Nachdem "Daisy Sisters" im Original in Schweden schon 1982, d.h. also noch vor Mankells Durchbruch durch die Wallander-Krimis in den 90er Jahren, erschienen war, wurde er jetzt endlich auch ins Deutsche übersetzt.
Denn obwohl Mankell diesen Roman schon Jahre vor seinen großen Erfolgen verfasst hat, ist es doch eines seiner eindrucksvollsten Werke, ist es ein unglaublich vielschichtiger und lebendiger, ein sinnlicher und bewegender, vor allem aber ein zu jeder Zeit unterhaltsamer und kurzweiliger Roman, den man am liebsten an einem Stück lesen würde.
Mankells Geschichte dreht sich um drei Frauen aus drei verschiedenen Generatinen, dreht sich also um Mutter (Elna), Tochter (Eivor) und Enkelin (Linda), die alle auf der Suche nach Unabhängigkeit und Freiheit sind.
Den Anfang macht dabei Elna, die 1941 eine Radtour mit ihrer Brieffreundin zur norwegischen Grenze macht. Die Reise durch Schweden zeigt den beiden Mädchen, die die Grenzen ihrer Heimat erstmals hinter sich lassen, viel Leid und Ungerechtigkeit, zeigt ihnen die ganze Härte der Realität dieser Tage, in denen Tausende Flüchtlinge aus dem besetzten Norwegen ins freie, weil neutrale Schweden zu fliehen versuchten. Um ins besetzte Norwegen zu kommen, lassen sich die Mädchen mit Soldaten ein - Elna wird vergewaltigt und schwanger. Alle Abtreibungsversuche scheitern, so dass sie mit 18 ungewollt Mutter wird.
Der Erzähler berichtet hiervon wie folgt: "Das Unglück ist ein ganz anderes, es handelt sich um ein verlorenes Leben".
Doch auch Elnas Tochter Eivor wird - ähnlich dem ihrer Mutter - einen steinigen, leiderfüllten Weg vor sich haben. Auch sie wird jung Mutter werden, auch ihr Freiheitsdrang wird sie in falsche Richtungen führen.
Eivors Tochter Linda allerdings wird einen völlig anderen Weg als den ihrer Mutter und Großmutter wählen. Sie entscheidet sich bewusst für ein Kind. Linda ist arbeitslos, und ebenso wie Elna und Eivor Jahrzehnte zuvor ist sie auf der Suche nach einer Aufgabe und nach Glück.
Doch während Elna und Eivor in der Mutterschaft ihr Unglück sahen, sucht Linda ihr Glück in ihr.
Die Geschichte schildert also das Leben dreier Frauen zwischen 1941 und 1981. Alle drei haben Hindernisse zu überwinden, alle drei sind sich ähnlich, streben nach Freiheit. Doch wie sie all das tun, ihre Freiheit und ihr Glück suchen und mit Schicksalsschlägen umgehen - all das ist von Mankell unglaublich authentisch und glaubhaft dargestellt. Er entwirft ein psychologisches Porträt von drei Frauen aus verschiedenen Generationen, das überaus gelungen und daher lesenswert ist.
Und trotz des anspruchvollen Themas ist Mankells Roman wirklich unterhaltsam, reißt den Leser von Anfang an mit, emotionalisiert ihn, und ist daher eigentlich jedem, der ein paar kurzweilige Stunden mit einem der besten Mankell-Romane verbringen will, uneingeschränkt zu empfehlen.