Ich gebe es zu: ich bin ein Bossa Fan der Old School. Seit Jahren verfolge ich die Scheiben von Rosalia de Souza mit gemischten Gefühlen. Immer wieder finden sich einzelne Stücke, die echte Perlen des Bossa Nova sind, aber für meinen Geschmack geht der Stil überwiegend zu sehr in die umgekehrte Richtung des Nova Bossa. Natürlich darf man jetzt einwenden, dass das ja gerade die Weiterentwicklung einer musikalischen Strömung ist, die in den 50er eingesetzt hat und notgedrungen nicht dort stehen bleiben darf. Aber ich bekomme einfach nicht genug von dieser so scheinbar federleichten Musik, die alles befördert, was der Jazzfan mit dem Faible für Latinmusic liebt: Meer, Strand, Sonne, schöne Frauen, Caipirinhas am Strand von Ipanema und Sonnenuntergänge an der Copacabana. Wer das schon einmal erleben durfte, weiß wovon ich rede! So anspruchsvoll die Werke von Gilberto Gil, Caetano Veloso oder Milton Nascimento auch sein mögen, ich brauche die Leichtigkeit und Unbeschwertheit, die ihnen vielfach abgeht. Und dann, als ich es schon fast aufgegeben hatte, kommt Rosalia mit einem Werk, dass genau dort weiter macht, wo Tom Jobim und Joan Gilberto nicht weitermachen konnte. Vielleicht keine Weiterentwicklung, aber ein konsequentes Fortschreiben der klassischen Bossa, wie man es vielleicht von Gal Costa und vor allem von Toco kennt. Beinahe jedes Stück ein Knaller, eine CD für stille Stunden, wie auch für einen Sommerabend in der Lounge. Ich werde besoffen von dem fetzigen Klang der Bläserfraktion mit Fabrizio Bosso und Gianfranco Marchesi und dem perfekt geschlagenen Rhythmus von Roberto Rossi an den Drums. Nicht erst seit Cromalatina und Giacomo Biondi haben gerade itaienische Studiomusiker den Bossa enorm bereichert. Mein Favourit - und das ist in diesem Fall wirklich schwer - ist "Bossa 50" - eine Homage an alle Größen des Bossa. Da kann ich nur sagen: todo bem.