Der große Pluspunkt dieses Romans ist seine strikte Treue zu den Spielen Crysis und Crysis Warhead. Der Autor spult quasi 100%ig den Handlungsverlauf beider Spiele ab. Crysis habe ich vor knapp 1 Jahr gespielt, und erkannte viele Details, Dialoge und Funksprüche wieder. Noch auffälliger bei Warhead: Das habe ich ein paar Tage nach dem Lesen des Buchs gespielt und konnte wirklich jeden einzelnen Dialog, jede Auseinandersetzung mit KVA und Aliens 1:1 wiederfinden.
Leider bringt die Originaltreue einige Nachteile mit sich, die dem Buch mehr als *** verwehren:
Gefühlte 50% des Buches bestehen aus Varianten der Sätze: "Er schlich sich im Tarnmodus an und erledigte X Koreaner bevor sie ihn auch nur bemerken konnten" oder "Seine Anzugenergie sank dramatisch schnell in den roten Bereich. Er suchte sich Deckung wartet bis die Energie wieder im grünen Bereich war" oder "Er ging in Deckung, enttarnte sich bis der Anzug sich aufgeladen hatte, ging danach wieder in den Tarnmodus und schlich weiter". Es stimmt, dass man in Crysis tatsächlich oft auf diese Weise vorging, aber muss man im Buch zum Spiel so viel Monotonie aus dem Spiel einfließen lassen? Ein bisschen mehr Abwechslung und Heldentum hätten hier nicht geschadet.
Wenn man die Spiele mag wird man darüber vielleicht noch hinwegsehen, aber ein weiteres Manko kann zumindest ich dem Roman nicht verzeihen: Es gibt nichts, aber wirklich überhaupt nichts, neues zu erfahren! Die Dialoge sind 1:1 aus den Spielen übernommen, es gibt keine neuen Hintergrundinfos über die Charaktere, die Aliens, das Waffenarsenal usw.usf. Man kennt alles schon aus dem Spielen und lernt nichts dazu! Ich möchte sogar behaupten, dass man das Buch als Nicht-Crysis-Spieler größtenteils kaum lesen kann, weil zu viel Kenntnisse vorausgesetzt werden. So werden weder die Aliens noch der Nanosuit noch die Waffen oder Fahr- und Flugzeuge so beschrieben, dass man sie sich bildhaft vorstellen kann. Auch mir war z.B. eine Weile nicht klar, dass mit "Senkrechtstartern" die VTOLs gemeint waren. Als ich Warhead kurz nach Lesen des Romans spielte und das PAX-Gewehr in den Händen hielt, entsprach es z.B. zu 0% dem, was mir das Buch vermittelt hatte. Bei dem Endgegner von Warhead ging es mir genauso.
Fazit: Man kann das Buch Crysis-Fans durchaus empfehlen, muss aber mit einem sehr repetitiven Erzählstil leben können. Wer die Spiele nicht kennt, sollte sich den Kauf lieber 2x überlegen.