Zunächst ein Wort zum Mitkommentator: wer Bässe nicht mag, sollte die Finger von Dub und speziell von TC lassen. Ohne fette Bässe keine Thievery Corporation.
Ich hatte "The Cosmic Game" (2005) schon hoch gelobt. Der Nachfolger "Radio Retaliation" (2008) konnte nach meinem Geschmack noch einmal einen drauf setzen: die eine oder andere Härte tat dem bisweilen blubberweichen Sound des Duos gut, die Musik wurde, auch durch den Einsatz von Gitarren und simuliertem Live-Schlagzeug, ein wenig aggressiver, blieb dabei aber zeitlos schön: ein scheinbarer Widerspruch, den nur die beiden Amerikaner auf ihre traumwandlerisch sichere Weise hinkriegen. Gastsängern wie Femi Kuti ist es verdankt, dass diese Scheibe ein Meisterwerk ohne jeden Durchhänger geworden ist - jeder Track ein kleines Wunder für sich.
Der aktuelle Nachfolger "Culture of Fear" kann damit nicht ganz mithalten, um ein Fazit vorweg zu nehmen. Wir erwarten: mehrere Songs der Marke "Superslow mit weiblichen Vocals", einen oder zwei indische Sitar-Ausflüge, mindestens einen Latino-Track, mehrere Instrumentals - und was soll ich sagen, genau das kriegen wir. Allerdings insgesamt nicht in der Qualität, dass hier ein weiterer kreativer Höhepunkt im Schaffen der beiden Künstler entstanden wäre. Auch nach mehrmaligen Hören bleiben nur wenige Tracks wirklich hängen, darunter der (herrlich 70er-mäßig soulfunkende) Eröffnungstrack "Web of Deception" und der Titeltrack "Culture of Fear".
Positiv fällt auf, dass der Sound wieder etwas dub-, phasenweise sogar reggae-lastiger geworden ist und die Klangreise durch die Welt etwas weniger kosmopolitisch: das Album klingt hier und da etwas dubbiger, etwas britischer, etwas mehr nach 90er: "Dub be good to me" von Beats International lässt grüßen.
Auf jeden Fall ein gutes Album, sogar ein sehr gutes, das viel Spaß macht und überall passt, im Auto, zuhause oder im Club. Kein neues "Masterpiece", aber das muss ja auch nicht sein.