten ist ein alter kauziger Messie geworden, der sein Leben mehr schlecht als recht in der Spur halten kann. Und die Erkenntnisse, die sie seinerzeit für ihre Examensarbeit gewonnen hatte, erscheinen ihr nun fragwürdig.
Eigentlich ist es die recht unspektakuläre Geschichte einer Frau mittleren Alters in der Sinnkrise. Was sie jedoch so lebendig werden lässt, ist die Vielfalt der Charaktere und die Herzlichkeit, mit der Anne Tyler sie zeichnet. Allerdings gerät gerade durch die große Anzahl von Personen (es braucht eine Weile, bis man bei all den Familienmitgliedern, Verwandten und Bekannten einigermaßen durchblickt) Rebeccas Entwicklung manchmal etwas zu sehr aus dem Blick. Hätte Anne Tyler sich stärker hierauf konzentriert, dann könnte der Leser den schönen Satz auf der letzten Seite mit noch mehr Sinn erfüllen: "Es gab noch so vieles, worauf sie in ihrem Leben hoffen durfte."
Und noch zwei Fragen an den deutschen Verlag: Warum hat die Dame auf dem Cover so gar nichts von Rebecca, die im Buch doch sehr detailliert beschrieben wird? Und warum fehlt im Titel hinter Damals das Komma?