Natürlich kann man die Frage, die ich in der Überschrift meiner Rezension stelle, nur bedingt bis gar nicht beantworten. Ich kann den Film lediglich aus meiner Sicht bewerten. Ob ich zufrieden bin? An der Bewertung kann man wohl gut ablesen, dass ich diesen Film ziemlich mittelmäßig einstufe.
Ich habe das Buch vor ein paar Jahren gelesen und fand es überraschend gut. Und zwar so gut, dass ich es mir gleich mehrfach zu Gemüte geführt habe. Viele Stellen lese ich immer mal wieder, bevorzugt die, in denen Professor Artur Kupfer, der von den Schülern aufgrund seiner Unfehlbarkeit "Gott" genannt wird, einen seiner vielen Auftritte hat. Monatelang habe ich mit dem Gedanken gespielt, mir auch den Film zu kaufen, bis ich es schließlich wirklich getan habe. Aber es ist wie so oft bei den Adaptionen guter Bücher: die Verfilmung kann einfach nicht auf ganzer Linie mithalten.
Der jüdische Schriftsteller Max Brod beschrieb das Buch einst mit folgenden Worten: "Das ist kein Schulroman mehr, das ist ein hellsichtiger, überwacher, visionärer Durchblick ins Gesamtbild unseres Daseins. Das Rätsel >Schule< wird nach allen Richtungen hin in das größere Rätsel >Leben< eingebaut."
Das Buch wird durch diese Aussage perfekt beschrieben. Der Film versucht so gut es geht, genau diese Einordnung zu treffen, schafft dies aber leider nur bedingt. Das hat mehrere Gründe, auf die ich jetzt eingehen werde.
Das Buch ist immerhin rund 300 Seiten lang, wird hier allerdings auf 99 Minuten verkürzt, von denen die ersten für Szenen verwendet wurden, die im Buch nicht vorkommen und nur in späteren Erzählberichten eine Erwähnung wert sind. In meinen Augen reicht diese Länge für solch ein Buch einfach nicht aus. Und das hat nicht nur etwas mit der Länge des Buches zu tun, sondern auch mit der Interpretation und der Umsetzung im Film. Viele Stellen, die im Buch beschrieben werden, spielen sich in Kurt Gerbers Gedankenwelt ab und sind damit nur schwer zu verfilmen.
Allerdings kann man nicht sagen, dass dieses Vorhaben im Film nicht versucht worden wäre. Zwar ist das Budget des Films sehr klein gewesen - und zwar dermaßen klein, dass man, von ein paar Pianospielen abgesehen, nicht einmal auf Filmmusik zurückgreifen konnte - aber die einfachsten Mittel sind ja bekanntlich nicht selten die besten. So gelingt es Wolfgang Glück hier mit ein paar simplen Bilden und wenigen Detailaufnahmen, eine Stimmung zu erzeugen, die dem ungleichen Kampf zwischen Gerber und Kupfer schon sehr gerecht wird. Je länger der Konflikt anhält, desto öfter wird von diesen simplen düsteren Methoden (helle Aufnahme zeigt Gerber, dunkle Aufnahme zeigt Kupfer / das Piano setzt ein) Gebrauch gemacht.
An den schauspielerischen Leistungen gibt es meiner Meinung nach nichts auszusetzen. Es gab schon vermehrt Fälle, in denen Zuschauer damit angefangen haben, Werner Kreindl in der Rolle des Kupfer zu hassen. Er verkörpert die kalte, selbstherrliche, arrogante und unfehlbare Figur des Lehrers für Mathematik und Darstellender Geometrie nahezu perfekt. Und zwar so perfekt, dass die Leistung von Gabriel Barylli, der Kurt Gerber spielt, an manchen Stellen unterzugehen droht. Aber auch Barylli macht seine Sache mehr als ordentlich - vor allem unter dem Aspekt, dass es sich hier um seinen ersten Film handelt.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass Werner Kreindl für seine Darstellung den Deutschen Filmpreis in Gold erhielt, und das völlig zu Recht.
Insgesamt kann man sagen, dass die Verfilmung sicher sehr ordentlich geworden ist, wenn sie auch nicht am Buch vorbeikommt. Die schauspielerischen Leistungen stimmen und die Mittel sind gut getroffen, wenn auch ziemlich einfach gehalten. Dem stehen allerdings eine fehlende psychologische Tiefe und eine an manchen Stellen alles andere als geglückte Inszenierung der im Buch so wichtigen Gedankenwelt Gerbers gegenüber.