Also, da muß ich meinen Vorkommentatoren doch widersprechen! Was Dinger hier abgeliefert hat, ist besser als alle drei "Neu!"-Alben und die zwei weiteren "La Düsseldorf"-Alben zusammen!!!
Das überlange "Düsseldorf" erinnert in seiner Konzeption an das nur kurze Zeit zuvor erschienene "Autobahn" von Kraftwerk, aber nicht als Kopie, sondern in der Idee, mit einem Song so ziemlich eine LP-Seite abzudecken. Dabei ist "Düsseldorf" (das Lied) aber hochmelodisch, eine Hymne an die Vaterstadt der Gruppe (und damit vielleicht eine Vorlage zu Grönemeyers "Bochum"?). Alles ist hier und im Folgestück enthalten: Der Düsseldorfer Flughafen (im Geräusch und auf dem Cover), Fußballgegröle aus dem damals noch existenten Rheinstadion und Fangegröle der DEG. Genannt werden die Altstadt u.a. Als gebürtiger Düsseldorfer schlägt einem das Herz höher! Schöne Melodien, kein experimentelles Gedudel! "Silver Cloud" ist dann natürlich der Charttopper, instrumental, schön, ein Stück zwischen Kraftwerk und Jean-Michel Jarre! Während Dinger bei "Neu!" Stücke ablegte, die bis an die Belastbarkeitsgrenze des Hörers stiessen (Geräusche, Krächzgesang, verzerrte Tonbänder), endet dieses herrliche Album mit dem sagenhaften Stück "Time", das den Hörer, wie nur nach wenigen Alben überhaupt, in einer melancholischen Stimmung zurückläßt. Man fühlt die Zeit geradezu verrinnen.
Mit dem Folgealbum "Viva" konnte diese Stimmung nicht mehr erreicht werden. "Rheinita" ist von der Idee her dem Stück "Düsseldorf" verwandt, aber das Album ist in sich nicht so stimmig.