„Da Capo" ist anders als Love's Debütalbum. Die Lieder klingen farbenfroher; es kamen lateinamerikanische Elemente, Jazzanklänge (Flöte, Saxophon)und klassische Untertöne (Spinett) dazu. Die Lyriken aus Arthur Lees surrealem Los Angeles gehören mit Jefferson Airplains „Takes Off" und der ersten LP der Great Society und Buffalo Springfild zu Dokumenten früher Psychedelia.
Die erste Seite hat Songs, die ca. 3 Minuten lang sind - und diese machen den Charme von "Da Capo" aus.. Man ist noch dem traditionellen Song (Folk, schwarzer Gesang), doch man spürt Einflüsse einer neuen Generation. Erste Drogenerfahrungen werden verarbeitet, eine seltsame bittersüße wie freundliche Atmosphäre. Die meisten Lieder können auch Nicht-Kennern des Westcoast-Sounds vorgespielt werden. Nicht aber Revelations!
- Seven And Seven Is" ein 2 Minuten Fetzer, vielleicht die verrückteste Schwiegermutter-Verjager-Single bis dato (Ende 1966)überhaupt. Die Gitarrenrückkopplungen, der schwingede Bass ist originell. Doch Love waren keinesfalls ausgeflippte Spinner. Arthur Lee legte Wert auf gute Umgangsformen und technische Perfektion, wählte aus nicht weniger als 20 Versionen diese aus. Der Song endet mit einer Explosion, die in ein meditatives Rhytmusgitarren-Fade out mündet. Stark! Die Ramones haben 7 and 7 is gecovert, der Song wurde auch in den Neunzigern in einem Film mit P. Swayze verwendet. Die Single kam auf Platz 30. Der einzige Fetzer, der Rest ist eher laid-back.
- She Comes In Colours", klingt barock und erinnert an „She is like a Rainbow" der Stones. Nein! der Stones-Song erinnert an Love, da She Comes in Colours früher herauskam. Die Stones sollen auch Elemente aus dem langen Track für „Going Home" „entliehen" haben. Jim Morrison hielt große Stücke von Arthur Lees Bühnenpräsenz, ebenfalls Mick Jagger mochte die Gruppe. Da Capo ist von Doors-Studiomann Paul Rothschild produziert worden und machte (ein halbes Jahr vor dem Debüt der Doors) nachhaltigen Eindruck auf die Underground-Szene in Kalifornien.
- "Orange Skies" ist ruhig, melodisch, nette Flöte. Ein paar seltsame wie liebevolle Worte über LA mit seinem orangefarbenen (Industrie-)Himmel. Der Track wurde für den Film „I shot Andy Warhol" verwendet, er läuft dort in der Factory.
- Que vida, war eine Single, leider ohne Erfolg. Das Stück ist recht ruhig und von einer schläfrigen Hammondorgel getragen, leichter mexikanischen Einschlag.
- The Castle, auch dieser Titel ist eher balladenhaft. Die Burg war um 1966 ein bekanntes Hotel in LA, wo Schauspieler und Musiker wohnten, ähnlich dem Chelsea Hotel in New York. Mein Lieblingssong von "Da Capo". Man hört spanisch klingende Gitarren, ich bilde mir beim Hören ein, daß die Doors Elemente von "The Castle" auf "Spanish Caravan" verwendeten. Love war eine der wenigen gemischtrassigen Gruppen, die interessante Elemente schwarzer und weißer Musiktradition zu einem erregenden neuen Stil formten (außer Jimi Hendrix, den Arthur Lee gut kannte)
- Stefanie knows: Ein etwas härterer Track. Jazzig angehaucht mit mehrmaligen Tempo- und Melodiewechseln. Es geht um ein Mädchen, daß damals mit Arthur Lee befreundet war. Gelungen ist das Beifügen eines barocken Spinetts versus Lees schwarzen Vocals. Der Track gefällt bei mehrmaligem Hören, als Opener ist er (genauso wie Alone and auf Forever Changes) etwas zu progressiv. Besser wäre Orange Skies gewesen.
- Revelation", na ja. Paßt irgendwie nicht in das bisherige Love-Werk, einschl. der ersten Seite von "Da Capo". Love war um 1965/66 ein beliebter Live-Act in L.A. Vielleicht wollten sie mit einem langen Track (19 Minuten) versuchen die Vibrations eines Konzertes wiedergeben. Warum dann kein echter Live-Jam aus dem Fillmore West? Revelations hat ein paar gute Momente. Z.B. das Saxophonsolo oder das Gitarrenriff. Über lange Minuten fängt Lee plötzlich zu toben und krakehlen an, was etwas nervt (wenn schon ein vertonter Koitus, dann eher von Donner Summers zweiter LP).
Schade: Ein wirklicher Höhepunkt von Loves Konzerten 1966 soll eine ausgedehnte Version von Van Morrisons „Gloria" gewesen sein. Gloria hat schon den Katalog der Doors, Patti Smith oder Santa Esmeralda veredelt. Gloria (mit Satisfaction das beste Riff der Sechziger) über eine Plattenseite hätte leicht das schwer verdauliche Revelations ausgestochen, finde ich.
Revelations ist allerdings eine der allerersten Pop-Tracks, die über eine ganze Plattenseite gingen, der erste soll (noch länger und besser) „East-West" von Butterfield Blues Band gewesen sein.
Die 4 Sterne gelten den feinen kurzen Liedern auf „Da Capo", der Alternativ-Version von "7 and 7 is" und den feinen Unterschieden der Mono und Stereo-Versionen. Wem die ruhigen Tracks hier gefallen, sollte sich das akustische "Forever Changes" der Gruppe kaufen.