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Dürrenmatt oder Die Ahnung vom Ganzen [Gebundene Ausgabe]

Peter Rüedi
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

27. September 2011
Die erste große Biographie über Friedrich Dürrenmatt vom Pfarrerssohn aus dem Emmental zum Autor von Weltruhm und mit Millionenauflagen, glänzend und packend geschrieben von Peter Rüedi, einem der ausgewiesensten Dürrenmatt-Kenner.

Hinweise und Aktionen

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 960 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 2 (27. September 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257067976
  • ISBN-13: 978-3257067972
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 13,4 x 4,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 39.443 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Kundenrezensionen

4.0 von 5 Sternen
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Christian Döring HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Mit großem Interesse habe ich diese neue Biografie über Dürrenmatt von dessen ehemaligen Mitarbeiter Peter Rüedi gelesen, sie wird auf lange Zeit hin ihresgleichen suchen.

Dürrenmatt ist so vieles und der Autor breitet alles aus. Da ist der Weinkellerbesitzer, der Denker, der Theatermann, der Maler, der Vater und Ehemann, der begnadete Krimiautor und nicht zuletzt der Zigarrenraucher.

In 15 Kapiteln erzählt Rüedi das gar nicht immer so geradlinige Leben des Friedrich Dürrenmatt. Er geht behutsam mit dem Genie um und spricht doch in aller Offenheit über ihn, ich habe das Gefühl, dass er nichts verschweigt.

Als ich die 730 Seiten gelesen hatte, war mir Dürrenmatt nicht mehr so unbekannt und zu Rüedi will ich sagen, er hat seine Arbeit sehr gut getan, aber ich glaube, das Geheimnis Dürrenmatt ist noch viel mehr als nur das was ich hier zu lesen bekam. Dies soll keinesfalls eine Kritik an dieser Biografie sein, sie liest sich flüssig und ist sehr gut, aber ein Mann wie Dürrenmatt passt nun einmal nicht in ein Buch.

Mann muss ihn selbst entdecken und dafür bietet Peter Rüedi Ansatzpunkte in Hülle und Fülle.

Eine der besten Biografien des Jahres!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine vertane Chance 18. Oktober 2012
Von Tasso
Schade! Peter Rüedi hat intime Kenntnis von Leben und Werk Dürrenmatts. Dementsprechend umfassend fällt die Vita des großen Schriftstellers aus der Schweiz aus. Leider hält Rüedi nur wenig von Struktur und Gliederung. In jovialem Plauderton legt er los und bleibt über hunderte Seiten dabei; ohne sich dabei in besonderer Erzähldisziplin zu üben. Der Text zerfließt nach allen Richtungen, greift man danach, entwischt er einem zwischen den Fingern. Einmal dies, einmal das. Eine Anekdote hier, ein Blitzlicht da, etwas anderes dort. Ich habe das Buch gelesen, Seite für Seite, von der ersten bis zur letzten, und fühle mich vollgestopft mit einer Vielzahl mehr oder weniger bedeutsamer Details, deren Zuordnung zu einzelnen Lebensabschnitten mir jedoch schwer fällt, die in mir durcheinander purzeln. Irgendwie ermangelt es dieser Biographie nämlich der chronologischen Ordnung; wie überhaupt eines herrschenden Ordnungssinns, der nicht bloß aus dem Geiste anarchischer Erzähllust geboren sei. Dem zu folgen, fällt allerdings schwer, ist mühsam. Und obwohl ich mich nun dessen brüsten darf, ein wahrlich fulminantes Buch über Dürrenmatts Leben gelesen zu haben, so kann ich doch nur wenig zu und über dieses Leben sagen. Die vielen vielfach unzusammenhängenden Details irrlichtern nämlich durch meinen Geist. Vielleicht liegt es ja an mir. Oder auch nicht. Jedenfalls ist es keine leichte Kost, wenn der Leser für jene Ordnung im Text sorgen muss, die der Autor verabsäumt hat.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dürrenmatt im Labyrinth 6. Juli 2012
Mit Lorbeeren wurde nicht gegeizt, und der Diogenes-Verlag nennt die Biographie Dürrenmatts, an der ihr Verfasser Peter Rüedi fast zwanzig Jahre gearbeitet hat, 'ein Ereignis'.
Zweifellos ist das 960 Seiten-Opus die umfangreichste und ergiebigste Biographie, die bisher Dürrenmatts Leben und Schaffen gewidmet wurde, sie lässt die bisherigen von Heinrich Goertz (rowohlts monographien, zuerst 1987) und Lutz Tantow (Heyne Biographien, 1993) weit hinter sich.
Wie kommt es zu diesem gewaltigen Umfang, da FD bekanntlich wenig vom Ausplaudern privater Dinge gehalten hat? Rüedi legt in der Tat nicht eine bloße Biographie vor, sondern eine Mischung aus Biographie und Monographie. Darin folgt er gewissermaßen FDs 'Stoffe'-Experiment, das ja auch eine Mischung aus Autobiographie, Erzähltexten, Essays und Reflexionen liefert. So wird die Erzählung von Dürrenmatts insgesamt wenig spektakulärem Leben ständig unterbrochen von Exkursen über Themen wie 'Die erinnerte Kindheit', 'Das Labyrinth', 'Dürrenmatts Schweiz und die Sprache als Heimat', 'Dürrenmatts Dramaturgien', 'Dürrenmatt und die Naturwissenschaften' und 'Theater als andere Lebensform'. Das mag zwar abwechslungsreich sein, führt aber auch zu Wiederholungen.
Rüedis Buch erzählt FDs Leben von der Kindheit bis zum 'Besuch der alten Dame', die 1958 geschrieben wurde, die Jahre danach werden im Zeitraffer von 130 Seiten abgehandelt. Aber auch hier nehmen zwei Riesenessays gut 50 Seiten ein. Von besonderem Interesse sind die Einblicke in Persönliches (im Kapitel 'Von Güllen zu Gülden', S. 648-681). Dennoch erfährt man kaum etwas über Dürrenmatts Familienleben oder über seine Reisen. Sein ambivalentes Verhältnis zu Hunden ist kaum ein Ersatz dafür.
Für die Frühzeit folgt Rüedi ziemlich genau Dürrenmatts eigenem in den 'Stoffen' vorgelegtem Lebensbericht. Für die Zeit nach den ersten literarischen Erfolgen kann Rüedi auf Dokumente des Schweizer Literaturarchivs zurückgreifen, die eine objektivere Sicht ermöglichen. Von Dürrenmatts Werken stehen ihm am höchsten die 'Alte Dame', der Kriminalroman 'Das Versprechen' und das Spätwerk 'Stoffe'. Insgesamt tendiert Rüedi zur Aufwertung des bis heute umstrittenen Spätwerks, in dem verschiedene Betrachter nur ein variierendes Wiederaufnehmen alter Motive oder sogar ein Recycling alter Stoffe erblicken.
Ob seine Hauptthese zutrifft, dass Dürrenmatt gerade aus dem Scheitern, von dem seine Schriftstellerei ständig bedroht war, zu immer neuer Kreativität gekommen sei (etwa S. 715f.), mag dahin gestellt sein. Dürrenmatts Rettung aus verschiedenen Schreibkrisen erscheinen Rüedi als 'Wunder' (S. 107), andere Betrachter mögen dies nüchterner sehen. Insgesamt jedenfalls liefert die auch mit Bildern bestückte Biographie viel neues Material. Wer sich bloß über das Leben orientieren will, dem wird dieses Buch zu umfangreich und zu labyrinthisch sein; aber gerade der labyrinthische Aufbau ist seinem Objekt durchaus angemessen.

So weit so gut. Es gibt aber auch einige Schönheitsfehler. Wenn ein Verlag ein Buch so mächtig bewirbt wie der Diogenes Verlag diese Biographie, dann sollte es doch einigermaßen sorgfältig lektoriert sein. Aber der Band enthält eine Reihe von Fehlern.

Formale Fehler:
In Kapitel 4 sind die Anmerkungsziffern falsch. Die Zählung ab Anmerkung 36 müsste mit Anmerkung 39 fortfahren, die Anmerkungen 37 und 38 fehlen im Text, die Anmerkung 39 bis Anmerkung 114 müsste richtig mit 37 bis 112 nummeriert werden. Eine Anmerkung 113 gibt es überhaupt nicht.
Kapitel 15: Die Anmerkung 27 fehlt. Die Anmerkung 36 stimmt nicht, der zu Nummer 36 passende Erläuterungstext steht in Anmerkung 37, so dass sich ab Anmerkung 36 bis Anmerkung 42 wieder eine Verschiebung um eine Zahl ergibt.

Es gibt aber auch inhaltliche Fehler.
Auf Seite 498 etwa wird Aristoteles mit Aristophanes verwechselt.
Komisch ist die Tendenz einer Katholisierung diverser Autoren. Auf Seite 447 wird Rudolf Alexander Schröder zu den katholischen Dichtern gezählt. Er war aber evangelisch, dichtete evangelische Kirchenlieder, schloss sich im Dritten Reich der 'Bekennenden Kirche' an und hielt als Laienprediger der evangelisch-lutherischen Kirche Bayerns sogar Gottesdienste.
Am kuriosesten aber ist die Errichtung eines Gegensatzes zwischen den Theaterwelten des Katholiken Bert Brecht und des Protestanten Friedrich Dürrenmatt. Wenn ein Biograph Dürrenmatt schon zum protestantischen Gegenpol des katholischen Bertolt Brecht stilisiert und das in einem ausführlichen Kapitel (S. 513-553) mit dem krönenden Schlussabschnitt 'Protestantischer Atheist vs. Katholischer Kommunist' begründet, so sollte er sich nicht nur auf Heinz Ludwig Arnolds mehrfach niedergelegte Formel vom Katholiken Brecht stützen, sondern selbständig recherchieren. Dieser Gegensatz ist nämlich nicht existent. Brechts Vater war zwar katholisch, doch die Mutter evangelisch, getraut wurde das Paar nach evangelischem Ritus. Bert Brecht wurde in der evangelischen Barfüßerkirche zu Augsburg getauft, ging in den evangelischen Religionsunterricht und wurde konfirmiert. Wer Brechts Schriften kennt, müsste schon durch den allgegenwärtigen Einfluss des Lutherdeutschs und des evangelischen Kirchenlieds (in der 'Hauspostille'!) stutzig geworden sein.
Derlei Fehler sollten in einer zweiten Auflage beseitigt werden.
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