Die beiden Herausgeber bearbeiten das Feld der Kultur der eigenen Herkunft nach aus zwei Richtungen, in denen 'Übergriffe' zwischen verschiedenen Systemen selbst schon zur Methodik gehören: aus der Perspektive des "Cultural Engineering" bzw. des Strategischen Marketings. "Hacking" ist zugleich Erkundung (Exploration) eines Gebiets und dessen Erweiterung durch Überschreitung bzw. bewusste 'Verletzung' der Grenzen. Es knüpft der Form nach an Auseinandersetzungen mit dem System Gesellschaft und seinen Subsystemen (Wirtschaft, Kunst, Kultur, Religion usw.), an die schon die frühen Avantgarden der Moderne 1900 angetrieben haben (Surrealismus, Dadaismus, Situationismus). Neu am heutigen Cultural Hacking ist den Autoren zufolge der Fokus auf der Ökonomie als Widerpart: Nachdem vor allem die Religion als Skandalon weggefallen ist, konzentriert sich die Auseinandersetzung auf das Paar "Kunst und/vs. Konsum".
Die Geste des Hackings bedeutet im Kern nicht Auflehnung gegen eine (über)mächtige Ökonomie, sie schafft oder ermöglicht vielmehr Souveränität durch Strategien der Einverleibung, Anverwandlung und Umdeutung (Neu-Codierung). „Es geht bei diesen Interventionen um ein Bewältigen und Mitgestalten von alltäglichen Transformationsprozessen - und damit um kulturelle Innovation in ihrem allgemeinsten Sinn."(S. 31) Der Nutzen ist, so stellt es dieser Band dar, ein doppelter. Zum einen liefert Cultural Hacking eine den tatsächlichen Herausforderungen (besser) angepasste Strategie, die mit der Segmentierungserfahrung der Lebenswelt Schritt halten kann. Sie trägt aber auch den Erfordernissen der Ökonomie Rechnung, weil sie „Andockstellen in den Vorstellungswelten der Konsumenten" eröffnet, die selbst von jener Segmentierung betroffen sind.
So gesehen wäre Cultural Hacking selbst wieder eine zeitgemässe Form der Aneignung von gesellschaftlichen Prozessen, die im rohen Zustand unverdaulich sind - eine spielerische, dabei zugleich oft sehr disziplinierte Übersetzungsarbeit. Sie produziert keine Interlinearversionen, sondern erzeugt kulturelle Bilder neu, indem sie das Material umschafft.
Die insgesamt 18 Beiträge des Sammelbands bewegen sich zwischen theoretischer Aufbereitung - die den Leser gelegentlich durch eine gekünstelte Theoriesprache enervieren - und Dokumentation verschiedener Praxisformen des Cultural Hacking. Es dürfte kein Zufall sein, dass diese Impulse, wie die umfangreiche „Bestandsaufnahme" zu „Art and Business of Cultural Hacking", am meisten Gewinn bringen. Darstellung bekommt einem Phänomen, dass sich durch Paradoxierung, Interaktion und Authentifizierung auszeichnet (S.348), offenbar besser als der Versuch, es frühzeit wieder in eine Diskurstheorie einzubinden.