Durch Beschwörung aus seinem Reich gerissen, muss der Dämon Baazlabeth 5000 Goldstücke durch ehrliche Arbeit verdienen und unter Menschen leben, die er normalerweise zum Frühstück verspeist. Die Idee hinter der Geschichte war für mich komplett neu und ich war deshalb gespannt, wie der Autor es schafft, damit nicht nur ein Buch zu füllen sondern auch den Leser gewissermaßen bei der Stange zu halten.
Schon auf den ersten Seiten legt Stephan Russbült mit schwarzem Humor so richtig los, dass ich häufig meine Umgebung an den wirklich gelungenen Formulierungen teilhaben lassen musste. Besonders die morbiden Gedanken des Dämons waren dabei so anschaulich beschrieben und mit so witzigen Vergleichen gespickt, dass ich gar nicht anders konnte als laut zu lachen. Allerdings hatte ich nach dem ersten Abschnitt Bedenken, ob man dies ein ganzes Buch lang durchhalten könnte, ohne dass es auf die Dauer langweilig und gewollt wirkt. Aber mitnichten. Das Zusammenspiel mit den verschiedenen Gestalten Briesenburgs liefert Baazlabeth immer wieder neuen Zündstoff, nicht zuletzt das "Platsch", wenn er sich mal wieder vorstellt, wie die Köpfe seiner Gesprächspartner in seinen Gedanken zerplatzen. Die Charaktere sind dabei anschaulich beschrieben und der Autor verschont den Leser mit unwichtigen Details aus deren Vorleben. Besonders der Dämon wird so gut dargestellt, dass man ihn lieb gewinnt und mit ihm mitfiebert ohne wirklich positive Eigenschaften von ihm zu erfahren. Je näher man die kauzigen Bewohner Briesenburgs kennen lernt, desto eher ist man davon überzeugt, dass sie den ein oder anderen Dämon in ihrer Mitte durchaus verdient hätten. Mir hat gefallen, dass Baazlabeth sich weitgehend treu bleibt und die Handlung nicht von einem Ende a la Hollywood kontaminiert wird.
Die Spannung bleibt über den kompletten Verlauf des Buches auf konstant hohem Niveau. Sehr gelungen sind die Kapitelnamen und -unterschriften, die die Handlung mit lustigen Wortspielen wiedergeben. Das Ende rundet die Geschichte würdig ab und lässt eine Menge Raum für eine Fortsetzung, die ich sicher ebenfalls lesen werde.
Die gesamte Szenerie vermittelt dem Leser glaubhaft, dass sich Stephan Russbült Gedanken um die Welt, deren Götter und die Interaktionen der einzelnen Figuren gemacht hat. Die Geschichte wirkt authentisch und Wendungen erscheinen nicht gewollt, nur um die Handlung in Richtung des geplanten Endes zu führen. Ich kann daher nur ein durchweg positives Fazit ziehen: Unter den ganzen schmachtenden Mädchen und den sich kasteienden Kuschelvampiren eine gelungene Abwechslung, die komplett ohne Schmalz und Pathos kurzweilig daher kommt und unbedingt empfehlenswert ist.