"Der Alltag im Arbeiter- und Bauernstaat", so lautet der Aufhänger des Buches.
Unterteilt in vier Kapitel erzählt es chronologisch die Geschichte der DDR, von der Gründung am 7.10.49 bis zu ihrem Untergang im Herbst 1989. Jedes Kapitel ist in mehrere weitere Themen gegliedert, in denen immer wieder Ex-DDR-Bürger aus verschiedensten Schichten zu Wort kommen. Die Autoren selbst lassen diese Kommentare unkommentiert, sondern konzentrieren sich auf die Abhandlung der politischen Geschichte. Gerade zu Beginn ist diese jedoch lückenhaft. So hätte ich mir doch mehr Informationen zum Aufbau des Regimes gewünscht. Zudem irritierte mich anfangs der phrasenhafte Schreibstil Stefan Wolles. Meiner Meinung nach hätte man in der gleichen Textlänge noch mehr Informationen unterbringen können. Jedoch entschädigt das Buch dafür mit Hintergründen aus den Machtzentralen des Ost-Blocks.
Ab Kapitel drei (verfasst von Hans-Hermann Hertle) beginnt der für mich beste Teil des Buches, der die Epoche von der Machtübernahme 1971 bis zum Untergang erzählt. Das Hauptaugenmerk liegt in Kapitel drei auf der Wirtschaftspolitik sowie den Beziehungen zur BRD, in Kapitel vier auf dem langsamen Niedergang in den 80er Jahren und den Geschehnissen der letzten Monate (Montagsdemos in Leipzig o.ä.). Während die erste Hälfte des Buches mir noch leicht unstrukturiert und holprig erschien, ist die zweite Hälfte mit ihren vielen Hintergründen und interessanten Berichten der Bürger für mich sehr aufschlussreich.
Angesichts des o.g. Aufhängers hatte ich eine Fokussierung auf das Alltagsleben der DDR-Bürger erwartet, sodass mich die umfangreiche Abhandlung der politischen Ereignisse etwas überraschte. Vielleicht hätte dem Buch noch eine Auffrischung mit mehr Bildern gut getan. Insgesamt enthält das Buch viele Informationen aus den meisten Bereichen des Lebens in der DDR, allerdings gibt es nur einen groben Überblick. Wer in die Tiefe gehen will, für den ist dieses Werk erst der Anfang.