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Damals in der DDR - Der Alltag im Arbeiter- und Bauernstaat
 
 
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Damals in der DDR - Der Alltag im Arbeiter- und Bauernstaat [Gebundene Ausgabe]

Hans-Hermann Hertle , Stefan Wolle , Nicolaus Schröder
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Um es ohne Umschweife gleich zu sagen: Wer nicht selbst dabei war und wirklich wissen will, was für ein Staat die DDR tatsächlich gewesen ist und wie sich das Leben in diesem Staat angefühlt haben mag, wird an diesem Buch kaum vorbei kommen.

Fünfzehn Jahre nach deren Ende beleuchten die ARD mit einem bislang einmaligen Multimedia-Projekt die Wirklichkeit der DDR. Dazu gehören außer diesem unbedingt lesenswerten Buch von Hans-Hermann Hertle und Stefan Wolle eine Fernsehdokumentation, die auch in einer DVD-Version zu haben sein wird, eine Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, eine Website samt Internetforum, zwei mehrteilige Hörfunkfeatures sowie schließlich auch eine Hörbuch-Edition.

Damals in der DDR hat nichts mit "Ostalgie" zu tun! Es geht den Autoren vielmehr sehr ernsthaft um die Frage, was die DDR wirklich war, wie man hier lebte und fühlte und wie man von hier aus die Welt wahrgenommen hat. Aus unterschiedlichen Perspektiven zeichnen die Autoren ein in der Summe sehr genaues Bild vom Leben im ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat. Angefangen bei der Staatsgründung ("Das Zeitalter der großen Gesänge") über den Kalten Krieg, "die versäumte Revolte der DDR-Achtundsechziger", bis hin zum "Ende der Träume" führen uns Hertle und Wolle in ihrem Grundlagenwerk auf der Höhe der zeithistorischen Forschung kundig durch die Politik- und Gesellschaftsgeschichte des SED-Staates.-- Andreas Vierecke

Kurzbeschreibung

15 Jahre Mauerfall.

Nach dem Riesenerfolg von »Good Bye, Lenin« erreichte die jüngste Ostalgie ihren Höhepunkt. Neben dem gesteigerten Interesse für Spreewaldgurken und Rotkäppchensekt offenbarten sich aber auch eine große Neugierde und ein immenses Wissensdefizit. Wie lebte es sich in diesem Land, das es nicht mehr gibt? Hans-Hermann Hertle und Stefan Wolle haben unterschiedlichste Menschen befragt und erstaunliche Antworten und Eindrücke vom anderen Deutschland bekommen. Fünfzehn Jahre nach dem Mauerfall erzählen Rentner, Studenten, Funktionäre, Dissidenten, Sportler, Ex-Punks und viele andere ganz offen, wie sie lebten, arbeiteten, reisten, fühlten, hofften und verzweifelten. Im Mittelpunkt steht der ganz normale Alltag realsozialistischer Lebensweisen. Dabei bohren die Autoren an entscheidender Stelle nach. Wie konnte die Bevölkerung Jahr für Jahr am 1. Mai zu begeisterten Demonstrationen überredet werden? War die soziale Geborgenheit echt? Gab es tatsächlich keine Arbeitslosen? Wie war der Fall der Mauer? In der Vielschichtigkeit der Erinnerungen liegt ein Schlüssel zum Verständnis in der Gegenwart.

»Damals in der DDR« veranschaulicht die Geschichte der DDR und zeigt, welche Lebens- und Alltagsgeschichten daraus erwachsen sind.

Klappentext

»Es gibt viel mehr Geschichten, als man verarbeiten kann. Wo man die Sonde der Probebohrung ansetzt, sprudeln die Quellen der Erinnerungen.«
Dr. Stefan Wolle -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Hans-Hermann Hertle. Jahrgang 1955, Studium der Geschichte und Politikwissenschaft in Marburg und Berlin, 1985-1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FU Berlin, seit 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam.Stefan Wolle; Jahrgang 1950; Studium der Geschichte, 1976-1989 Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der DDR; 1984 Promotion; 1991-1996 Assistent an der Humboldt Universität, 1996-1998 Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft; 1998 2000 Referent bei der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; freier Autor; Mitarbeiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin; Wissenschaftlicher Leiter des DDR-Museums in Berlin.Nicolaus Schröder, geboren 1958, arbeitete nach seinem Studium als Filmkritiker und Redakteur bei verschiedenen Zeitungen und realisierte mehrere Filmkompilationen. Neben Buchveröffentlichungen und Fersehaufträgen ist er Autor für ARD-Hörfunkredaktionen.

Auszug aus Damals in der DDR von Hans-Hermann Hertle, Stefan Wolle, Nicolaus Schröder. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

DAS ZEITALTER DER GROSSEN GESÄNGE

Staatsgründung und Aufbau des Sozialismus
Der große Bruder
Die Sowjetunion und die DDR

Im Anfang war Stalin. So wie das Johannes-Evangelium in den Anfang
den Logos setzt, muss jede Geschichte des SED-Staates mit Stalin beginnen.
Wie auch immer wir Logos übersetzen, Stalin war das Wort, der Sinn,
die Kraft und die Tat. Man hat die DDR "Stalins ungeliebtes Kind"
genannt.
Zumindest sein Kind war sie ohne jeden Zweifel. Der widernatürlichen
Verbindung von asiatischer Despotie und preußischem Militarismus war
am 7. Oktober 1949 ein Kümmerling entsprossen, dem viele Betrachter
kaum mehr als ein Jahr gaben. Doch der Sowjetdiktator hielt die schützende
Hand über den Wechselbalg.
An die Stelle des Österreichers mit dem Komikerbärtchen war der schnauzbärtige
Georgier Josef Dschugaschwili getreten. Er machte aus den Verlierern
des Krieges Sieger der Geschichte. Die Gedemütigten der Katastrophe
von 1945 hatten wieder einen Führer.
Uwe Johnsons autobiografischer Bericht über die Nachkriegszeit in Mecklenburg
beginnt mit dem Kapitel "Zwei Bilder". Er meinte damit die Porträts
des Führers Adolf Hitler und des "größten Menschen aller Zeiten" -
Josef Wissarionowitsch Stalin. Das Hitlerbild im Wohnzimmer seiner
Eltern wurde, wie Johnson berichtet, erst im Mai 1945 abgehängt. "In
der Stadt", schreibt er, "erschien das zweite Bild. [...] ein fülliger
Mann mit frappierend glatter Uniformbrust, an einen Harnisch gemahnend,
mit wenig Hals im verzierten Kragen und einem straffen Gesicht (keinerlei
Pockennarben), das merkbar wurde durch die behagliche Behaarung über
Stirn und Schläfen, über den Augenbrauen und unterhalb der Nase. Der
Mann dargestellt in der Verfassung eines fünfzigsten Lebensjahres,
tatsächlich den Siebzig nah, [...] im Halbprofil, den satt glänzenden
Blick abwendend auf etwas Erheblicheres als den Betrachter, mit auffällig
senkrecht hängenden Armen, als sei er schon längere Zeit unbeweglich
und werde so verbleiben, einem Denkmale zu Lebzeiten gleich."
An anderer Stelle beschreibt Uwe Johnson die Vorbereitung auf das Abitur
im Jahr 1950. Sie erfolgte "mit Stalins Essay ›Is War Inevitable?‹
im Englischen, mit der Klassenanalyse Stalins, angewandt auf Shakespeares
›Romeo und Julia‹ wie auf Gedichte Goethes, in der Deutschstunde,
mit den Irrwegen des armen gequälten Hirns von Lyssenko, wenn Biologie
auf dem Stundenplan steht, mit den Fund- und Bergeorten von Stalins
Bodenschätzen im Erdkunde-Unterricht der zwölften Klasse, mit Stalins
Atombombenversuchen im Fach Gegenwartskunde, in der sphärischen Trigonometrie
sollten die dafür angenommenen Flugzeuge landen oder starten auf Flugplätzen
im Besitz Stalins, zum Schulbetrieb gehören die unzähligen Demonstrationen
anlässlich der jeweils neuesten Entschlüsse Stalins, sollte der nun
Tito böse sein oder auf die Organisation der Vereinigten Nationen
seine Abneigung geworfen haben. Und der Marsch der Kundgebungen ging
über seine Straße, die Stalinstraße."
Viele schlüpften aus der HJ-Uniform in das Blauhemd der FDJ. Schuld
an Faschismus und Krieg waren die Kapitalisten, Kriegsgewinnler, Junker
und Ausbeuter. Die einfachen Arbeiter und Bauern waren allein durch
ihre Klassenzugehörigkeit entsühnt. "Die Mörder sind unter uns" war
der DEFA-Film aus dem Jahr 1946 betitelt. Es dauerte nicht lange,
und es hieß, die Mörder sind immer die anderen. "Der Rat der Götter"
lautete der Titel eines DEFA-Films aus dem Jahr 1950. Dieser Rat der
Götter - das war die Führungsspitze der IG-Farben, die Hitler in den
Sattel gehoben, am Krieg verdient hatte und nun mit Hilfe der Amerikaner
neue Kriege vorbereitete. Die Klassentheorie bot eine einmalige Chance
der kollektiven Exkulpation.
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