...wobei ich vorab ein Riesen-Problem hatte: das Gerät funktionierte an meiner Canon 10D nicht. Es würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, die Fehlersuche zu schildern, deswegen ein Schnelldurchlauf. Die Halteplatte ist um ein weniges dünner (10el mm) als die an den Original-Canon-Blitzen, die Kontaktstifte sind ebenfalls um einiges kürzer, Kostenersparnisgründe? Der Blitzschuh der Kamera ist ein Blechteil, das nicht mit einer solch hohen Präzision gefertigt wird und wenn man den Blitz einschiebt und mit der Rändelschraube arretiert, kann es halt passieren, daß die Kontakte sich lösen und die Kamera das Gerät nicht erkennt. Hat mich einen Tag Rumprobieren und Rennereien gekostet, ich war schon drauf und dran das Ding zurückzuschicken, bis ich als alter Mechaniker das Problem beheben konnte, darum auch nicht die volle Punktzahl.
Und nun zum Gerät. Nachdem es jetzt funktioniert bin ich damit sehr zufrieden. Das Display hat eine ausreichende Größe und Schärfe, wenn es dunkler ist (meist der Fall bei Blitzlichtaufnahmen ;-)) gibt es eine ausreichende Hintergrundbeleuchtung auf Tastendruck, die sich nach etwa 5 Sek. wieder abschaltet, leider nicht für die Tasten, aber man kann nicht alles haben. Die Entfernungseinstellung für die Belichtung arbeitet mit eigenem Sensor, also unabhängig von der Kamera, arbeitet hervorragend mit der Kamera zusammen und bringt auch gute Ergebnisse. Ob Direktblitz, Indirektblitz, Bounceblitz, das Gerät hat sowohl einen ausziehbaren Reflektor als auch Diffusor die zusammen und getrennt benutzbar sind.
Das Highlight - jedenfalls nach meinem Dafürhalten - ist die Dreh- und Schwenkbarkeit in fast alle Richtungen, 90 Grad nach rechts, 180 Grad nach links (d.h. nach hinten) und 90 Grad senkrecht, wobei der Blitz dann automatisch in den 50er Modus geht, man kann den Blitz auch ohne Probleme indirekt bei Hochformataufnahmen benutzen, was bei vielen anderen Aufsteckblitzen ein Problem ist.
Es gibt einen sehr guten manuellen Modus, in dem man die Entfernung, die Blende und auch den Energieeinsatz (!) einstellen kann. Bei letzterem hat Cullmann ohnehin etwas tiefgestapelt, die ausgewiesenen 80 Aufnahmen werden um einiges überschritten (war jedenfalls so bei einem Akku-Satz von Panasonic 4x 1600 mAh und 100%). Es ist allerdings auch möglich, per Taste diesen Energieeinsatz in 4 Stufen (bis 1/16) zu reduzieren, was den sehr interessanten Nebeneffekt hat, daß bis zu 10 Dauer-Aufnahmen in Zehntel-Sekunden-Abstand möglich sind, dann sind allerdings entweder Umrechnung oder probieren notwendig und das funktioniert auch nicht an jeder Kamera (wie ich nach einem Verleih feststellen mußte). Bemerkenswert auch, daß das Gerät nach 3 min in den Standby-Modus geht, aber zusammen mit der Kamera in genau der gleichen Geschwindigkeit wie diese "geweckt" wird und in Sekunden bereit ist.
UND dann gibt es obendrein auch noch den Slave-Modus, d.h. man stellt oder legt das Gerät irgendwo an den Platz seiner Wahl - oder auch zwei davon ;-)) - und löst sie mit dem eingebauten Blitz der Kamera aus, funktioniert selbst bei abgewandtem Sensor einwandfrei.
Ansonsten kann man mit der Verarbeitung zufrieden sein, den Verschluß des Batteriefaches sollte man allerdings mit etwas Vorsicht behandeln (ist aber bei den Canon-Blitzen genauso). Fazit: nicht zu empfehlen für den unerfahrenen Amateur (obwohl die Automatik-Funktion ganz gut ist), absolut zu empfehlen für den ambitionierten Amateur und den Semi-Profi, die ab und zu mal einen guten Blitz, aber nicht unbedingt ein Profigerät brauchen, der Profi gibt ohnehin mehr Geld aus. UND inzwischen habe ich das Gerät seit 2 Jahren und bin damit immer noch sehr zufrieden, was will man mehr, wenn die Garantie abgelaufen ist ;-))).