Kurzinformation zur Autorin (Quellen: Klappentext und wikipedia.de):
Helene Flöss, geboren 1954 in Brixen/Südtirol, lebt im Burgenland, war lange Zeit als Lehrkraft tätig. Veröffentlichungen in Zeitschriften, Anthologien und im Rundfunk. Zahlreiche Bücher im Haymon Verlag.
Inhalt (Klappentext):
Dali leidet an Magersucht. Sie zwingt sich zu hungern, zu verzichten, kein unnötiges Gramm Nahrung zu sich zu nehmen, bis sie leicht sein wird wie eine Feder.
Eigentliche Rezension:
"Schlank ist in. Dünn ist besser. Dürr ideal." (S.17)
Die Teenagerin Dali, ihr Denken, ihr Fühlen, ihr Handeln, ihr Alltag, kurz: ihr Leben ist bestimmt durch dieses Motto. Kalorienrechnen, Verzicht, (Selbst-)betrug, Wahrnehmungsverzerrung, Isolation begleiten Dali auf der Jagd nach ihrem Ideal - ein regelrechter Wahn. Alles rückt in den Hintergrund, verliert an Bedeutung, ein einziger Wert bleibt übrig: Dürr-Sein. Die Folgen für Dali und ihr Umfeld sind tragisch ...
Helene Flöss ist mit ihrer Erzählung - ich gehe grundsätzlich sehr sparsam mit Superlativen um, aber wo sie angebracht sind, müssen sie ausgesprochen werden - ein Meisterwerk gelungen!
Erstens gelingt es ihr, Anorexia nervosa als einen krankhaften Wahn zu schildern, der ab einem gewissen Punkt von der Betroffenen schlichtweg nicht mehr willkürlich zu steuern ist.
Zweitens verwendet die Autorin eine unverblümte und ungemein direkte Sprache. Dem Leser werden nur die notwendigsten Informationen geliefert, kein Wort ist zu viel. Die Erzählung erhält hierdurch eine nicht zu steigernde Intensität, Dichte und Authentizität.
Das Ganze ähnelt eher einem Bericht als "normaler" Poesie. Aber gerade hierin liegt der hohe poetische Wert der Erzählung. Dies mag auf den ersten Blick paradox klingen, aber Flöss' Stil ist nichts anderes als zweckgebunden. Jeder andere Erzählstil würde die Dichte, Intensität und Authentizität des Werks zerstören und damit die intendierte Wirkung verfehlen.
Um es noch einmal mit anderen Worten zu sagen: Helene Flöss hat begriffen und weiß es sprachlich-stilistisch umzusetzen, dass es eine Sache gibt, die oftmals furchtbarer ist, als es jede noch so furchtbare Erfindung sein könnte: die Wahrheit.
Fazit:
Virtuos erzählte Geschichte einer Kranken, ihrer Krankheit und deren Auswirkungen mit der unbestechlichen Wirkung einer "Schock-Therapie". Grandios!