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Czernowitzer Spaziergänge. Annäherungen an die Bukowina.
  
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Czernowitzer Spaziergänge. Annäherungen an die Bukowina. [Broschiert]

Othmar Andrée
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Produktinformation

  • Broschiert: 175 Seiten
  • Verlag: Rose Ausländer-Stiftung; Auflage: 1. Aufl. (Dezember 2000)
  • ISBN-10: 3932670094
  • ISBN-13: 978-3932670091
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Othmar Andrée
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Produktbeschreibungen

Der Autor über sein Buch

Impressionen, Beobachtungen und Wahrnehmung in der Bukowina
Dieses Konvolut von Essays, Aufsätzen und Impressionen erwuchs aus Beobachtungen und Wahrnehmungen in einer Landschaft, die als ehemalige und östlichste Provinz der Habsburgermonarchie bis heute weitgehend dem mitteleuropäischen Bewusstsein entrückt ist und erst allmählich, von Celanscher „Geschichtslosigkeit“ befreit, für Tourismus, Literatur und kulturelles Schaffen zurückgewonnen wird. Im Spiegel historischer und literarischer Recherchen nähere ich mich einer „Gegend, in der Menschen und Bücher lebten“ , durchstreife eine Region, die uns trotz aller Probleme, mit denen sie heute zu kämpfen hat, in ihrer Vitalität, Toleranz und Vielgesichtigkeit überrascht. Ich erzähle von der verblichenen Glorie altösterreichisch-kakanischer Gassen, vom Charme ihrer Architektur, vom eigentümlichen Zauber und der Aura einer vergessenen Bürgerlichkeit. Aus der großen goldenen Epoche der Bukowina unter Habsburgs Krone strahlt etwas wie ein matter Glanz in unsere Tage herüber, der sich über zwei Weltkriege und ein halbes Jahrhundert Sowjetismus erhalten hat, der unsere Aufmerksamkeit verdient und der zu konservieren lohnt. Trotz der objektiven Schwierigkeiten, die mit einer Reise in diese Landschaft verbunden sind, ihrer geografischen, politischen und touristischen Unzugänglichkeit, ihrer historischen Ferne, hinter der sie sich eher unfreiwillig verbirgt, sind wir aufgerufen, sie neu in Erfahrung zu bringen. Auf ganz natürliche Weise stellen meine Aufsätze die Juden der Bukowina und der Kapitale Czernowitz, die einmal eine „jüdische Stadt deutscher Sprache“ und „Heimstätte jüdisch-deutscher Symbiose“ war, in den Vordergrund. Mit Respekt nehmen wir den gesellschaftlichen und kulturellen Standard zur Kenntnis, den die Bukowina bis zur Deportation und Vernichtung ihres jüdischen Bevölkerungsteils vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erreicht hatte. Dazu rechnet sich die Schaffung einer zivilen Gesellschaft, die mit dem Phänomen der ethnischen Minderheiten des Landes korrekt umzugehen wusste. Ich versuche darzulegen, dass die Juden in ihrer ethnischen und religiösen Sonderrolle, zugleich als verlässliche Anhänger des österreichischen Kaiserhauses und „Heimatlose“ die Balance zwischen zwei zahlenmäßig dominierenden Nationen wahrten, als Pivot für das Zusammenleben von Rumänen, Ukrainern (Ruthenen), Deutschen und Polen wirkten, ohne sich als Titularnation gerieren zu können. „Czernowitz war eine recht moderne Insel in einem Meer von Rückständigkeit.“, umschreibt die Historikerin Mariana Hausleitner die Situation der Bukowiner Juden. Diese Menschen standen für Intelligenz und Fleiß, für künstlerische Begabung und merkantilen Geist, nicht weniger für Rechtsstaatlichkeit und verantwortliches politisches Handeln. Sie waren die Träger des kulturellen Aufbruchs und sie taten das unter der Ägide der deutschen Sprache, auch noch während der schicksalsschweren, in die große Katastrophe mündenden rumänischen Ära. Sie haben das gar nicht sehr große Czernowitz urban geprägt und gleichsam posthum zu einem Topos der Weltliteratur werden lassen. Bis zum heutigen Tag und über die viele Jahrzehnte währende Sowjetära hinweg haben die letzten Juden der Bukowina ihre Sprachheimat und ihre Verbundenheit mit dem altösterreichischen Erbe bewahrt und tragen ihre Hinwendung zu Humanismus, zu demokratischem Selbstverständnis und mitteleuropäisch geprägtem Denken in sich. Auch sei mit diesem Bändchen der Schönheit der Bukowina, der Vielzahl und Unversehrtheit ihrer historischen Bauten und geschichtlichen Zeugnisse, der Aufgeschlossenheit und Herzlichkeit ihrer heutigen Bewohner Referenz erwiesen. Den einstigen Juden aber, deren Heimat sie war und mit denen die Geschichte so unnachsichtig, so erbarmungslos verfuhr, möge mit dem folgenden ein Denkmal gesetzt sein. Uns aber, die wir schon lange die Verbindungen in den europäischen Osten verloren haben oder nie gesucht, sei jene Provinz einfach ans Herz ge-legt.

Mein Dank gilt den letzten Czernowitzer Juden, ohne deren engagierte Unterstützung dieses Werk sicher nicht hätte werden können: Matthias Zwilling, der mich während einer Reihe von Jahren auf so manchem Streifzug durch die Stadt ortskundig und mit Sachverstand geführt hat; er gilt Lydia Harnik, die den Menschen immer mit Wärme und Aufmerksamkeit begegnete und sich unermüdlich und bis zuletzt als Botschafterin des einzigartigen und unwideruflich verlorenen Geistes der Stadt und dieser „Gegend“ verstand. Mein Dank gilt Rosa Roth-Zuckermann, die noch immer ein offenes, gastfreundliches Haus führt und seit über neunzig Jahren der Stadt die Treue hält, schließlich Minna Plutzer, meine Gastgeberin während vieler Jahre. Nicht vergessen will ich die freundliche und unermüdliche Unterstützung Erich Becks bei meiner Quellensuche und Peter Rychlos Hilfe und Rat in Fragen der Rezeptionsgeschichte der deutschsprachigen Literatur der Bukowina in der heutigen Ukraine. Auch bin ich Josef N. Rudel von der „Stimme, Mitteilungsblatt für die Bukowiner", Tel Aviv, für manchen Rat dankbar, der meinem Werk zu seiner Vollendung verholfen hat, nicht weniger Lolo Bar aus Kimpolung und Don Juni, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Gurahumora, für ihre Gastfreundschaft.

Othmar Andrée Berlin, im Herbst 1999


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Von Ein Kunde
Format:Broschiert
J.N. Rudel
Die Stimme, Mitteilungsblatt für die Bukowiner, Tel Aviv

Neu im Chor der Bukowina-Literatur
Othmar Andrées "Czernowitzer Spaziergänge"

Ich freute mich, als vor einigen Tagen die Post mir Othmar Andrees Buch ins Haus brachte. Ich freute mich um so mehr, da ich wusste, wie viel ihm am Erscheinen dieses Buches gelegen war. Er hatte alles, was über Czernowitz und die Bukowina geschrieben wurde, erstanden oder in Bibliotheken ausfindig gemacht, sich mehrmals an Ort und Stelle umgesehen und sich zu guter Letzt mit seinem Thema identifiziert. Ein junger Berliner, der seine ganze Freizeit einem irgendwo zwischen dem Orient und dem Okzident liegenden Landstrich opfert.

Sonderbar! Auch als ich Othmar persönlich kennenlernte, vor einigen Jahren in Berlin, kam ich der Lösung des Rätsels nicht näher. Wir trafen uns in meinem Hotelzimmer. Er hatte eine große Tasche voller Bücher mitgebracht, alle über Czernowitz und die Bukowina. Sie bildeten unser Gesprächsthema und nicht viel darüber hinaus.

Doch die Verbindung blieb bestehen. Andree sandte mir Texte für "Die Stimme" über Czernowitzer Straßen, Gärten und Menschen. Auch bekam ich von ihm ein äußerst wichtiges Dokument, das er entdeckt und aus dem Jiddischen ins Deutsche übertragen hatte. Es war der Brief eines jungen jüdischen Mädchens aus Czudyn, Klara Schächter, an ihren Bruder in den Vereinigten Staaten, in dem sie ihm die grauenvollen Tage und Nächte beim Einzug der rumänischen Soldateska ins Städtchen beschrieb.

Nach dieser kurzfristigen Bekanntschaft und einem sporadischen Briefwechsel, hatte ich die Gelegenheit, durch seine soeben erschienenen "Czernowitzer Spaziergänge" festzustellen, dass es sich um Gefühle handelt, um Gefühle eines Menschen gegenüber einer Landschaft. Ja, Othmar Andree hatte sich in die Bukowina verliebt.

Die Einseitigkeit dieser Empfindung scheint Othmar nicht gestört zu haben. Dies geht aus zahlreichen kleinen Feststellungen und Bemerkungen hervor, aus einer gewissen Zartheit leblosen Dingen gegenüber. Er entdeckt Details, die den meisten Beschauern nichtssagend erschienen waren. Seine Bewunderung erregen schmiedeeiserne "Kostbarkeiten", Tore, Balkone, Zäune, ... Die Gittermasten der Fahrleitung der Tramway sind für ihn "Relikte der Straßenbahnherrlichkeit" und eine kleine Grünanlage zwischen der Siebenbürger Straße und der Rathausstraße bringt ihm das verschwundene Kriegerdenkmal vor Augen.

Was den Autor aber mehr als alles andere interessiert, sind die Menschen, die diese Landschaft bevölkert haben, insbesondere die Juden. Ihnen geht er nach, sucht Beweise, Überbleibsel aus einer großen Zeit. Doch zu wenig ist noch übrig geblieben. Der einst monumentale Tempel, heute geköpft, kuppellos, in einen schmutzigen Kinosaal verwandelt, ist beispielhaft.

Die Relikte der Czernowitzer jüdischen Kultur sind geistiger Art. Es ist die einzigartige Erbschaft ihrer Lyriker, die dies osteuropäische Städtchen der Anonymität entrissen und der Weltkultur einverleibt hat. Othmar zitiert Celan, Rose Ausländer, Kittner und viele andere. Die Lyrik der Czernowitzer Dichter erleichtert das Verständnis der radikalen, oft kriminellen Umwälzungen, die sich hier abgespielt haben. Die sprachliche Vergewaltigung durch die Rumänen, sie soziale durch die Russen und schließlich die totale, endgültige, durch die rumänisch-deutsche Herrschaft.

Andree kennt die deutsche Literatur der Bukowina. Er weiß, dass er mit ihrer Hilfe die Leidensgeschichte der dortigen Judenschaft erfassen kann. Doch das genügt ihm nicht. Er sucht nach Beweisstücken. Nach jüdischen Reliquien forschend, gelangt er zu den Friedhöfen mit ihren steinernen Zeugen. Er findet die Namen der Menschen, die hier gelebt, geschaffen und gelitten haben.

Vom Friedhof in Czernowitz mit dem Grab des jungen Dawid Fallik, Symbol erwachenden Judenhasses, zu den Gräbern von Nepolokoutz auf einem mit Unrat übersäten Hinterhof eines Bauernhauses und schließlich zum Bejt Ojlim von Sadagora, mit den Gräbern der Leuchten des Chassidismus.

Ja, wenn nichts anderes zurück geblieben ist, schreiben die Grabsteinen die Geschichte. Doch nicht alle Erzählungen Andrees sind der Vergangenheit gewidmet. Ich würde die meisten Abschnitte des Buches als literarische Reportagen bezeichnen, außer der "Habsburgshöhe", einem Poem in Prosa von besonderem Reiz, wo den uralten Bäumen aus der k.u.k.-Zeit etwas vom heutigen Leben der jetzt ukrainischen Stadt gegenübergestellt wird. Auch der Cecina ist da, unverändert grün, wie zur Zeit unserer sonntäglichen Ausflüge.

Wichtige Kapitel sind der jüdischen Welt Sadagoras gewidmet, der Residenz, der Hochburg der chassidischen Dynastie der Friedmanns.

*

Aspekte aus Czernowitz und der Bukowina sind nicht chronologisch oder thematischen angeordnet, sondern wie zufällig im Lichtstrahl der Taschenlampe gesichtet. Hingegen ist jedes Thema gründlich, mit den kleinsten Einzelheiten behandelt, und nichts bleibt dem Leser verborgen. In letzter Zeit wurde viel über die Bukowina und Czernowitz geschrieben. Doch Othmar Andrees "Czernowitzer Spaziergänge" sind etwas anderes. Bei ihm verstricken sich die Vergangenheit und Gegenwart zu einem Ganzen und, wie gesagt, als Verliebter, ist er stets bereit, unter der hässlichen Farbe die Reize der Vergangenheit zu erspähen. Andree liebt die Bukowina und ihre Menschen, die einst hier gelebt, geschaffen und bitter gelitten haben, aber auch das Neue, das langsam aus dem Boden zu sprießen beginnt.

Das in der Rose Ausländer-Stiftung erschienene Buch Othmar Andrees ist für jeden Bukowiner eine spannende und zu Herzen gehende Lektüre und für den Fremden die Entdeckung einer verschwundenen Welt.

Die Stimme. Mitteilungsblatt für die Bukowiner
Nr. 610, 57. Jahrgang. März 2001
63455 Tel Aviv, Arnonstr. 12

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