Dieses der breiten Masse sicherlich nahezu unbekannte Album von 1979, das erste Soloalbum von Genesis Keyboarder Tony Banks, ist für mich eines der allerbesten überhaupt. Es bietet zahllose gekonnte Key-Changes auf kompositorisch höchstem Niveau, aber darum geht es nur zweitrangig. Entscheidend ist das ständige Bestreben von Banks, leise und ehrliche melancholische Stimmungen zu erzeugen, wunderbare Melodien und ein stimmiges Klangbild. Und es ist ihm voll gelungen, und zwar ausschließlich auf diesem Album, denn ein zweites in dieser Form, mit dieser Charakteristik und Besetzung (Kim Beacon: Vocs, Chester Thompson: Drums, Mit-Produzent David Hentschel (Genesis 75-80)) gibt es nicht, leider.
Die 11 Songs bilden eine wunderbare Einheit, hier kurz subjektiv beschrieben und (weils Spass macht) benotet.
From The Undertow (1,5): Phantastischer Instrumental-Start ins Album, wunderbare, sehr persönliche Atmo; Lucky Me (2): War eine der Singles, wunderschöne Melodien, die einem so vertraut erscheinen, wäre eine glatte 1, wenn die Strophe ein bisschen weniger umständlich zum Refrain finden würde; The Lie (2,5): Etwas weniger Melodik, dafür eine interessante Rhythmik, ein wirklich abgefahrenes Finale und bei 2:55 den vielleicht besten Keychange ever done; After The Lie (1): Für mich der beste Track, voller Atmo, wunderbar lebendig, zahlreiche kompositorische Variationen, feinfühlig dosiert, tolle Soundwahl und ein finales Key-Solo, typisch Banks; A Curious Feeling (2): Der Song mit der positivsten, optimistischsten Atmo, auch das kann Banks und das tut gut auf diesem meist so tiefsinnigen Album (war auch eine Single); Forever Morning (3): Längerer Instrumental-Track, der die perfekte Serie der ersten 5 Tracks etwas unterbricht. Die erste Hälfte ist sehr schön, die zweite nicht ganz so dolle; You (2): Zurück auf höchstem Niveau, für viele Hörer vielleicht der beste Track des Albums, phantastisch, wie sich an eine traumhaft melancholische Intro-Phase ein fetter, progressiver Part anschließt, in bester Genesis-Manier; Somebody Elses Dream (2,5): Erinnert mich ein wenig an Squonk von Trick of the Tail. Klasse der stampfende Rhythmus und das fette CP70. Der längste Track des Albums endet dann in schrägen Kirmesharmonien, das hat was; The Waters Of Lethe (2): Wieder ein Instrumental wie Forever Morning, aber deutlich schöner; For A While (2): Das Album nähert sich dem Ende, ein gemäßigter Song (auch eine Single), speziell in der Strophe mit viel Melancholie; In The Dark (1): Wenn man so will der Abgesang dieses Konzeptalbums, zwischen ein paar leisen Textzeilen erzeugt Banks noch einmal intimste Atmo, schwer zu beschreiben, irgendwie das Gegenteil von Oberflächlichkeit und Kommerz.
Ich empfehle dieses Album zu hören in speziellen Momenten, zB. über Kopfhörer/MP3-Player, vielleicht bei einem Sonnenuntergang in entsprechender Umgebung.
Weitere Banks-Soloalben:
Auf seinem nächsten Album The Fugitive von 83 (Collins war längst solo on Top) versuchte sich Banks dann mit kommerziellen Sounds und eigenem Gesang (sorry, für mich nicht die beste Lösung, auch wenn 2-3 Titel wie By You, Dirty Trees und Moving Under ganz nett sind).
Ebenfalls aus dieser Phase die nur auf Vinyl erhältliche Filmmusik zu the wicked lady, LP-Seite 1 beinhaltet die Stücke in der in Tonys Homestudio aufgenommenen Version, besonders die langsameren Sachen werden TB-Fans gefallen (2 Tracks sind auf Youtube zu finden). Auf Seite 2 dann alles vom Orchester, stellenweise gut anzuhören, halt Filmmusik.
1984 dann das Album Bankstatement, auch weitestgehend Pop aber rund 5 brauchbare Titel (und zum Glück wieder andere Sänger).
Das Album Filmmusic gefiel mir lange eher weniger, mittlerweile finde ich, dass doch paar nette Sachen drauf sind.
1990 dann das Album Still, wieder etwa 50% Quote, besonders die Zusammenarbeit mit Nik Kershaw ist gelungen, dazu die wunderbare Ballade Still It Takes Me By Surprise mit einem Piano-Part a la Firth of Fifth vom legendären 73er Genesis-Album.
1995 das Album Strictly Inc., typischer Banks-Synthsound, Keychanges, teils Pop, teils Balladen, viel Licht, auch etwas Schatten aber zum Abschluss mit An Island in the darkness ein 17 Min. Track von dem man speziell zum Finale hofft, er möge niemals enden. Thx Tony :-)
Zuletzt veröffentlich wurde das Album Seven, reine Klassik in perfektem Sound, teils schöne Passagen, aber wer TB kennt wird wissen, er könnte es sicher noch besser komponieren.