Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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44 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
The beauty, sadness and madness of the world!, 2. September 2003
Von Ein Kunde
Robert Wyatt gelingt es auch auf seinem neuen Solowerk einmal mehr, das Private und das Politische zu verbinden. Aber dieser Satz verrät wenig über die Magie, die in dieser 75 Minuten langen Songsammlung steckt. Als Gäste sind dabei der Saxofonist Gilad Atzmon, die Keyboardspielerin und Sängerin Karen Mantler, Brian Eno, David Gilmore (ja, der von Pink Floyd), Paul Weller, Annie Whitehead und viele andere. Und auch das sagt wenig über den Zauber, der in dieser Musik wohnt. Robert Wyatts Stimme hat obenrum eine gute Oktave verloren, aber untenrum dafür einiges gewonnen. So daß er seine Stimme scherzhaft schon mal einen Bass nennt. Auch das verrät wenig über die Klasse des Albums. Ich kenne wenige Songschreiber auf dem Planeten, die mit solch immenser Phantasie Melodien finden und, statt sie in übliche Songformate zu verpacken, wundersam offene Gebilde kreieren. Wie er einmal in einem Interview verriet, sucht er immer nach Wegen, die Songs von den Fallen zu befreien, die Gewohnheit und Tradition für sie errichtet haben. So ist auch "Cuckooland" (sechs jahre nach dem phantastischen "Shleep") ein hinreissendes Amalgam geworden aus Rock- und Folk- und Jazzelementen - und doch ganz anders als der sich hier gleich assoziativ einstellende Begriff "Fusion" vermuten läßt. "Old Europe" ist ein unwiderstehlicher Ohrwurm, zugleich eine Hommage an Paris, das europäische Mekka des Jazz in den 60er Jahren. "Forest" erzählt von den Vetreibungen der Roma, und die sich hier überkreuzenden Gesangslinien von Robert Wyatt und Brian Eno zählen zu den großen Gänsehautmomenten des Albums, und davon gibt es etliche! Ein Werk von irrsinniger Schönheit und Melancholie und Lebenslust! Als ich Robert Wyatt in England traf,sagte ich ihm, dies sei in meinen Ohren ein Album "about the beauty, the sadness and the madness of the world." Und da saß er mir gegenüber in seinem Rollstuhl (an den er seit seinem Fenstersturz am 1. Juli 1973 gefesselt war), und verwies auf den letzten Song, das einzige Instrumentalstück, das auf ein arabisches Lied zurückgeht. In diesem Lied, das en passant Bilder des Elends im Nahen Osten beschwört, heißt es am Ende "Alles wird gut...Nobody Knows". Und dieser seltsame Widerspruch sei für ihn das gelungene Finale des Albums. Alles wird gut, aber niemand weiß es genau. Und, so sei "Cuckooland" eben auch ein optimistisches Werk, gegen alle Vernunft. Und liebe Leser, wirklich, "Cuckooland" hat einen ganz sanften Sog: diesem "Robert im Kuckucksland" möchte man überallhin folgen. Genial, nichts anderes!
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bestes Album 2003, 30. November 2005
Meine Güte,seit über zwei Jahren existiert "Cuckooland" nun, und noch keine Besprechung? Vielleicht liegt es daran, dass es wirklich nicht einfach ist Robert Wyatt's Musik zu be- und umschreiben, denn mit Rockmusik im herkömmlichen Sinne hat das hier nur sehr bedingt zu tun.Wyatt schuf schon zu Beginn seiner Solo-Karriere (er war vorher Mitglied der Canterbury-Bands "Soft Machine" und "Matching Mole") mit "Rock Bottom" sein völlig eigenes Sound-Universum. Auf "Cuckooland" versammelte er nun so verschiedene wie hochkarätige Mitmusiker (u.a. Brian Eno, David Gilmour und Paul Weller, sowie einige befreundete Jazzmusiker), und spielte mit ihnen sein bestes Album seit eben jenem legendären "Rock Bottom" ein.Das Ergebnis ist eine mal schwerelos schwebende, mal locker swingende Melange aus Jazz,Art-Pop/Rock und (versteckten) Folk und Worldmusic Einflüssen.Eine einsame Trompete zieht ihre melancholischen Linien,Gitarre,Akkordeon oder Mundharmonika tauchen aus dem dichten,warm-wogenden Soundteppich auf, Schlagzeug und Percussion gibt es nicht immer. Darüber singt Wyatt seine ungewöhnlichen, faszinierenden Melodien.Zudem sollte man, wie immer bei ihm,auch auf die Texte achten.Er schafft es ,z.T.schwierigen (oft politischen) Themen mit echter Anteilnahme und Humanität zu begegnen,statt nur anzuklagen.Manchmal keine leichte Kost, doch diese Musik regt zum nachdenken an, zur Beschäftigung mit sich und dieser durchgeknallten Welt.Und wer macht (und schafft) Soetwas noch? Eine wunderschöne,dunkle,seltsame uns tröstende Grosstat von einer Platte, von einem der beeindruckendsten Musiker unserer Zeit, nichts weniger.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Hauch des Göttlichen, 14. April 2008
Es war nicht ganz einfach, meinen Geburtstagswunsch zu erfüllen. Doch gestern konnte mir HinzmannBerndti "Cuckooland" von Robert Wyatt voller Freude überreichen. Nachdem sich meine Studien heute ganz dieser Produktion aus dem Winter 2002 und dem Frühjahr 2003 widmen, möchte ich der IbGemeinde® das 75-minütige Kunstwerk mit seiner 30-sekündigen Pause, "Silence", schwer ans Herz legen. "A suitable place for those with tired ears to pause and resume listening later", heißt es zu "Silence" im Booklet. Ich kann nicht behaupten, dass meine Ohren auch nur an einer einzigen Stelle der zweiteiligen Suite müde geworden wären. Im Gegenteil. Wyatt legt hier ein hochpolitisches Album vor, dass sich mit dem Genozid an den europäischen Zigeunern ebenso beschäftigt wie mit traumatisierten Müttern im Iraq und dem amerikanischen Rassismus. Sieben von insgesamt 16 Stücken ("Silence" wäre rein rechnerisch das 17. Stück) nahm der an den Rollstuhl gefesselte Wyatt in seinem Haus in Louth auf. Das andere Material wurde in Phil Manzaneras "GALLERY STUDIO" aufgenommen und produziert. Teilweise sind David Gilmour an der Gitarre sowie Brian Eno am Mikrophon zu hören. Robert Wyatt selbst bedient das Piano, spielt Trompete, ist an den Keyboards voll bei der Sache und klopft die Percussions und Drums. Was auch immer die "Eno's toys" sein mögen, die bei "Trickle Down" extra ausgewiesen werden, sei dahingestellt. Allein die Stimme Wyatts kommt auch auf "Cuckooland" mit einer Intensität und einem zarten Hauch von Mitleid mit der Kreatur zugleich daher, dass es dem Hörer mit offenen Ohren die Gänsehaut über den Rücken jagt. Die Arrangements sind minimalistisch und opulent zugleich. Es ist wie das Eintauchen in ein Zauberreich der Klänge, des harmonischen Miteinanders ebenso wie des antagonistischen Gegeneinanders. Alles schwebt und scheint zu entweichen. Und doch ist in allem eine erdige Bodenhaftung präsent. "Cuckooland" ist ein Album der Extraklasse! Ein Album, dass nur schwer zu besorgen ist und das keinen Platz in Hitparaden finden wird. Aber dafür ist es ja auch nicht gemacht. Gemacht ist es in einem Zwischenreich für das, was vielleicht kommen wird, wenn die Waffen schweigen, wenn der Mensch den Menschen ehrt und wenn Miles Davis wieder live zu hören sein wird.
"Cuckooland" by Robert Wyatt, (P) 2003 ist erhoben zur ewigen Anbetung. Es ist aufgenommen zur Ehre der beatAltäre®. So gehet denn hin und verneigt euch vor dem, was gute Musik genannt wird. Hier weht ein Hauch des Göttlichen!
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