Wer den "unterschlagenen" Film liebt, sollte das dänische Label Another World Entertainment im Hinterkopf behalten. Hier, wo sich verloren geglaubte Sex-Ploiter, hanebüchene Nazi-Exploiter und herbe Horrorstreifen aus den Siebzigern und Achtzigern tummeln, erschien mit "Once Upon A Time In Norway - The History Of Mayhem And The Rise Of Norwegian Black Metal" eine sehr gelungene Dokumentation, die es in der Tat (was ich anfangs nicht für möglich hielt) mit den journalistischen Meisterleistungen des Rock Hard-Mitarbeiters Wolf-Rüdiger Mühlmann aufnehmen kann. Chapeau, und weiter im Text: Was Mühlmann in seinen Texten so plakativ verarbeitete, wird im Verlaufe dieser fundierten Dokumentation noch einmal ausführlich nacherzählt.
In other words: An die Zeit als in Norwegen Kirchen brannten (und hierbei ein Feuerwehrmann ums Leben kam), ein psychisch labiler (Black) Metalhead zum Suizid ermutigt, ein unschuldiger Homosexueller getötet und ein vermeintlicher Gesinnungsgenosse kurzerhand hinterhältig um die Ecke gebracht wurde, erinnert sich eine handvoll Ver- bzw. Geblendeter, allen voran Necrobutcher, Manheim, Messiah sowie einige weitere Szenegrößen.
Was MAYHEM (aufgrund ihrer bedingungslosen Liebe zu VENOM) Anfang der Achtziger lostraten und anfangs als reine Provokation gedacht war, hatte zu guter letzt etwas vom subversiven Treiben eines in seinen Grundzügen verpeilten Manson-Clans, dessen primäres Ziel es bekanntlich ebenfalls war, das verpönte Establishment zu erschüttern, es zumindest zu schockieren.
Der profane Aufhänger des Ganzen mag zwar der Satanismus als solches bzw. Aleister Crowley's Lehre des "Ich"-bezogenen Personenkults gewesen sein, letztendlich ging es den Beteiligten aber wohl doch nur darum, Bestandteil eines elitären, Menschenverachtenden Zirkels zu sein.
Kurzum: Man war alles, nur eben nicht Lucifer's Heritage (auch wenn man das seinen leichtgläubigen Fans so gerne vorgaukelte). Ganz schlimm in dem Zusammenhang: Das geistige Brandschatzen zeigte Wirkung, war es doch der Urknall für so manch eine unterbelichtete NSBM-Formation wie beispielsweise die Thüringer ABSURD.
Knackiges Fazit: "Once Upon A Time In Norway - The History Of Mayhem And The Rise Of Norwegian Black Metal" ist - wie auch "Satan Rides The Media" (eine weitere, nicht minder schlechte Dokumentation zu diesem Thema) - beileibe nicht nur für Black Metal-Fans von Interesse.