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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Pflichtlektüre für kritische Geister,
Von
Rezension bezieht sich auf: 'DEMOZID' - der befohlene Tod. Massenmorde im 20. Jahrhundert (Taschenbuch)
Die verdienstvolle und überaus fundierte Untersuchung des Politologen der Universität Hawaii, eines der renommiertesten Forscher zum Thema Völkermord, orientiert sich an Fakten und Zahlen; Schilderungen stehen im Hintergrund. Manchem wird das zu spröde sein. Gleichwohl gehört dieses Werk, das dankenswerterweise ins Deutsche übertragen wurde, in das Bücherregal eines jeden Historikers, der sich mit den großen Verbrechen gegen die Menschlichkeit befasst, ebenso wie in das engagierter Pazifisten und Polit-Aktivisten. Für den Massenmord per Regierungsbefehl (wie man den Originaltitel auch hätte übersetzen können), den des Nazi-Regimes an den Juden oder den des totalitären Pol-Pot-Regimes am eigenen kambodschanischen Volk beispielsweise, kreiert Rummel den neuen Begriff "Demozid". U.a. bilden darüber hinaus das Massaker von Nanking 1937, die Stalin-Ära, Mao Tse-tungs tödliche Experimente, der Mord an den Armeniern und Griechen durch die Türken 1815-1816, aber auch die Vertreibungen von Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten Kapitel in dem Buch. Rummel geht dabei akribisch vor, Daten wurden minutiös gesammelt und ausgewertet. Auf ideologische Wertungen verzichtet der Autor. Kommunisten und Nationalisten oder einfach machtbesessene Egozentriker sonstiger Färbung sind es, deren Verbrechen er, sich stützend auf die Macht der nackten Zahlen, offenbart. Nur eine Lehre zieht er: "Macht verdirbt, absolute Macht verdirbt absolut." Ideologisch festgelegten Menschen wird dieses Buch nicht ins Konzept passen. Mancher wird es gar als schallende Ohrfeige für seine bisherigen weltanschaulichen Überzeugungen empfinden müssen. Wer z.B. glaubt, dass in Vietnam das große Sterben für die Zivilbevölkerung (vor allem im Süden) nach dem Rückzug der Amerikaner ein Ende hatte, muss sich hier eines Besseren belehren lassen: Das Sterben begann eigentlich erst richtig. Und wem immer schon klar war, dass im Vietnamkrieg die Amerikaner die bösen Invasoren und die Vietkong-Guerillas heroische Freiheitskämpfer waren, erfährt hier möglicherweise zum ersten Mal, dass dem kommunistischen Regime in Hanoi zwischen 1975 und 1987 nach einer mittleren Schätzung eine halbe Million Zivilisten im eigenen Land zum Opfer fielen (durch Massenhinrichtungen, Umerziehungs- und Todeslager), gewagtere Schätzungen kommen auf 1,5 Millionen Todesopfer; die weitere halbe Million Demozid-Opfer (mittlere Schätzung) in den Nachbarländern Laos und Kambodscha noch gar nicht eingerechnet. Zum Vergleich: Im gesamten Vietnamkrieg gab es (höchste anzunehmende Zahl) 10.000 zivile Opfer durch völkerrechtswidriges Vorgehen amerikanischer Truppen (z.B. das umstrittene Agent Orange oder das Massaker von My Lai). Man könnte auch sagen: In Indochina ereignete sich ein Holocaust mit immerhin einem Viertel des Tributs an Menschenleben, den der Nazi-Völkermord an den Juden forderte, und niemanden hat's interessiert! Beschämend und verstörend, feststellen zu müssen, dass sich bei Tausenden von Protestmärschen und Demonstrationen zum Thema Vietnam, die es weltweit gegeben hat, kaum jemand für die Opfer des verbrecherischen kommunistischen Regimes erhoben hat - und das aus nur einem einzigen belanglosen Grund: weil es nicht ins Weltbild passte.
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