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5.0 von 5 Sternen
Visuell perfekter SM-Gothic Horror, 27. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Dämon und die Jungfrau (DVD)
Der deutsche Verleihtitel DER DÄMON UND DIE JUNGFRAU (der Originaltitel lautet LA FRUSTA E IL CORPO, was nichts anders bedeutet als 'Die Peitsche und der Leib') mag, ebenso wie einige der damaligen reißerisch aufgemachten Filmplakate, falsche Assoziationen wecken - die plakative Zurschaustellung eines gepeitschten Frauenkörpers ist durchaus nicht das Thema dieses 1963 entstandenen Klassikers. Unter der Regie von Mario Bava geriet der Film zu einem, im gotischen Schauerambiente angesiedelten, phantastischen Drama um Wahnsinn und Sadomasochismus. Vordergründig präsentiert sich die hier erzählte Geschichte als eine Art gotisches 'Whodunit': Das Rätsel um die geheimnisvollen Morde und die Frage, ob es sich nun um einen Täter aus Fleisch und Blut oder um einen Geist handelt, stehen zunächst im Mittelpunkt. Doch im Verlauf der Handlung fokussiert sich die Story mehr und mehr auf die (Anti-)Heldin Nevenka und ihre Obsession für den finsteren Adelssproß Kurt Menliff, und offeriert dem Zuschauer zugleich einen Trip in die dunklen, verborgenen Seiten der menschlichen Psyche. Mario Bava gelang es, das Thema Sadomasochismus auf eine zugleich höchst ästhetisierte wie verstörende und psychologisch komplexe Art zu verarbeiten, ohne dabei jemals moralisch zu bewerten oder sich, was einfach gewesen wäre, in simple Exploitationbereiche zu begeben. Düster-unwirkliche Technicolorfarben und essentielle Stilmittel des klassischen Gothic Horror (das alte Schloß, eine unheimliche Gruft, verwinkelte Geheimgänge etc.) dominieren die Szenerie. Den ganzen Film hindurch schwelgt Bava in dieser traumhaften, gotischen Atmosphäre, perfektioniert diese jedoch noch durch eine Reihe unglaublich virtuoser Beleuchtungstricks. Die Szenen, in denen Nevenka sich Kurts Leidenschaften (= seinen Peitschenhieben) hingibt, sind in einem irritierend romantischen Stil gefilmt und sorgen somit zugleich für eine Verwirrung des Zuschauers, der sich schwerlich dem Reiz dieser Bilder entziehen kann. In den zensierten Fassungen des Films wurden die Sequenzen, in denen Nevenka ganz offensichtlich und unverhohlen diese unkonventionellen "Zärtlichkeiten" genießt, entfernt. Somit wurde auch die ganze Handlung verfälscht und aus der hier erzählten bizarren Romanze wurde die Story eines Opfers, das von einem Sadisten terrorisiert wird. Doch der Film beeindruckt auch mit seiner Besetzung. Mit Christopher Lee, dessen Popularität seit DRACULA garantiert war und der zwei Jahre zuvor in VAMPIRE GEGEN HERAKLES erstmals unter Bavas Regie agierte und hier eine überzeugend-charismatische Performance als Kurt Menliff liefert, kann der Film einen Hauptdarsteller von internationalem Format aufweisen. Eigentlicher Star des Films ist aber die damals 20jährige Daliah Lavi, einfach das perfekte Gesicht für die Rolle der Nevenka. Zur DVD: Die Bildqualität übertrifft im Vergleich die der US-DVD von VCI bei weitem. Die schönen Technicolorfarben kommen bestens zur Geltung, der Kontrastreichtum ist sehr gut und auch die Detailschärfe läßt nichts zu wünschen übrig. Beim Ton müssen zwar altersbedingt ein paar Abstriche gemacht werden, doch ist auch dieser recht ordentlich ausgefallen. Sehr erfreulich ist auch der Bonusteil ausgefallen: Hier werden eine sehr umfangreiche Bildergalerie, drei Trailer, alternative Titelsequenzen, Biographien und als besonderes Highlight ein Audiokommentar des Filmhistorikers und Bava-Biographen Tim Lucas geboten. Dieser ist übrigens identisch mit dem auf der US-DVD und setzt gute Englischkenntnisse voraus, denn Untertitel sind dafür leider nicht vorhanden. Lob gebührt natürlich auch der sehr hübsch geratenen Aufmachung der DVD.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Abhängige Hassliebe in Technicolor..., 16. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Dämon und die Jungfrau (DVD)
In der Zeit seiner Entstehung (1963) kam Mario Bavas "Der Dämon und die Jungfrau" in die Schublade primitiver Horrorfilme, die katholische Kirche empörte sich etwas über das Sado/Maso Thema und der Film lief dann im Kinonachtprogramm wie alle anderen B-Movies. Erst viele Jahre später wurde Bava ja als Kino-Magier entdeckt und heute hat er nicht nur berühmte Fans wie Tarantino, Burton oder Scorsese, sondern eine grosse weltweite Fangemeinde. Damals hatte er aber noch keinen grossen Namen, aber einen Ruf zu verlieren, das Thema war brisant und so erscheint als Name des Regisseurs sein Pseudonym John M.Old. Tatsächlich wurde der Film dann auch noch für die Kinoauswertung geschnitten. Vor allem die Reaktionen des Opfers auf die Peitsche, so entstand der Eindruck, dass die Züchtigung nur dem Täter Befriedigung verschaffte. Somit wurde die besonders fatale Konstellation nicht nur entschärft, sondern eliminiert. Nun, der Titel ist irreführend, auch wenn die schöne und geheimnisvolle Nevenka (Daliah Lavi) tatsächlich von einem Dämon in der Gestalt von Kurt Menliff (Christopher Lee) heimgesucht wird, eine Jungfrau ist sie keineswegs. Sie ist mit kurts Bruder Christian (Tony Kendall) verheiratet, hatte vorher ein Verhältnis mit dem Scheusal Kurt, der sie immer lustvoll mit der Peitsche bearbeitete und sie den Schmerz liebte. Daher auch der sinnvollere Originaltitel "La frusta e il corpo" (Die Peitsche und der Körper). Die ungewöhnliche Mischung aus Gothic, Expressionismus und Cinemascope-artiger Wucht der Bilder zählt für mich neben "Stunde, wenn Dracula kommt", "Blutige seide", "Lisa und der Teufel" und "Blutrausch des Satans" zu den besten Filmen des Regisseurs, der inzwischen als der italienische Hitchcock bezeichnet wird. Als Location dient ein Schloss am Meer, das Anwesen der Menliffs. Düster, mit langen Gängen, ebenso dunklen Verliessen, eine unheimliche Familiengruft. Kurt Menliff kehrt auf das Schloß seiner Familie zurück, er wurde vom Vater (Gustavo de Nardo) verstossen. Als Vorwand der Rückkehr gibt er die Hochzeit seines bruders an und bittet wegen der Vergangenheit um Verzeihung. In Wirklichkeit ist er gekommen wieder als Erbe des Menliff-Vermögens eingesetzt zu werden. Kurt ist ein selbstsüchtiger Egoist, die Haushälterin Giorgia (Herrit Medin) wünscht ihm den Tod, weil ihre Tochter dem Schuft ebenfalls verfallen war und als er sie verliess Selbstmord begangen hat. Und da wären noch der Hausdiener Losat (Luciano Pigozzi) und Giorgias zweite Tochter Katia (Isli Oberon)...dann verschwindet Nevenka und gleichzeitig geschieht ein Mord.... Magische Technicolorfarben, so opulent wie bei Visconti und essentielle Stilmittel des klassischen Gothic Horror dominieren die Szenerie absolut. Bava schwelgt in dieser traumhaften, gotischen Atmosphäre, fügt virtuose Beleuchtungstricks hinzu, Farben erhalten eine eigene Ausdruckskraft und diese dominante Bildsprache der Kamera (David Hamilton) wird zusätzlich durch einen Score von Carlo Rustichelli intensiviert. Keine Frage: Ein wunderbarer Bilderfilm...
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Gänsehaut-Krimi, 28. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Dämon und die Jungfrau (DVD)
Der Schwachpunkt in allen Filmen Mario Bavas war schon immer, das sie nur von einigen guten Momenten und der exzellenten Kameraführung leben. Ansonsten gibt es jede menge Leerlauf. Keines seiner Werke beweist das so gut wie "Der Dämon und die Jungfrau". Sehr gute Darsteller, wunderschöne Bilder und ein Hauch Atmosphäre täuschen nicht über das zäh in die Länge gezogene Drehbuch hinweg. Endlos lang sehen wir die hübsche Daliah Lavi durch die düsteren Gänge des Hauses wandeln, dann da mal wieder ein Geräusch und dort ein Schrei. "Der Dämon und die Jungfrau" ist auch nicht wirklich ein Horrorfilm, sondern vielmehr ein Gruselkrimi. Will den Film aber nicht schlechter machen als er ist, vieles, was man aus heutiger Sicht bemängeln kann, war früher virituos und neu. Und Mario Bava ist eins der größten Genies der italienischen Filmgeschichte! Doch "Der Dämon und die Jungfrau" ist sein vielleicht schwächstes Werk. Auch diese EMS DVD ist wie alle Teile der "Mario Bava Collection" überaus gelungen, wenn das Bild teilweise auch nicht ganz so klar ist wie bei beispielsweise "Die Stunde wenn Dracula kommt". Dafür kommt die schöne Farbgebung des Films voll zur Geltung.
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