Dieses Buch zu rezensieren bringt dieselbe Schwierigkeit mit sich wie den Film "The Sixth Sense" zu besprechen. Am besten ist eigentlich die Pointe am Schluss, aber genau die sollte man besser nicht verraten, um den Leuten den Spaß nicht zu verderben.
Also anders: Eine andere Amazon-Rezensentin hat Arne Hoffmanns Schreibe mit der von Stephen King verglichen. Da ist insofern was dran, als auch Hoffmann in diesem Roman anfangs sehr alltägliche Erlebnisse ausbreitet, die er durchaus unterhaltsam erzählen kann. Wo King peu und peu immer größeres Grauen einsickern lässt, tut Hoffmann dasselbe mit immer heftigerer Erotik.
Hauptfigur von "Dämonenprinz" ist der junge Jeremiah, anfangs noch Schüler, später Psychologiestudent. Ihn fasziniert sehr früh die Möglichkeit der Hypnose, um Macht über andere Menschen zu gewinnen, insbesondere erotische Macht über Frauen. Dabei entdeckt er auch den posthypnotischen Befehl, womit er zunächst therapeutisch zu arbeiten versucht. Seine Freundin hat Schwierigkeiten zum Orgasmus zu kommen, weshalb er in ihr verankert, sie würde in Ekstase geraten, sobald er zu ihr "Komm!" sagt. Leider vergisst er einmal, diesen Befehl zurückzunehmen, und gerade als sie in einem Spielwaren-Megastore shoppen, sagt er zu ihr: "Komm mal hierher." Ich würde es hassen, wenn mir sowas passiert.
Leider steigt Jeremiah seine Macht etwas zu Kopf, was seine Freundin verständlicherweise abstößt. Doch gerade als ihre Beziehung zu kriseln beginnt, nutzt er seine Fertigkeiten immer mehr, um seine Freundin als Spielzeug zu benutzen und sie zu demütigen. Zum Beispiel verankert er in ihr den Befehl, bei einem Nachmittag mit Freunden habe sie jeden sexuellen Gedanken auszusprechen, der ihr gerade durch den Kopf geht, ein anderes Mal lässt er sie im Biergarten jedes Mal ein Kleidungsstück ablegen, wenn er ihren Namen sagt. Klar, dass sie sich irgendwann von ihm trennt. Allerdings nicht ohne dass er ihr ein nettes "Abschiedsgeschenk" hinterlässt ...
Das bisher Erzählte ist jedoch noch sehr der Anfang der Geschichte, die jetzt erst richtig durchstartet. Jeremiah nämlich wird durch die Trennung nicht etwa reifer, sondern nur noch aggressiver, wenn es darum geht, sich anderer Frauen zu bemächtigen. Dabei wachsen seine Fähigkeiten immer mehr, so dass er irgendwann selbst wildfremde Frauen in Sekundenschnelle hypnotisieren kann. Ab diesem Übergang vom halbwegs Realistischen ins Phantastische beginnt man bei der Lektüre ebenso in einen leichten Rausch zu geraten wie Jeremiah bei seinen immer ideenreicheren Demütigungen. Irgendwann liest man über mehrere Seiten hinweg nur noch mit angehaltenem Atem oder einer Hand im Schoß.
Etwa zur Mitte der Geschichte denkt man sich, jetzt müsste doch eigentlich der Höhepunkt von Jermiahs erotischen Erlebnissen erreicht sein, und man fragt sich, was auf den verbleibenden Seiten noch groß kommen solle. Tatsächlich findet dann aber immer wieder eine neue Steigerung statt.
Auch der nicht-erotische Hintergrund der Geschichte wird immer abgefahrener. Da taucht als Nebenfigur zunächst ein Herr auf, der zu den intelligentesten Männern der Welt zählen soll, der aber gerüchteweise an Alzheimer leidet, weshalb man sich bei manchen seiner Bemerkungen fragt, ob man einfach zu dumm ist, sie zu verstehen, oder ob er gerade völligen Unsinn labert. Aber selbst das wird durch eine weitere Nebenfigur noch einmal getoppt: einen Schriftsteller namens Arne Hoffmann, der bei seinem neuesten Projekt gerade experimentelles Schreiben und die Einnahme bewusstseinserweiternder Substanzen miteinander verbindet ...
Das alles endet dann auf wirklich unerwartete Weise.
Alles in allem stellt dieser Roman eine sehr intensive und gleichzeitig irgendwie sehr witzige Leseerfahrung dar. Insofern ist er sicher nicht nur als Weihnachtsgeschenk zu empfehlen.