Nachdem Snoop Doggy Dogg im Streit mit Death Row auseinander ging, wechselte er 1998 zum aufstrebenden Down South Label No Limit Records von Master P, was sich durch mehrere Kollabos mit u.a. Mystikal oder Silkk The Shocker bereits angedeutet hatte. Ab hier änderte sich einiges für den Doggfather. Das "Doggy" musste aufgrund rechtlicher Gründe mit Death Row aus dem Namen gestrichen werden und auch musikalisch tat sich viel. Als Gäste treten hier bis auf Charlie Wilson keine seiner West Coast Homies auf, sondern ausschließlich der No Limit Tank und auch bei den Beats wurde neben etwas West Coast Flavor viel auf den damaligen No Limit South Style gesetzt, was ich jedoch nicht als schlimm empfinde. Im Gegenteil.
Zu Beginn von Snoop's dritter Platte wird er zunächst vom Colonel Master P begrüßt, was in der Label-Geschichte einmalig ist. Der Song ist recht entspannt und leicht funky gehalten, macht besonders im Sommer echt Spaß. Snoop rappt lässig und echt gut und überbietet dabei locker Master P, der hier nicht gerade seine beste Vorstellungen liefert. "Slow Down" ist mehr im R'n'B Style gehalten. Das Instrumental ist im Midtempo gehalten und kann neben einem rhythmischen Beat auch eine schöne, eingängige Hintergrundmelodie aufweisen, welche mit dem Refrain von O'Dell und Anita Thomas einem richtig unter die Haut geht. Neben dem Doggfather rappt hier auch Mia X und macht ihren Job perfekt. Die erste Dirty South Bombe wird mit "Woof!" gezündet. Typisch harte und donnernde No Limit Bässe treffen auf Hundegebell, was schon sehr gut abgeht, doch erst im Hook wird mit den coolen Hintergrundgeräuschen alles abgefackelt. Am Besten performt hier Mystikal der sich mit seinem aggressiven Auftreten fast die Seele aus dem Leib schreit, doch auch Fiend und Snoop können überzeugen. Etwas an die alte Death Row Zeit erinnern "Gin & Juice II" und "Still A G Thang". Erstes wäre ein düsterer, aber auch sehr chilliger Song, zweites eine ebenfalls entspannte, aber auch sehr G-Funk lastige Nummer. Beide wissen wirklich zu gefallen, doch mit den Klassikern "Gin & Juice" und "Nuthin' But A "G" Thang" können sie natürlich nicht ganz mithalten. Leider sind auch ein paar Songs mit dabei, die recht langweilig wurden und wohl nur den Wenigsten gefallen dürften. Dazu zählen "Show Me Love" (feat. Charlie Wilson), "Hustle & Ball" oder "Don't Let Go", die wirklich enttäuschend sind, weshalb ich den Missmut vieler verstehen kann, jedoch auf keinen Fall teile. Wieder hart und böse geht es bei dem mit Schüssen unterlegten "TRU Tank Dogs" zu. Auch hier ist Mystikal wieder mit dabei und rappt alles genial in Grund und Boden, da bemerkt man Snoop Dogg eigentlich kaum, obwohl seine lässige Vorstellung auch echt gut ist. Nach diesem South-Brett sorgt das im West Coast Stil gehaltene "Whatcha Gon Do?" mit Master P, der hier deutlich besser rhymt als auf "Snoop World", für Abwechslung und Gefallen. Mein Lieblingstrack von "Da Game Is To Be Sold, Not To Be Told" ist das eher ruhige "20 Dollars To My Name". Es versprüht eine dunkle Atmosphäre was gut zu Snoop's Mafiosi-Raps passt. Neben ihm geht hier besonders Fiend richtig gut ab, aber auch Soulja Slim und Silkk The Shocker rappen genial. Fast genau so ein Kracher ist "Ain't Nut'in Personal" zusammen mit C-Murder und Silkk The Shocker, bei dem alle echt klasse über den dunklen und penetranten Beat ihre Reime spucken. Eine Art Remake von dem N.W.A-Klassiker "Gangsta, Gangsta" bekommt man mit "DP Gangsta" geboten. Hier wurde wieder auf G-Funk gesetzt, was mir sehr zusagt. Mit dem Original hat der Song allerdings nur die "Gangsta, Gangsta"-Rufe im Refrain gemeinsam. Snoop's Vorstellung ist o.k., aber er kann deutlich mehr, wirklich gut wird der Track erst mit C-Murder's Strophe, bei der ein komplett anderer, schnellerer Beat einsetzt und C mit seinem genialen Auftreten das Lied vor der Mittelmäßigkeit rettet. Der Rest des Albums ist leider nicht mehr allzu abwechslungsreich und es bewegt sich fast alles auf dem selben Midtempo-Niveau. Lediglich das von Jazz- und Funk-Instrumenten geprägte "Picture This" mit Mia X sticht noch deutlich heraus. Weiterhin gelungen wären u.a. noch Lovesong "D.O.G.'s Get Lonely 2", West Coast Track "Game Of Life" (feat. Steady Mobb'n), das chillige, leicht funkige "See Ya When I Get There" (feat. Mystikal & C-Murder) und Soopafly-Produktion "Hoes, Money & Clout".
Dieses Album fällt leider gerade in Deutschland vielen Vorurteilen zum Opfer und wird als billiges No Limit-Einheitsbrei-Album abgestempelt. Zum Einen ist No Limit viel besser als sein Ruf und wird wohl nur wegen des kommerziellen Erfolgs so gehasst, zum anderen unterscheidet sich diese Platte deutlich von denen der South-MCs, die damals dort gesignt waren. "Da Game Is To Be Sold, Not To Be Told" beinhaltet zwar den typischen No Limit Style, was Fans der Death Row Zeit zwar etwas irritieren mag, aber auch genügend West Coast Einflüsse, weshalb für jeden etwas dabei ist. So gut wie die beiden Vorgänger und Nachfolger ist diese Platte zwar nicht, dafür deutlich besser als alles was ab 2002 von Snoop Dogg auf den Markt kam. Für No Limit Fans blind zu empfehlen, alle anderen sollten lieber vorher einmal reinhören.