Armin H. Flesch, der Autor und Herausgeber hat mit diesem Kochbuch, das zugleich auch ein Reisebericht ist, einen wunderschönen Prachtband, zum Blättern, Lesen, Informieren und Nachkochen verfasst.
Auf seiner Reise durch Deutschland besuchte der Autor 30 Sterneköche in 29 Restaurants, die er alle interviewt hat und die über ihren Werdegang sowie ihre Vorstellungen von guter Küche berichten und ihm außerdem Rezepte anvertrauten, die der bemühte Leser nachkochen kann.
Es handelt sich bei den Rezepten um solche aus der mediterranen Küche. Wohlfahrt kocht nach meiner Beurteilung besonders differenziert. Seine Rezepte zu studieren bedeutet für mich stets ein großes Vergnügen, weil ich bei intensivem Lesen genau den Geschmack auf der Zunge zu spüren glaube, den mir die Rezepturen vorgeben. Superb.
Ein wahrer Himmelskuss ist sein "Provencalischer Dessertteller". Dieser besteht aus Basilikum-Parfait, gebackenen Rosmarien-Erdbeeren, Melonenperlen in Limonen-Thymian -Gelee, Erdbeeren und Melonen-Anis-Sorbet, marinierten Beeren und kandierten Oliven in Vanille-Olivenöl-Emulsion. Die Zubereitung ist für einen Laien kein Spaziergang.
Interessant sind die Reisebeschreibung des Autors, seine kleine Anmerkungen zu den Orten, die er aufsucht, seine knappen Erlebnisberichte, wirklich kurzweilig zu lesen, weil er nicht den Blick aufs Wesentliche verliert: die Köcheportraits und deren wundervolle Kreationen.
Ein besonders interessantes, mediterranes Hauptgericht präsentiert Dirk Schröer :" Mit Vadouvan gebratenes Lammnüsschen mit Coca Mallorquine, Auberginenpüree und Olivencreme". Aber auch "Coquelet de Bresse, in zwei Gängen serviert" von Martin Göschel hat mich überzeugt. Dieses Gericht ist vielleicht noch etwas aufwendiger in der Zubereitung als jenes von Schröer.
Generell kann man feststellen, dass die Rezepte der süddeutschen Sterneköche keineswegs mediterraner angelegt sind, als solche, die von Meisterköchen aus dem Norden stammen. Es scheint beinahe , dass in den Städten Berlin und Hamburg der Süden sich weitaus sonniger auf den Tellern spiegelt. So bereitet Thomas Martin in Hamburg folgendes Menue zu: Vorspeise: "Gefüllter Artischockenboden mit Salat Nicoise und Artischockenblättersüppchen", Hauptspeise: "Loup de Mer in der Salzkruste" mit Schmorzwiebeln und Römersalat", Dessert: "Passionsfruchtmousse mit Knusperteig, Rosmarin und Orangenbuttersauce".
Leider ist es nicht möglich im Rahmen dieser zeilenbegrenzten Rezension allen Köchen gerecht zu werden und allen gleichermaßen zu huldigen. Die Köche mögen es mir vergeben. Jedoch wird durch die Lektüre dieses wunderbaren Buches der Respekt für diese Künstler und ihre Kreativität wachsen um sie baldigst aufzusuchen.
Empfehlenswert.