Wenn man in den vergangenen Jahren TV-Serien mit historischem Inhalt geschaut hat, dann wurden diese zusehends gewalttätiger, und sexlastiger (z.B Spartacus Blood and Sand / Die Tudors). Obwohl ich diese Serien verschlungen habe, hatte ich nicht das Gefühl, sie würden das Leben der damaligen Zeit darstellen. Bei John Adams ist das anders. Ängste, Nöte und die Lebensumstände der Menschen des 18. Jahunderts werden greifbar. Ein Winter ist kalt, Poken sind tödlich, Medizin ein Risiko, Arbeit ist beschwerlich, Politik ist wortgewaltig.
Hollywood - Historienkino wird vermieden. Georg Washington z.B. erscheint nicht als die Übervaterfigur, wie sie von seinen Zeitgenossen wahrgenommen und beschrieben wurde.
Ebenso verzichtet der Film auf Pathos wie er in Filmen wie Der Patriot oder Serien wie Fackeln im Sturm zu sehen ist.
Um dies zu erzählen, haben die Macher einen langsamen Erzählstil gewählt. Zwar wird die bei HBO übliche Handkamera eingesetzt, aber nicht, um Hektik und Geschwindigkeit zu transportien, sondern um den Zuschauer sich als Beobachter zu fühlen.
Als besonders schön finde ich auch, dass auf schnelle Schnitte verzichtet wurde.
John Adams erinnert mich an die europäischen Historien-TV- Serien, die ich als Kind in den 80er Jahren geschaut habe. (Wallenstein / Richelieu). Wer diese mochte, der wird auch John Adams mögen.