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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 23.09.2011 21:48:19 GMT+02:00
HGK meint:
Habe mir zwei portable DAB+ Empfänger gekauft und bin wirklich begeistert. Sowohl den Empfang als auch die Bedienungsfreundlichkeit der Geräte betreffend.

Nun gibt es in div. Internet-Foren ja häufig die Tendenz, das Ganze sei eine Technologie von gestern, die Zukunft gehöre dem Internet. Zu Hause ok, Internet-Radio mit dem Router verbinden, unbegrenzte Flatrate nutzen, über Tausende von Sendern verfügen, alles prima.

Aber unterwegs? Natürlich gibt es vernünftige Radio-Apps. Aber bei mobilen Internet-Flats ist meist bei 300 Mb pro Monat Schluss, danach super-langsam und kaum mehr zu gebrauchen. Also ist Dauer-Radio-Hören ein Problem. Außerdem können moderne Smart-Phones aus meiner Sicht Radio genauso gut wie Foto, MP-3, Lesedateien usw. - also eher schlecht.

Bin ich der Einzige, der sich eine Zukunft für DAB+ wünscht?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.04.2012 21:29:01 GMT+02:00
Murphy meint:
Hallo HoKu! NEIN, Sie sind nicht der Einzige, der sich eine Zukunft für DAB+ wünscht!
Und NEIN, es handelt sich natürlich NICHT um eine auslaufende Technologie!
Dass ich diese Antwort erst nach einem halben Jahr poste, liegt schlicht daran, dass die Diskussion unter dem Philips DA9011 läuft, welches ich als Sender-gebrandetes Gerät bisher nicht weiter beachtet habe. Aber bei dem Preis-Leistungsverhältnis muss man sich momentan wohl an das grau-grüne Design gewöhnen, mangels bezahlbarer Alternativen. Aber zurück zum Thema:

Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Nicht jeder hat eine unbegrenzte Flatrate, nicht jeder möchte seinen Router 24 Stunden laufen lassen (im Single-Haushalt schlicht Stromverschwendung, aber ein Internetradio-Wecken fällt so natürlich flach), nicht jeder hat störungsfreies WLAN in allen Räumen und vor allem hat längst nicht jeder eine mobile Flatrate, geschweige denn ein Internetradio-fähiges Endgerät wie Smartphone oder Tablet. Und selbst wenn das alles vorhanden ist und auch die Kosten dafür akzeptiert werden, möchte ich nicht wissen, wie oft der Akku vor lauter Radio hören gerade dann "down" ist, wenn ein wichtiges Telefonat ansteht.

Schließlich ist Internet-Radio nichts anderes als ein individuell für den Nutzer angelieferter Audiostream, und das hat nichts mit Rundfunktechnik zu tun, auch wenn das Ergebnis erst einmal gleich scheint. Aus gutem Grund ist es also an der Zeit, den über 60 Jahre alten analogen UKW-Hörfunk mit einer digitalen Technik zu ergänzen, die nicht die Probleme der alten DAB-Zeit zeigt. Denn beim klassischen "Radio hören" geht es hauptsächlich darum, an jedem gewünschten Ort ein geeignetes Gerät einfach aufstellen und in Betrieb nehmen zu können. Während zu Hause im Wohnzimmer meist Kabel oder Satellit (ja, auch die liefern digitales Radio...) und oft auch Internet in Reichweite ist, ist es häufig schon im Schlafzimmer nicht so einfach möglich, auf stationäre Verbindungen zuzugreifen. Um so unwahrscheinlicher im Kinderzimmer, in der Küche, im Bad... - und erst recht nicht im Auto, im Park, beim Jogging etc.

Warum also für all diese Situationen nicht einfach beim guten alten UKW bleiben? Ganz einfach: Auf dem Nachttisch meines Schlafzimmers kommen zum Beispiel mit Glück 4 bis 5 Sender störungsfrei an (und fast alle Radiowecker arbeiten Mono - wie toll rauscht es da erst bei Stereo-Empfang...). Bei einigen ortsüblichen Programmen ist komplett Fehlanzeige. Und mindestens 3 vom Rest senden Inhalte, die ich gerade gar nicht hören mag. Oder im Auto: Bei jeder gefühlten fünften Ampel taucht genau an der Stelle kräftiges Rauschen im UKW-Signal auf, an der ich soeben zum Stehen gekommen bin. Manchmal hilft etwas Vorfahren, manchmal auch nicht. Diese Beispiele zeigen, weshalb diese Technik zwar ohne Zweifel so lange Zeit gute Dienste geleistet hat (und noch immer leistet), es aber Zeit wird für Fortschritt. Und mal ehrlich: Fast alles Technische um uns herum ist inzwischen digital - aus gutem Grund. Und allein für das Radio soll das nicht sinnvoll sein?

Auch ich kenne natürlich die Argumente der diversen DAB+-Meckerer, von denen immer wieder mal etwas zu lesen ist. Hier werden jedoch all zu oft Äpfel mit Birnen verglichen oder Wunder erwartet. So wird beispielsweise die Klangqualität bemängelt und mit MP3, FLAC oder gar der CD verglichen. Oder es wird sich über Aussetzer beim mobilen Empfang beschwert. Beliebt ist auch, sich über die angeblich zu niedrigen Bitraten der Sender auszulassen oder die Anzahl der empfangbaren Programme zu kritisieren.

Tatsache ist: Wir reden von der Digitalisierung des Rundfunkempfangs, der einmal überall problemlos terrestrisch möglich sein soll. Nicht mehr und nicht weniger. So wie UKW immer schlechter geklungen hat als eine Schallplatte, so kann und soll DAB+ nicht an das Klangniveau einer sehr guten Audiodatei oder gar einer hochwertigen CD heran reichen. Die dafür nötigen Bandbreiten würden sowohl eine angemessene Programmauswahl als auch eine akzeptable Kostenstruktur unmöglich machen. Im Vergleich zum UKW-Radio klingt DAB+ aber wesentlich klarer, es gibt kein Senderrauschen, keinen Grund auf Stereo zu verzichten und jüngere Sender (bei UKW meist mit deutlich schwächeren Signalen unterwegs) sind immer gleichberechtigt empfangbar.

Bei Problemen mit dem mobilen Empfang wird gerne übersehen, dass es DAB+ in Deutschland erst seit August 2011 gibt, mancher Landesmux ist sogar noch deutlich später hinzu gekommen. Jedes neue Netz muss erst aufgebaut werden und Prioritäten setzen. Da gibt es natürlich noch jede Menge Versorgungslücken und diese lassen sich nicht von heute auf morgen schließen. Das ist eine enorme logistische und finanzielle Aufgabe. Das war auch bei jeder anderen Technologie so; man erinnere sich an die Anfänge des Mobilfunks. Mit Freude lese ich jedoch immer wieder, dass in diesem Punkt erhebliche Anstrengungen unternommen werden. Also bitte etwas Geduld, liebe User, dann klappt's irgendwann auch mit dem Empfang auf dem Land oder im Tal.

Zu den Bitraten der einzelnen Programme sei noch einmal erwähnt, dass DAB+ auf Grund seiner wesentlich effizienteren Komprimierungstechnologie deutlich geringere Bitraten benötigt, als sie bei vergleichbarem Qualitätsniveau für die alte DAB-Norm oder gar für MP3-Dateien notwendig wären. Diese Zahlenwerte sind also in keinem Fall vergleichbar. So kann ich mich täglich davon überzeugen, dass die 72 kBit/s, mit denen die meisten Anbieter auf dem Bundesmux senden, bereits für eine gut hörbare Qualität sorgen. Auf Grund des Bestrebens, hier ein möglichst breites Angebot (mit 14 Programmen) bereit zu halten, ist schlicht nicht mehr möglich. Und die beiden verbliebenen Programme Deutschlandfunk und D-Radio Kultur, die in der alten DAB-Norm mit 128 kBit/s senden und verhindern sollen, dass die alten DAB-Geräte bereits zum Elektroschrott zählen, tragen naturgemäß auch nicht zur Datensparsamkeit bei. Dieses Problem besteht auf den meisten Landesmuxen nicht, da sich die zuständige Landesrundfunkanstalt meist mit den eigenen 6 bis 8 Programmen auf dem Kanal breit machen kann. So sendet z.B. der NDR seine 8 Programme fast alle mit 96 kBit/s, was einer sehr gut hörbaren Qualität entspricht. Für audiophiles Hören mit Kopfhörer (und womöglich Klassik) ist das System freilich nicht ausgelegt und diese Klientel konnte nie mit Radiosignalen zufrieden gestellt werden; dafür gibt es andere Medien.

Die Politik des Kompromisses gerade auf dem Bundesmux zwischen Qualität und Quantität sorgt auch dafür, dass die Anzahl der Programme für ein noch so junges Medium erstaunlich hoch ist. Es wäre einfach nicht finanzierbar, für eine noch sehr geringe Hörerzahl gleich eine handvoll Multiplexe aufzubauen. Immerhin sind in fast allen bereits ausgebauten Gegenden mit den jeweiligen Landesmuxen mindestens 20 Programme auf zwei Multiplexen empfangbar, in manchen Regionen sogar schon an die 40 Programme, Tendenz steigend. Auch hier muss man dem System fairerweise einige Jahre Zeit geben. Fakt ist, dass mit DAB+ in den meisten versorgten Gebieten schon jetzt deutlich mehr Sender verfügbar sind als mit UKW in akzeptabler Qualität.

Bleibt zu wünschen, dass die Geräteindustrie dem nicht nach steht und zügig für eine größere und attraktivere Auswahl sorgt. So vermisse ich noch immer Geräte mit einem externen Antennenanschluss (wenn es mit der Signalstärke in der gewünschten Zimmerecke doch nicht reicht) oder mit direkten Stationstasten (die die Lieblingssender viel einfacher aufrufen). Insbesondere ist auch die Kfz-Industrie gefragt, endlich DAB+ in alle ihre serienmäßigen Audioanlagen einzubauen, in Zeiten, in denen DIN-Schächte zur Nachrüstung eines beliebigen Autoradios aus der Mode gekommen zu sein scheinen.

Fazit: Wenn in diesem und in den nächsten Jahren die weißen Flecken nach und nach geschlossen werden und hier und da noch die Sendeleistung erhöht wird, hat DAB+ definitiv eine Zukunft. Ich jedenfalls mag UKW schon gar nicht mehr so gerne...

Veröffentlicht am 19.04.2012 18:48:22 GMT+02:00
HGK meint:
Dann sind wir ja schon mal zu zweit, die DAB+ gut finden :-) Wobei die meisten "Meckerer" auch häufig Äpfel mit Birnen vergleichen und Ansprüche an Klang, Empfang und Bedienbarkeit stellen, die solche meist preiswerten Geräte gar nicht leisten können. Man kann DAB eben nicht mit hochwertigen, unkomprimierten Audioformaten im High-End-Bereich vergleichen, sondern nur mit UKW. Und da sehe & höre ich, ebenso wie Sie, Welten dazwischen.
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Philips DA9011/02 Tragbares 90elf Fußball-Digitalradio mit DAB+/Digitalradio, LCD-Display, USB-Ladekabel, 20 voreingestellte Sender (weiß/grau/grün)
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