Mit "Unter dem Westwind" haben sich Ragnar Schwefel und viele andere DSA-Autoren der längst überfälligen Aktualisierung des alten Thorwalwerks "Thorwal und die Seefahrt des Schwarzen Auges" angenommen und zudem erstmals Nostria, Andergast und das Gjalskerland beschrieben.
Die erfreuliche Tendenz, dass die neuen Regionalwerke durchweg besser ausfallen als ihre Vorläufer, wird durch Unter den Westwind ein weiteres Mal bestätigt. Es wird auf viel mehr Aspekte des Lebens in der Region eingegangen und diese werden wie die alten auch viel ausführlicher beschrieben, als dies im Vorgängerwerk der Fall war. Besonders fällt auch auf, dass die Texte viel sachlicher, und direkt im Spiel verwendbar geschrieben sind, denn während die Thorwaler im alten Band noch aus der Sicht des damals sowohl was die Machtverhältnisse in Aventurien als auch was die irdische Ausgestaltung angeht klaren Hegemons, des Mittelreichs als ziemlich genaue Entsprechung der Klischeewikinger beschrieben wurden, und die Beschreibungen somit natürlich von Vorurteilen gegenüber den Thorwalern behaftet waren, schreibt man nun in diesem und anderen Werken als neutraler Beobachter, sodass die thorwalsche Kultur nicht mehr auf die sauf- und rauflustigen Seeräuber reduziert erscheint, sondern als facettenreich, interessant und alles andere als stereotyp.
Somit sind die Texte viel besser für die Verwendung im Spiel oder fürs Verfassen eigener Abenteuer geeignet, da sich der Leser nicht immer erst überlegen muss, was denn nun auf die Thorwaler zutrifft und was nur ein Voruteil ist. Somit werden die Regionalwerke endlich dem Begriff der Spielhilfe gerecht, doch geschieht dies nicht nur durch die besseren Texte, sondern auch und gerade durch die zahlreichen eingesetreuten Tipps für Spieler und Spielleiter zum Spielen von Helden, NSCs und Abenteuern aus der Region, sowie durch die zahlreichen Ideen für eigene Abenteuer, die ebenfalls im Buch zu finden sind.
Sie werden vielleicht bemerkt haben, dass ich bisher immer nur von Thorwal geschrieben habe. Dies liegt nicht etwa daran, dass die bisher genannten positiven Aspekte für die Beschreibungen von Nostria, Andergast und dem Gjalskerland nicht zuträfen, sondern lediglich daran, dass sich Unter dem Westwind deutlich auf Thorwal konzentriert und die drei anderen Regionen eher unter "Ferner liefen" führt (Thorwal mit gut 120 Seiten stehen das Gjalkserland mit derer etwa 20 und Nostria und Andergast mit
insgesamt an die 50 gegenüber). Bei aller Beliebtheit, welche Thorwal in der DSA-Spielerschaft genießt, wäre hier ein ausgeglicheneres Verhältnis der Seiten, die auf eine Region entfallen, wünschenswert gewesen, so kommen Nostria, Andergast und das Gjalskerland einfach zu schlecht weg und dafür gibt es einen Stern Abzug.
Ansonsten habe ich nicht zu viel kritisieren. An den Zeichungen von Sabine Weiss scheiden sich die Geister der DSA-Spieler, ich gehöre zu denen, denen sie nicht gefallen, aber da die Zeichungen beileibe nicht der Hauptaspekt des Werks sind, ist dies kein schwerwiegender Kritikpunkt.
Alles in allem ist Unter dem Westwind deutlich besser als sein Vorgänger und der Kauf lohnt sich auf jeden Fall auch für diejenigen, die "Thorwal und die Seefahrt des Schwarzen Auges" besitzen. In der Wertung gebe ich vier Sterne mit Tendenz nach unten, die bei einer stärkeren Behandlung von Nostria, Andergast und dem Gjalskerländ zu 4 bis 5 Sternen geworden wären.