Die Josiah Macy, Jr. Foundation hat zwischen 1946 und 1951 zehn interdisziplinäre Konferenzen veranstaltet, die Wissenschaftsgeschichte geschrieben haben. Unter dem Titel «Cybernetics. Circular Causal, and Feedback Mechanisms in Biological and Social Systems» hat sich eine einmalige Elite von Wissenschaftlern aus Mathematik, Physik, Soziologie, Biologie, Psychologie und Medizin in New York zusammengefunden, um Erkenntnisse aus der damals neuen Kybernetik zu gewinnen. Norbert Wiener, Heinz von Foerster, Paul Lazarsfeld, Margaret Mead, John von Neumann und Claude Shannon gehören zu den bekanntesten Forschern dieser hochkarätigen Versammlung, die nach Einsichten suchte, wie eine universale Theorie der Regulation, Steuerung und Kontrolle zu entwickeln wäre.
Die ursprünglich von Heinz von Foerster edierten Protokolle der fünf Konferenzen zwischen 1949 und 1953 sind fünfzig Jahre später vom Diaphanes Verlag neu aufgelegt worden. Der über 700-seitige Band ist eine faszinierende Rundschau der Themen, die die Wissenschaft der Nachkriegszeit bewegten und in der Folge auf viele Disziplinen Einfluss nahmen. Er bietet eine einmalige Gelegenheit, hinter die verschlossenen Türen dieser Konferenzen zu blicken und als Zaungast dabei zu sein, wenn die Crème der Crème der damaligen Wissenschaft Thesen vorbringt, nachhakt, ergänzt, Mutmassungen anstellt, wieder verwirft und neue vorschlägt. Warren S. McCulloch geht in seinem Schlusswort auf die Schwierigkeit ein, einen Konsens zu finden, nicht zuletzt weil die Methoden, Fachsprachen und Forscher so unterschiedlich waren. «Our most notable agreement is that we have learned to know one another a bit better, and to fight fair in our shirt sleeves. [O]ur consensus has never been unanimous. Even had it been so, I see no reason why God should have agreed with us.»
Dieser Band ist eines jener Bücher, die man an einer beliebigen Stelle aufschlagen kann und mitten im Geschehen ist. Ob man sich für das Lernverhalten von Tintenfischen, mechanische Schachspieler oder die Entwicklung von Sprache im Kindesalter interessiert, bleibt zweitrangig.
Begleitet werden die Protokolle durch einen lesenswerten 500-seitigen Band, der alte und neue Beiträge zur Geschichte der Kybernetik enthält.
(Mit freundlicher Genehmigung von SWITCH. Rezension erschienen im SWITCH Journal März 2009.)