4.8.94, Die Rheinpfalz
Gedichte, die nach Leben stinken. ... Grenzgänge zwischen Prosa und Lyrik, die man sonst nur von amerikanischen Autoren kennt und die Bettinger hervorragend gelingen.
17.6.94, Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt
"Diese Welt zwischen Baubuden und Bars ist so wenig heil, wie die wirkliche Welt heil ist. Doch statt in Larmoyanz zu verfallen, kratzt Bettinger die Kurve mit federleichtem Humor.
26.5.94, Luxemburger Tageblatt
Was in Amerika von der Beat-Generation vorbereitet und von Szene-Autoren wie Bukowski zur Meisterschaft gebracht wurde, hat Bettinger für sich nutzbar gemacht ... Momentaufnahmen des deutschen Alltags, wie herausgebissen aus der Wirklichkeit.
2.7.94, Hessischer Rundfunk
In "Richtfest" etwa oder in "Aufgerissen" zeigt Bettinger Situationen, die auch Frauen gefallen können. Entgegen der gängigen Erwartung sind hier die Frauen die "Machos". Souverän und selbstironisch wird das männliche Ich der Lächerlichkeit preisgegeben und steht am Ende verdutzt auf der Straße. ... Bettinger ist nicht politisch, und er ist nicht moralisch, er hat keine Verbesserungsvorschläge zu machen. Er schaut hin und schreibt auf. Neugierig und verwirrt, humorvoll und staunend.
Kurzbeschreibung
"Dachschaden" vereint eine Sammlung von Prosagedichten, in deren Mittelpunkt ein Dachdeckergehilfe steht. Beeinflußt von Autoren wie Fauser und Bukowski erzählt Bettinger darin von kleinen Leuten. Dem Dekorateur Weinfurter, dem Fußballfan Schalke-Karl oder der Blumenverkäuferin an der Ecke. Dabei haben die Überlebenslügen der Arbeiter ebenso Platz wie die Umgangsformen in einem Bordell.
Klappentext
Martin Bettingers Prosagedichte lassen sich in keinen Rahmen zwängen. "Ich schaff auf ´m Dach", sagt sein lyrisches Ich, und dieser schräge Platz muß als Standort genügen: Visionen mischen sich mit Bodenhaftung. Man ist dem Himmel näher und kann jeden Tag abstürzen. Man blickt auf zu den Sternen und hat acht auf die Gassen. In dieser Polarität sind die gesammelten Dachschäden des Martin Bettinger zu sehen. (Lutz Tantow)
Über den Autor
Martin Bettinger lebt seit 1989 als freier Schriftsteller in der Nähe Saarbrückens. Neben Arbeiten für Rundfunk und Print-Medien veröffentlichte er die Romane "Der Himmel ist einssiebzig groß" und "Der Panflötenmann", sowie den Gedichtband "Dachschaden". Nach einem einjährigen Neuseelandaufenthalt erschien dort sein Erzählband "The Moon in the Gutter". Momentan arbeitet er an der Roman-Komödie "Lauras Liebhaber". Für den Roman "Der Panflötenmann" erhielt er den Gustav-Regler-Förderpreis 1999 des Saarländischen Rundfunks.
Auszug aus Dachschaden. von Martin Bettinger. Copyright © 1994. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Wir haben den Salamander im Feuer gesehen "Und morgen werden wir fortgehn ins Land gegenüber."
Jan Skácel Früher war es das Land gegenüber der Wiese wo es Brombeeren gab. Früher war es die Hecke in der die Frauen mit Gießkannen verschwanden. Früher war es eine Abkürzung beim Gang in die Schule. Und mittags die langen Hähne mit steinkaltem Wasser im Sommer. Dann war es eine ganze Zeit nichts mehr. Paar Bäume die im Herbst die Straße mit Blättern bestreuten. Dann war es das Land das mir einen verschluckte. Dann war es das Land das mir noch andere schluckte zwischen roten Wegen und Kies. Jetzt ist es das Land wo du liegst. Noch keine Nacht liegst du da. Und mir wachsen wieder die Brombeeren ins Maul. Und die Gießkannen verschwinden hinter den Hecken. Und neben dir schlepp ich den Morgen zur Schule. Und mit dir hängen meine Lippen am Hahn - Es hilft nicht. Du bist im Land gegenüber, du bist wo man sich nicht wieder trifft. Die Bäume stehen wie Rechen im Wind. Wir haben nie Feuer und nie den Salamander gesehen.