Die Erinnerungen des Schauspielers Alexander Granach sind etwas Besonderes. Er war ja kein Berufsschriftsteller, und er starb, bevor das Buch veröffentlicht wurde, so daß er es nicht mehr vorher bearbeiten konnte - und gerade deshalb haben diese Memoiren so einen unverbrauchten, direkten Charme; man kommt sich vor, als würde einem der Autor gegenübersitzen und einem etwas erzählen. Was er erzählt und wie er es erzählt, das ist zugleich sehr realistisch und sehr poetisch. Granach verklärt die Welt nicht, in der er aufgewachsen ist: seine Familie, das osteuropäische Judentum, Galizien, die k.u.k. Monarchie, das alte Europa, und bringt einem gerade so nahe, was das Besondere daran war. Er schwärmt nicht und er klagt nicht - oder kaum - und ist deshalb so überzeugend. Das Wort "Mensch" im Titel ist bei ihm Programm: mit Menschen verschiedener Völker und Religionen kommt Granach in seinem Leben zusammen, und er bemüht sich, hinter dem Trennenden immer die Menschen als Menschen zu sehen und ihnen als Mensch zu begegnen - aber eben als einer, der - weil er ein Mensch ist - geprägt ist durch das, was er mitbringt, durch seine Herkunft, durch seine Religion.
Die Erinnerungen Granachs gehen bis zum Ende des 1. Weltkriegs. Seine darauffolgende Karriere in Deutschland und im Exil wird in dieser Ausgabe durch einige Fotografien angedeutet; eine gute Idee, die das Buch ergänzt, ohne es aufzublähen. Leider hat man den Text in die neue Rechtschreibung gezwungen, was das Lesen nicht gerade erleichtert.
Trotzdem ist es sehr schön, daß das Buch jetzt in dieser preiswerten und schön gestalteten Ausgabe erhältlich ist, und es sind ihm viele Leser zu wünschen.