Die Arbeit Goldners schildert neben den oft unsäglichen Unappetitlichkeiten höherer tibetisch-lamaistischer Praxis eine Unzahl von Machtmißbräuchen okkult-magischer, sexueller und zynischer Art, die als lediglich bedauernswete Entgleisungen zu werten schwer fällt. Es drängt sich während der Leküre zunehmend der Verdacht auf, das Ungeheuerliche sei die Normalität und lediglich der geschickten Medienpolitik des Dalai Lama und seiner naiv-rührigen westlichen Gemeinde sei es zu verdanken, dass alle Welt die Tatsachen unter den Oberlächen schlicht verdrängt. Obschon die zumeist martialische, gewaltverherrlichende tibetische Ikonographie eigentlich für sich selber spricht.
Auch wenn Goldner die wütende, polemische Keule schwingt gegen alles, was da nicht streng materialistisch daherkommt - die akribische und exakte Dekonstruktion der permanent unversöhnlichen, nicht selten mit Verfälschungen arbeitenden Tibetinitiativen unter Federführung der tibetischen Exilregierung, gelingt ihm aufs Vortrefflichste.
Obwohl manche Passage (leider ohne Verweis) auffallend dem umfassenden Werk der Trimondis: Der Schatten des Dalai Lama entsprechen (von dem seltsamererweise weder eine zweite Auflage geplant, noch eine Taschenbuchausgabe vorgesehen ist), so schlägt Goldner doch einen ureigenen Ton an. Er legt viel Gewicht auf die Richtigstellung des inzwischen im Westen verankerten Heile-Welt-Images des "alten Tibet".