Da ich auf Grund des Preloads bereits einige Stunden spielen konnte, möchte ich hier meinen Eindruck präsentieren:
Crysis galt oft in erster Linie nur als Grafikdemo mit wenig Spiel. Ich habe das eigentlich weniger gesehen. Die Story war zwar nie gigantisch, aber das Spiel wusste, wie man sie präsentiert. Die Freiheit in Teil 1 fand ich spitze. Die Grafik war natürlich ein Punkt für sich, die das Gesamtpaket einfach großartig inszenierte.
In Teil 2 wurde von der Möglichkeit vorzugehen deutliche Einschränkungen vorgenommen. Es gab mehr Schlauchaerale und die freien Areale waren deutlich kleiner als in Crysis und Crysis Warhead. Allerdings immernoch größer als in jedem Call of Duty. Grafisch sah Crysis 2 auch nicht ganz an Teil 1 heranreichen. Auch wenn es nicht grundsätzlich schlechter aussah, kam die Grafik durch das New York Setting einfach nicht so toll zur Geltung.
Wie sieht das nun mit Teil 3 aus? Kann das Spiel grafisch wieder neue Maßstäbe setzen und gleichzeitig noch ein tolles Gameplay liefern?
Story: CELL, das aus Teil 2 bekannte Unternehmen, hat die Herrschaft über das mittlerweile völlig zerstöre und überwucherte New York übernommen und sammelt ihre Nanosuits wieder ein. Dem aus Teil 1 bekannten Psycho hat das nicht so ganz gefallen, also versucht er Prophet zu retten, sodass dieser CELL ordentlich in den Hintern treten kann. Prophet selbst weiß aber, dass durch die Aktivitäten von CELL eine viel größere Gefahr droht, die keiner außer ihm versteht.
Die Aliens, oder wie wir seit Teil 2 wissen, eher Wasserwesen, wurden am Ende von Teil 2 größtenteils vernichtet. Vereinzelt gibt es aber immer noch Aliens, welche wie Raubtiere versuchen zu überleben.
Storytechnisch geht das Spiel eher auf die persönliche Ebene und durch die Charaktere Prophet und Psycho wird das Ganze auch ganz interessant, denn im Gegensatz zu Crysis 1, haben sich beide Charaktere deutlich verändert. Mal abgesehen von der Optik, Psycho ist deutlich älter und dicker geworden, ist der grundlegende Charakter wie im ersten Teil auch. Allerdings haben wir hier einen etwas eher gebrandmarkten Psycho, der CELL deswegen das handwerk legen will. Und obwohl er Prophet weiterhin als "Boss" bezeichnet, nimmt er dieses Mal eher die Mentorenfunktion ein, denn er kennt sich in diesem New York besser aus als Prophet. Prophet selbst hat viel miterlebt. Mal abgesehen davon, dass (Achtung Spoiler, für alle, die noch nicht Teil 2 gespielt haben) der Charakter Prophet nur noch als eine Art Seele im Nanosuit gespeichert ist, der Körper zum toten Marine Alcatraz gehört und der Nanosuit noch mit CELL-Technologie und Alien DNA verändert wurde, weiß nur Prophet von der richtigen Problematik und versucht alles dafür zu tun, um in erster Linie das Problem zu lösen. So agieren Psycho und Prophet auf deutlich anderen Ebenen, als im ersten Teil. Und das funktioniert gut. Das Gesamtpaket, wie Psycho dargestellt wird, allen voran sein wahnsinnig gutes Modell, seine Mimiken, und seine Emotionen lassen Psycho zum echt wirkensten Charakter werden, den ich jemals in einem Videospiel gesehen hab. An der Umsetzung von Psycho müssen sich die Charaktere der nächsten großen Titel in Bezug auf realitätsnähe messen!
Ansonsten würde ich auch bei diesem Crysis sagen, was ich bei allen anderen gesagt habe: Die Story gewinnt keinen Oscar, weiß sich aber zu präsentieren.
Neu in der Serie sind die schon aus vielen anderen Spielen bekannten Audiologs. Diese können von Soldaten, Wissenschaftlern oder sonstwem kommen und erklären Hintergründe der ganzen Geschichte. Beispielsweise wird in einem kurzen Audiolog erklärt, wieso die Ceph ab Teil 2 so deutlich anders aussahen.
Minispoiler für die, die das interessiert: Die Ceph sind eine sehr anpassungsfähige Rasse durch die Möglichkeit DNA zu absorbieren. In Crysis 1 haben wir die ursprünglichen Ceph, welche als Vorhut zum Terraformen geschickt wurden (das Eis). In der Zeit zu Crysis 2 haben sie sich angepasst, die Schwächen der Menschen analysiert und ihren Kampfstil sowie ihre Waffen angepasst. In Stufe 3 nun, ist der Unterschied nicht mehr ganz so groß, da die eigentliche Anpassung in Crysis 2 bereits vollzogen war. Die Anpassungsstufe 3 in Crysis 3 ist quasi nur nochmal eine Weiterentwicklung.
Gameplay:
Hier hat sich im Prinzip nicht viel geändert. Der Nanosuit kann nun hacken, sodass man Geschütze auf die eigene Seite bringen kann. Sprinten kostet nun keine Energie mehr. Wie man schon in den Trailern gesehen hat, hat man nun einen Bogen zur Verfügung mit verschiedenen Aufsätzen. Der funktionier sehr gut. Vielleicht etwas zu gut, denn wenn man vernünftig vorgeht, braucht man abgesehen von seltenen Fällen keine andere Waffe.
Die Areale sind im Gegensatz zu Teil 2 deutlich größer, aber immer noch nicht so groß wie in Teil 1. Das macht aber nichts, da sie von der Größe und von den Möglichkeiten her mehr als ausreichend groß sind und viele, taktische Optionen bietet.
Interessant ist auch, dass Crytek sich zum Setting passend neue Elemente ausgedacht hat. Beispielsweise ist das hohe Grass in manchen Leveln nicht nur da um schön auszusehen. Man sieht die Aliens dort nicht und der Visor funktioniert auch nicht. So läuft man also panisch voran und versucht auf die nächste Erhöhung zu kommen, um einen Blick in das Grass zu werfen und durch die Bewegungen der Grashalme zu sehen, wo die Aliens grad sind. Ziemlich cooles Spielgefühl.
Ansonsten gibt es nicht viel zu sagen. Crysis 3 ist Crysis, wieder mit mehr Freiheit als in Teil 2.
Schön finde ich, dass auch wieder Nebenmissionen ins Spiel gefunden haben, welche es auch schon im ersten Teil gab. Diese haben dann auch leichten Einfluss auf das Geschehen. Beispiel: Deaktiviert man eine optinale Flugabwehr, so fliegt Psycho einmal durch die Gegend und lässt ein paar Bomben regnen. Nicht unbedingt nötig, aber auf jeden Fall nett!
Weiterhin finde ich, dass der Visor in diesem Teil der Serie mal sinnvoll einzusetzen ist. Während er in Crysis 1 meiner Meinung nach nur ein nettes Gimmick war, ich ihn in Crysis 2 gar nicht benutzt habe, habe ich das Ding hier nun relativ oft an, egal ob für Gegner, Waffen, Munitionen oder Sammelobjekte.
Technik:
Ja, wie sieht das Spiel denn nun aus? Kurz und knackig: Gigantisch!
Die Charaktermodelle, allen voran Psycho, sehen spitze aus. Die Animationen sind super. Die Texturen sind gestochen scharf, die Lichteffekte der absolute Hammer. Egal von welchem Winkel man Crysis 3 betrachtet: Auf maximalen Details ist Crysis 3 das bestaussehendste Spiel auf dem Markt. Aber auch die Leute, die keinen ausreichend potenten Rechner für die maximale Grafik haben, kommen noch auf ihre Kosten. Auf niedrigeren Details frisst das Spiel deutlich weniger Hardware (allen voran beim Anti Aliasing, prüft wirklich, ob ihr da ein super hohes AA braucht, ich hab in vielen Bereichen keinen Unterschied zu niedrigeren Stufen gesehen) und sieht immer noch klasse aus. Im Worst Case erreicht das Spiel meiner Meinung nach die Grafik von Crysis 2, wobei das Setting die tolle Grafik deutlich besser zur Geltung bringt, als das letzte New York.
Soundtechnisch sieht das genau so aus. Die Synchronsprecher machen nen guten Job, die Schusseffekte und Explosionen haben ordentlich Wumms. Allein die paar Fahrzeuge, die es gibt, hätten einen besseren Sound vertragen können, zumindest im Vergleich zum Rest. Aber das ist für mich nur ein kleiner Schönheitsfehler.
Technisch kann man also nichts sagen. Das Ding ist aktuell einfach Maß aller Dinge, wenns um Grafik geht. Ich bin gespannt wie man die Texturen vielleicht durch die wahrscheinlich entstehenden Mods noch topen will.
Multiplayer:
Der Multiplayer spielt sich wie eine stark überarbeitete Version des Crysis 2 Multiplayers, also flotte Nanosuitgefechte. Hier reicht das Niveau meiner Meinung nach nicht an Spielegiganten wie Battlefield 3 heran, allerdings scheint er mir nicht deutlich schlechter als der Multiplayer von Call of Duty. Durch die Modi und die Nanosuits spielt sich der Multiplayer auch deutlich anders, als die Multiplayer anderer Shooter. Das heißt ich würde sagen, dass es kein alleiniger Kaufgrund sein sollte, aber er durchaus spaßig ist und zum wiederspielen einlädt. Cool ist auch, dass es einige Maps aus Crysis 2 wieder gibt, diese jedoch an das zerstörte New York Setting angepasst wurden.
Der neue Hunter-Modus ist interessant und spielt sich ein wenig, als würde er aus einem Predator spiel kommen. Die einen spielen einen normalen Soldaten, die anderen unsichtbare Hunter. Erstere sind sichtbar und machen viel Schaden, letztere haben einen Bogen, mit dem sie alle mit einem Schuss ausschalten können, sind sehr flott unterwegs und eben unsichtbar. Eine Runde dauert dabei nur ein paar Sekunden. Die Hunter müssen dabei die Soldaten ausschalten, worauf diese selbst zum Hunter werden. Gibt es am Ende der Zeit mindestens einen Soldaten, haben diese gewonnen. Sind alle Soldaten getötet worden, gewinnen die Hunter.
Ein Modus, den es so noch nirgends gab und sich ganz cool spielt.
Fazit:
Crysis 3 bietet alles, was man von Crysis erwartet. Solide Story, welche keinen Oscar gewinnt, aber weiss wie man sich inszeniert, gigantische Grafik und das bekannte Gameplay nur mit mehr Freiheit gegenüber zu Teil 2. Das Setting ist spitze.
Lesen Sie weiter... ›