Rezension zur DVD-Version von SYNERGY:
DIESER Film sei allen empfohlen, die "D.O.A. - Bei Ankunft Mord" mit Dennis Quaid, Meg Ryan und Charlotte Rampling gesehen haben ... denjenigen, die das Remake aus 1988 mochten oder auch nicht ... und ebenfalls denjenigen, die das Remake überhaupt nicht kennen. Denn DIESER Film ist das Original und das Remake hält einfach nicht mit!!!
Die Story ist einmalig: Ein Mann sucht seinen Mörder, bevor er stirbt! Und die Story ist einmalig gut in Szene gesetzt! Edmond O'Brien verkörpert hervorragend den Mann, der während des Vorspanns durch endlos lange Polizeirevier Korridore schlurft, um dann zum eigentlichen Beginn des Films im Zimmer eines kompetenten Polizisten anzukommen und einen Mord zu melden. Auf die Frage des Polizisten hin, wer denn die ermordete Person sei, antwortet O'Brien lediglich, er selbst sei das Opfer. Die Polizei zeigt sich nicht sonderlich beeindruckt, denn O'Brien ist schon bekannt, die Suche nach seinem Mörder hinterließ Spuren, die den Cops nicht verborgen blieben, eigentlich haben sie schon erwartet, ihm früher oder später zu begegnen und jetzt ist es an der Zeit für Fragen und Antworten. Auf diesem Wege erfährt der Zuschauer - so viel darf verraten werden, ohne die Spannung zu nehmen -, daß O'Brien eines Abends in einer Bar (in der 'live' wildester Jazz gespielt wird) einige Drinks zu sich nimmt. Da sein Unwohlsein am nächsten Morgen jedoch nicht zurück geht, sondern sich nur steigert, glaubt er nicht an einen gewöhnlichen 'Kater' und zwei ärztliche Untersuchungen bestätigen ihm dann auch, daß er vergiftet wurde - jemand hatte ihm am Vorabend etwas in einen seiner Drinks gemixt. Das Fatale dabei: Ihm wird ebenfalls versichert, daß diese Vergiftung durch kein Gegengift zu neutralisieren sei, sondern vielmehr, daß er - wenn's hoch kommt - nur noch wenige Tage zu leben hätte. Nachdem er den ersten Schock verdaut hat, macht O'Brien sich daran, die Gründe für seine Vergiftung aufzudecken, immer neue Enthüllungen und Erkenntnisse führen ihn von San Francisco nach L.A., mehr und mehr kommt er einer unglaublichen Story auf die Spur ... doch der Countdown schreitet unaufhaltsam voran, seine (Lebens-) Zeit läuft ab!
Rudolph Maté inszenierte (1949 oder) 1950 diesen außergewöhnlichen, einzigartigen Film Noir und seine vorherige Laufbahn als Kameramann kam der Realisierung dieser Filmproduktion in jeder Hinsicht zugute. Ursprünglich ins Filmgeschäft eingeführt wurde er durch den namhaften Produzenten Alexander Korda, einige seiner früheren Lorbeeren verdiente Maté sich durch die Mitarbeit an Filmklassikern wie "Vampyr" (Regie: Carl Theodor Dreyer), "Der Auslandskorrespondent" (Regie: Alfred Hitchcock), "Sein oder Nichtsein" (Regie: Ernst Lubitsch) sowie "Gilda" (mit der unvergleichlichen Rita Hayworth in der Hauptrolle). Durch den Kontakt zu dem innovativen Kameramann Karl Freund - noch vor seiner Zeit in Hollywood, während der er mehrfach für einen Oscar nominiert wurde (letztendlich jedoch keinen erhielt) -, dürfte er sich in punkto Kameraeinsatz noch ein wenig Feinschliff angeeignet haben, von dem er nun als Regisseur nur profitieren konnte. In "D.O.A." erscheinen die düster eingefangenen Schwarz/Weiß-Szenarios in absoluter Konformität zum Charakter der Story und ihrem flüssigen Erzähltempo.
Edmond O'Brien's Darstellung überzeugt durchgehend (mehr, als z.B. in dem dennoch ebenfalls empfohlenen "The Hitch-Hiker"), musikalisch begleitet werden die Bilder vom Score des Hollywood-Profi-Komponisten Dimitri Tiomkin (u.a. "12 Uhr Mittags", "Giganten", "Bei Anruf Mord").
Bedauerlicherweise wurde es zu gegebenem Zeitpunkt versäumt, rechtzeitig das Copyright für diesen Film zu erneuern und daher zählt er - wie so viele andere Filme auch - zum sogenannten öffentlichen Eigentum. Wenn also kein namhaftes Studio mehr hinter der Veröffentlichung (und im Optimalfall auch hinter einer Restaurierung) steht, wird vielen unprofessionellen "Vertriebsgesellschaften" die Gelegenheit geboten, auch noch die schändlichsten Versionen eines Films auf DVD zu pressen und zu verkaufen. Ich hatte daher anfänglich meine Zweifel bezüglich der Synergie Produktpalette, bin aber einmal das Risiko eingegangen und habe mir ein paar DVDs aus dieser Reihe zugelegt. Im Großen und Ganzen (mit bislang vielleicht einer etwas grenzwertigen Ausnahme) bin ich überraschend zufriedener, als anfänglich erwartet und diese "D.O.A." Version zähle ich zu den besser erhaltenen Synergies. Da mir bislang auch nicht bekannt ist, daß man in Deutschland eine bessere DVD Version erwerben kann (dieser Film scheint ein Hard-To-Find zu sein), kann ich zum Kauf dieser DVD raten, denn im Vergleich zu ganz anderen Public Domain Movie DVDs, die ich mir schon angetan habe, empfinde ich diese Synergie DVD insgesamt als durchaus zum Ansehen geeignet. Und ungeachtet jeglicher DVD Qualitätsbegriffe steht eines unumstritten fest: Der Film an sich verdient unzweifelhaft volle 5 Sterne und gehört in jede Film-Noir-Sammlung, die etwas auf sich hält. Top Movie!!! -- theSilentNoirFreak