Dr. Rick Strassmann war Professor an der Universität von Albuquerque, New Mexico und ehemaliger Zen-Praktizierender. Wider Erwarten gelang es ihm, eine offiziell genehmigte Experimentalreihe mit DMT - Dimethyltryptamin mit 60 Freiwilligen durchzuführen. Bei DMT handelt es sich um eine von der Zirbeldrüse gebildeten psychedelischen Substanz, dem Wirkstoff des magischen Trankes Ayahuasca, der auch von den Amazonas-Indianern verwendet wird.
Dr. Strassmann hat seine Versuche in den USA mit hochoffizieller Genehmigung der Behörden durchgeführt und dabei ist es ihm gelungen, psychedelische Zustände auszulösen, die in beeindruckender Art und Weise den bekannten Kernelementen der NTE entsprechen.
Solche Versuche sind nicht neu, In einer im Jahre 2002 durchgeführten Studie behaupteten Schweizer Neurologen um Prof. Olaf Blanke, dass sie Out-of-Body-Erfahrungen künstlich hervorgerufen hätten. Die Schweizer Neurologen hatten bei einer Patientin gezielt Out-of-Body-Erfahrungen hervorgerufen. Die Patientin hatte das Gefühl, den eigenen Körper zu verlassen und von außen zu betrachten, war im Magazin "Nature" zu lesen.
Um den Epilepsie-Herd einer Patientin zu bestimmen, haben Blanke und sein Team Elektroden auf die Hirnoberfläche der Betroffenen gelegt. Reizten sie mit den Elektroden am hinteren Schläfenlappen des Gehirns den Gyrus angularis, erlebte sich die Patientin von außen: Sie sah sich von oben auf dem Krankenhausbett liegen. Forderten die Ärzte währenddessen die Patientin auf, den Arm zu heben, hatte sie das Gefühl, der Körper würde nach ihr schlagen.
Dr. Strassmann`s Ergebnisse gingen nach seinen Angaben aber weit über diese Erlebnisse hinaus. Es wurden nicht nur Teilelemente ausgelöst, sondern vollständige Nahtoderfahrungen, mit allen bekannten Elementen. Strassmann vertritt die These, dass 49 Tage nach der Empfängnis der Mensch durch entsprechende DMT-Produktion in der Zirbeldrüse zum Menschen wird und kann dies durch entsprechend hohe DMT-Konzentrationen belegen. Er hält es für möglich, dass beim gerade Verstorbenen DMT dann durch Diffusion auch ohne funktionierenden Kreislauf im Gehirn für die entsprechenden Erlebnisse sorgt. Strassmann nun jedoch als Gegner einer transzendenten Interpretation abtun zu wollen, wäre verfrüht. Er hält es durchaus für denkbar, dass die geistigen Welten, die sich unter der Wirkung von DMT zeigen, autonom für sich existieren und das DMT ein Hilfsmittel darstellt, um sich dieser normalerweise nicht wahrnehmbaren Existenzebenen bewusst zu werden.
Diese Interpretation muss man nicht zwingend nachvollziehen. Es ist die alte Diskussion, ob die geschauten und erlebten Bilder, Landschaften und Wesen immanent oder transzendent sind. Wir werden dieses Problem wohl nie lösen können.
Für Strassmann zeigt sich, dass die NTE ein Kind des DMT ist, ob nun DMT als Schlüssel zur einer transzendenten Realität oder als Verantwortlicher für ein Trugbild aufgefasst wird, bleibt vorerst dahingestellt. Seine persönliche Schlussfolgerung lautet, dass er es für möglich hält, dass das Lebensprinzip durch DMT-Ausschüttung durch die Zirbeldrüse in den Körper gelangt und beim Sterbeprozess dort auch wieder hinausfindet. Anschließend hält er es in Anlehnung an des tibetische Totenbuch denkbar, dass ein Energiefeld noch einige Tage existiert und sich dann, entsprechend den Gesetzen der Resonanz, in einen neuen Körper begibt. Er vergleicht diesen Vorgang mit einer Glocke, die nach dem läuten noch ausschwingt und nachklingt.
Dieser Philosophie zufolge wäre also die Zirbeldrüse eine Art Filter, die uns vor einem Übermaß an transzendenter Wahrnehmung schützen würde, um unseren normalen Lebensablauf zu gewährleisten. In entsprechenden Ausnahmesituationen würde DMT dann in Form eines chemischen Dolmetschers diesen Filter außer Kraft setzen und die Wahrnehmung anderer Realitäten ermöglichen,
Insgesamt lässt sich das Problem also immer noch nicht abschließen. Die Nahtoderfahrung stellt uns noch vor viele Rätsel und es gibt zur Zeit hochspannende Untersuchungen, die vielleicht in naher Zukunft ein klein wenig mehr Licht auf dieses hochinteressante Phänomen werfen werden. Dr. Strassmann`s Arbeit könnte aber der momentan sehr gereizten Stimmung zwischen den Vertretern der Neurotheologie, also der ausschließlich materialistischen Interpretation mystischer Bewusstseinszustände und der transzendenten Sichtweise vermitteln.
Insgesamt betrachtet handelt es sich um ein sehr lobenswertes Werk, das in keinem Bücherschrank von an Nahtoderfahrungen Interessierten fehlen sollte.