Originaltitel: Cyrano de Bergerac
Produktionsland: USA
Premiere: 1950
Mit: Jose Ferrer, Mala Powers u. A.
Musik: Dimitri Tiomkin
Regie: Michael Gordon
Bild: SW
Auszeichnungen: Oscar für Jose Ferrer als bester männlicher Hauptdarsteller
Jose Ferrer erhielt den Oscar wohlverdient.
Dem Film als ganzen gebührt eine anerkennende Würdigung.
Die englische Sprache wird gemäß dem Charakter der literarischen Vorlage seitens der Schauspieler vortrefflich rezitiert und wird nicht in amerikanisiertem Slang gesprochen.
Die Figur des Cyrano ist geschmückt mit einer überlangen, hässlichen Nase. Dieser körperliche Makel macht ihn unattraktiv und für Frauen uninteressant. Aus seinem Makel macht er jedoch eine Tugend. Er ist dichterisch begabt, couragiert, spontan, unbefangen und ein gnadenloser Streiter gegen literarischen Dilletantismus und oberflächlichen, dichterischen Pfusch. Für seine Ideale lässt er aus dem Stand sowohl die Fechtklinge als auch Plapperzunge aufblitzen und erweist sich als ein unbesiegbarer Degen- und Redeschwinger. Wenn ihn seine Gegner mit billigen Floskeln zu höhnen trachten, so pariert er mit gewandter Rede und stellt diese als ungebildete Tröpfe bloß. Vor seiner respektlosen aber originellen Sprache verblassen seine Gegner und werden rhetorisch an die Wand gespielt und vernichtet. Darum haben alle Adeligen Angst vor ihm und seiner schamlosen Enttarnungskunst, durch welche sie in der Öffentlichkeit gedemütigt und blamiert werden. Cyrano ist zwar frech und unbarmherzig, aber dafür authentisch und den reinen Künsten verpflichtet. Ihm geht es eben um die Bewahrung der reinen Dichtung und Sprache, der reinen Tugenden, und letztlich um die optimale Entfaltung des menschlichen Geistes, entledigt jeder verfälschenden und verschmutzenden Künstelei. Darum ist einem Charakter wie dem seinen vorbehaltlos Raum zu gewähren, da er als eine Art Ritter von der traurigen Gestalt das Leben veredelt und ihm eine höhere Qualität verleiht.
Seine unerfüllbare Liebe zu Roxane kann er incognito und indirekt bezeugen, indem er seine poetische Sprachkunst ihrem unbegabten, jungen Gatten leiht. Roxane erfährt die poetischen Botschaften der Liebe, irrigerweise als Werke ihres Gatten. Dennoch wird sie von ihnen berauscht und beschenkt...die Werke bewahren ihren Gehalt und ihre Macht, auch wenn ihr Urheber verkannt bleibt. Die Kunst steht höher als die Person, das Werk überlebt den Schöpfer und verleiht ihm Ewigkeit. Hingegen wird der Gatte geliebt um seiner dichterischen Werke willen, nicht um seiner selbst willen - also wird er im Grunde nicht geliebt, sondern Cyrano, obzwar unwissentlich - was jedoch am Ende des Filmes berichtigt wird.
Hier offenbaren sich die dialektischen Hintergründe der philosophsichen Botschaft und werden mithilfe der dramaturgischen Verflechtung transparent gemacht.
Der Film ist ein dialektisches Meisterwerk, mitreißend und ergreifend bis zur letzten Minute. Erstklassiges und zutiefst glaubhaftes Schauspiel Jose Ferrers, der Cyrano die würdige tragisch-idealistische Note schenkt. Die Fechtszenen sind exzellent choreopraphiert, die Kameraarbeit samt Schnittabfolge gediegene Hollywoodschule. Ich ziehe dieses Werk dem Streifen mit dem behebigen G. Depardieu weit vor. Es hat mehr Speed, Schneidigkeit, Elleganz und Geradlinigkeit. Der Film ist kompakter und besser mit der Konzentration auf das Wesentliche. Die Schwarz-Weiß-Technik schenkt der Geschichte weit intensivere Atmosphäre und Effekte als ein Farbfilm. Der Hauptakteur ist authentischer und glaubwürdiger, vollschlank, hässlich, unbesiegbar, und sprühend vor Energie und Selbstbewußtsein im Kampf gegen die Vertreter der Stümperei. Als Antiheld, der sich bis zum Ende seines Lebens treu bleibt, vollendet er sein Leben in einem fechtenden Schattenkampf und zugleich dichtenden Todestanz.
Die Filmmusik von Dimitri Tiomkin begleitet den Film sehr dezent, klassisch und unaufdringlich.