Nach 13-jähriger Lambchop-Diskographie kann man sich bezüglich der neuen Platte schon mal ein pauschales Urteil erlauben: diese Band wird wohl nie einen Fehler machen. Nein, sie wird wieder mal sämtlichen Kritikern überlegen sein. So wie mit dem Nachfolger des jazzig verrauchten "Is A Woman", dessen Veröffentlichung zunächst scharf beäugt wurde. Doch da guckten die härtesten Rezensenten wie Autos, als sie das Doppel-Album "Aw C'mon / No You C'mon" mit seinen teils euphorischen und stellenweise gar gesanglosen Stücken überraschte.
Mit dem neusten Streich "Damaged" hat die Kombo um Mastermind Kurt Wagner ein weiteres Kunstwerk ausgetüftelt. Mit typisch Lambchop'scher melancholischer Finesse und einer fast manischen Liebe zum Detail wird doch tatsächlich wieder eine neue Sphäre eröffnet, noch entrückter, noch zerbrechlicher als je zuvor. Dies trifft nicht nur auf die vorgeführte Klangwelt zu, sondern vor allem auf Wagners Stimme. Als würde er dem Titel der Platte gerecht werden wollen, reduziert er seinen Gesang nahezu auf ein fragiles Flüstern. Die Wirkung kennen wir schon von vergangenen Lambchop-Alben, doch ist sie diesmal noch intensiver durch die äußerst intime Atmosphäre, die mit jedem plosiven Laut, jeder Vibration der Instrumente und jeder persönlichen Textstelle versprüht wird.
Einzelne Titel herauszupicken, wäre ein tollpatschiges Unterfangen. Zu sehr sind die Songs miteinander seelenverwandt und klanglich verbunden. Gesättigt mit poetischem Gedankengut fließt Kurts Stimme auf einer Welle von prächtigen Klageliedern und erzeugt musikalische Epik, die auf keinen Fall in Stücke gerissen werden soll. Sanft und bedächtig werden kleine Delirien ausgehaucht. Und doch, hier und da wird die Mauer der Melancholie auch mit optimistisch anklingenden Sequenzen durchbrochen, das Düstere weicht der Fröhlichkeit so schnell, wie es sich wieder umkehren kann. Da wird ein komplettes Stimmungs-Spektrum durchgespielt, die Tonleiter mit Traurigkeit, Glück, Euphorie und Verzweiflung behängt.
Neben den bandinternen Orchestereinlagen, die in einigen Passagen die Nashviller Country-Wurzeln durchscheinen lassen, werden unaufdringlich elektronische Akzente gesetzt. Hierfür gab das Duo Hands Off Cuba eine Prise dunklen Ambient dazu, welche die Songs flockig einrahmen. Weitere Unterstützung erhält die Band von einem Streicher-Ensemble aus der texanischen NeoAvantgarde-Szene, dessen Stil dem polnischen Dafo String Quartett nachempfunden ist. Doch bei all den Instrumenten kommt das Album ganz ohne übertriebenen Pomp aus. Das Komplexe umschmeichelt als zarte Melodie das Ohr des Hörers, stets abgestimmt auf den Gesang, der nicht mehr so stark im Vordergrund steht wie bei "Is A Woman", aber dem man sich dennoch nicht entziehen kann.
Mit gewohnter Experimentierfreude haben Lambchop mit "Damaged" ein homogenes, doch in sich facettenreiches Meiserwerk von verzweifelter Schönheit erschaffen. Wer solch einen "Schaden" hat, braucht für das Lob nicht zu sorgen.- Maggie Gernatowski -