Crysis 2 gehört für mich persönlich zum besten was Shooter-technisch während dieser Konsolengeneration das Licht der virtuellen Welt erblickte. Dem entsprechend hoch waren natürlich meine Erwartungen an den sehnlichst erwarteten dritten Teil. Und da ich bereits seit einigen Tagen den Crytek-Shooter genossen habe, hier mal kurz meine Eindrücke.
--- PRO ---
+ New York Version 2.0 (wie Psycho es so schön sagte) begeisterte mich eigentlich vom ersten bis zum letzten Augenblick. Eigentlich will heißen, das ich es bis auf einige wenige, relativ fad wirkende optische Momente echt schick fand. Die Spielwelt respektive der Dome wirkt wie zu erwarten war unglaublich gigantisch und stimmungsvoll. Jedes Gebiet welches man während der Kampagne durchläuft, besticht meist durch reichlich Abwechslung und große (im Vergleich zum Vorgänger meist deutlich größere) Areale. Egal ob dicke Schlachten mit Weltuntergangsstimmung im Hintergrund oder (endlich) richtig stimmungsvolle Schleichpassagen bei Nacht, mit Suchscheinwerfern und dem ganzen Zeugs...das passt. Obligatorisch haben die Macher vereinzelt auch einige Tierchen in die Spielwelt gepackt. Is zwar ganz nett, wirkt aber irgendwo dennoch überflüssig bzw. aufgesetzt. Wobei ich auch sagen muss, das mir die Kulissen-Vielfalt in Teil 2 eine ganze Ecke besser gefiel und mir mehr Wow-Momente entlockte. Ach ja, auch wenn die Areale ziemlich groß wirken, gibts auch hier wieder Grenzen wie etwa hohe Klippen oder ähnliches, welche eben das Schlachtfeld eingrenzen. Dennoch lassen einem die Macher häufig viel Bewegungs-Freiraum und vermitteln ein tolles Gefühl der Weite.
+ Der Hauptprotagonist hat nun endlich das Sprechen gelernt. War der Vorgänger Alcatraz noch durchweg stumm und total austauschbar, ist der gute Prophet fast schon ein richtiges Plappermaul (und man hat endlich ein Gesicht zur Figur hinter dem Anzug den man spielt). Schade ist hier lediglich, das der Nanosuit somit akustisch außer "Tarnfeld aktiviert" etc., nicht mehr viel von sich gibt (Ich fand die Sprachausgabe immer recht cool im Zweier, wie die Missionsbeschreibungen usw.). Toll ist übrigens auch, das die Macher wieder den selben Synchronsprecher für Prophet angeheuert haben.
+ Womit wir auch gleich beim nächsten Pluspunkt wären, dem Sound. Die Sprecher sind wie im Vorgänger recht professionell und motiviert zu gange. Musikalisch wurde Crysis 3 ebenfalls wieder gut unterlegt, auch wenn ein stimmungsvolles Theme von Großmeister Hans Zimmer sicher wieder nicht geschadet hätte. Und die 5.1-Abmischung kann sich ebenfalls richtig hören lassen.
+ Grafisch hat sich im Vergleich zum Vorgänger (auf der 360) doch noch einmal einiges getan. Besonders gefallen haben mir neben der Weitsicht vor allem die erstklassigen Licht-und Schatteneffekte und die Gesichtsanimationen, welche definitiv zum besten gehören, was die Box in all ihren Jahren wiedergegeben hat.
+ Das Gameplay ist ebenfalls wieder eingängig und spaßig. Egal ob getarnt von Deckung zu Deckung zu schleichen, unter Wasser zu tauchen oder von Unten nach Oben im Panzermodus ein kaputtes Haus zu erklimmen. Die Abwechslung kommt auch hier erneut durch das vertikale Gameplay und den Wechsel des Tarn-und Panzerungsmodus voll zur Geltung. Die KI macht dabei übrigens eine gute Figur. Die Gegner greifen an, setzen einen mit Granaten unter Druck und zielen auch ziemlich genau, selbst auf große Entfernung. Und klar gibts auch hier einige Hirn-Aussetzer, aber die halten sich Gott sei dank in Grenzen. Hier und da werden die Gefechte auch immer mal wieder durch obligatorische Fahrzeugabschnitte aufgelockert, die zwar nicht der Rede wert sind, aber eben da sind. Der Controller ist zudem, wie schon im Vorgänger, wieder top belegt und alle Funktionen sind schnell verinnerlicht.
+ Man darf nun endlich auch mal mit Alienwaffen rum ballern.
+ In der Spielwelt stehen überall solche kleinen hochspannungs-Boxen herum. Aktiviert ihr diese, absorbiert Prophet die Energie und ist für kurze Zeit unverwundbar und ihr könnt mal so richtig die Sau raus lassen.
+ Die Story ist für einen Shooter wieder recht unterhaltsam und niemals Langweilig respektive Langatmig. Klar ist auch hier inhaltlich meist mit lauwarmen Wasser gekocht worden. Dafür gehts hier aber nonstop Vorwärts und Crysis 3 bietet Storytechnisch sogar ein wenig mehr Inhalt als sein Vorgänger, was vor allem an den Gesprächen mit Kumpel Psycho liegt.
+ Breite Waffenauswahl, wie Gewähre, Pistole, Raketenwerfer, Granaten etc. Alles wieder mit dabei.
Crysis-typisch könnt ihr eure Wummen natürlich auch wieder während des Spiels via Back-Taste umrüsten und mit Aufsätzen wie Zielfernrohren, Schalldämpfern, Munitionsarten usw. bestücken.
+ Der Bogen: Jaaaaaa, wie man mittlerweile weiß kommt kein Shooter mehr ohne einen Bogen aus. Und was schon in Far Cry 3 ein Mordsspaß war, ist hier richtig gut geworden. Denn der Bogen ist nicht nur ein nettes und vor allem stylisches Spielzeug für nebenbei, nein er macht sogar richtig Sinn. Bestückt ist der Bogen mit vier Munitionsarten – Superthermit, Elektro, Airburst und Standardpfeile und kann in drei Varianten auf Spannung gezogen werden (je länger, desto stärker der Schuss für evtl. Distanzschüsse). Und da der Bogen eine nicht zu verachtende Waffe ist und selbst gegen größere Gegner hilfreich ist, begrenzten die Macher die Munition auf ein geringes Maß, da er schnell (bei mir zumindest) zur Primärwaffe heran wuchs. Pro Spezialpfeil dürft ihr nur drei an der Zahl mit euch führen. Standardpfeile dagegen neun, wobei ihr diese zudem stets immer wieder aufsammeln könnt. Und auch der Munitionsvorrat fällt unter das Abteil "Extramunition" und liegt in gesonderten Kisten in der Spielwelt herum.
+ Ein neues Feature ist das Hacken. Dies ermöglicht euch in einem Minispiel beispielsweise das sabotieren von Minenfeldern oder feindlichen Geschützen, welche dann prompt auf eure Gegner los gehen.
+ Die Visor-Funktion wurde auch verändert oder besser gesagt erleichtert. Musste man im Vorgänger noch Sichtkontakt mit einem Ziel haben, bevor man es rot markieren konnte und auf der Karte angezeigt wurde, genügt es hier einfach, mit der Fernsicht in die Welt zu blicken. Man bekommt dann prompt alle Munitionsstände, Gegner oder Upgrade-Kisten in einem großen Radius angezeigt und kann diese markieren.
+ Neue Gegnertypen gibts auch, wie etwa den Stalker, welche Raptor-typisch in hohem Gras im Rudel jagd und euch gern hinterrücks anfällt.
+ Für alle Neuzugänge bietet Crysis 3 ein schön gemachtes "Was bisher geschah"-Video. Und ein Tutorial gibts auch noch oben drauf.
+ Neben der Story habt ihr hier und da auch die Möglichkeit, optionale Missionen während des Spielgeschehens anzunehmen, wie etwa einem Team der Armee zu helfen, welches während einer Mission um Hilfe bittet weil sie in einem Wrack eingesperrt sind. Macht ihr also einen kurzen Abstecher dort hin und befreit die Leutchens, werdet ihr anschließend meist mit dicken Waffen, Munition oder auch mal mit einem Panzerwagen belohnt.
--- NEUTRAL ---
: Also Neutral bewerte ich die Spielzeit: Mich schreckten im Vorfeld ja einige Meldungen fast ein wenig ab, da die Spielzeit laut einiger Tests bei gerade einmal fünf Stunden liegen sollte. Das kann ich auf jeden Fall nicht bestätigen. Keine Ahnung welcher Spielstil da an den Tag gelegt wurde (vermutlich mit Nonstop-Tarnung jedem Wegpunkt hinterher gehastet). Nach fünf Stunden war ich jedenfalls gerade einmal bei Kapitel 5 von 7. Gezockt habe ich den ersten Durchgang auf Normal und insgesamt rund 7 Stunden dafür gebraucht. Hier und da hab ich mir, wie man das meist so macht, auch einfach mal die Umgebung angesehen, gestaunt oder nach Datapads respektive Sammelbarem Ausschau gehalten, bevor es weiter ging. Somit ist die Spielzeit in meinen Augen dennoch nicht unbedingt der Knaller, aber für einen Ego-Shooter mit Multiplayer-Modus gerade noch akzeptabel. Nichts desto trotz liegt die Spielzeit deutlich hinter der des Vorgängers.
--- CONTRA ---
- Weniger schön ist unter anderem, das wieder das Crysis-typische "Gegner sehen dich bereits aus 1000 Meter Distanz durch einen Busch"-Problem dabei ist. Es passierte mir (wie auch bei Crysis 2 immer wieder) jedenfalls recht häufig, das, wenn ich denn selbst bei Nacht mal um gottes Willen ohne Tarnung durch die Gegend streifte, plötzlich von irgendwo her angeschossen wurde und nicht schlecht staunte, als ich dann den Standort des Gegners in weiter Ferne erspähte. Das nervte mich bereits an den Vorgängern, denn man hat quasi selten eine andere Wahl, als ständig mit aktiver Tarnung durch die Gegend zu watscheln.
- Mir gefiel das Upgrade-System (mit der Hand) aus Teil 2 unheimlich gut. Es war überschaubar, schnell veränderbar und motivierend. Doch leider wurde dieses Prinzip - wie man es vielleicht schon an der Vergangenheitsform merkt - durch eine für meine Begriffe dämliche Kästchenvariante ersetzt. Gegner lassen nun keine Leuchdinger (ich komm gerade nicht auf den Namen) mehr fallen, welche ihr einsammelt und dann investiert. Nein nun dürft ihr Upgrade-Kisten in der Welt sammeln und in, ich glaub 16 unterschiedliche Upgrades investieren, wo eines max. drei Punkte frisst.
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