Aus der Amazon.de-Redaktion
Cryptonomicon zoomt durch die ganze Welt und rast verschwörerisch zwischen zwei Zeiten hin und her -- dem Zweiten Weltkrieg und der Gegenwart. Die zwei Helden aus den 40er-Jahren sind der glänzende Mathematiker Lawrence Waterhouse, ein außerordentlicher Kryptoanalytiker, und der übereifrige, morphiumsüchtige Bobby Shaftoe von den US-Marines. Sie gehören zum Sonderkommando 2702, einer Alliiertengruppe, die versucht, die Kommunikationskodes der Achsenmächte zu knacken. Gleichzeitig ist sie bemüht zu verhindern, dass der Feind dahinter kommt, dass ihre eigenen Kodes bereits geknackt sind. Unter dem Strich besteht ihre Aufgabe aus einer Täuschung nach der anderen. Dr. Alan Turing, der ebenfalls zum Sonderkommando 2702 gehört, erklärt Waterhouse die seltsame Arbeitsweise der Einheit: "Wenn wir einen Konvoi versenken wollen, schicken wir erst ein Beobachtungsflugzeug hinaus... Das Observieren ist natürlich nicht seine eigentliche Aufgabe -- wir wissen schon längst, wo sich der Konvoi befindet. Seine eigentliche Aufgabe besteht darin, selbst beobachtet zu werden... wenn wir dann kommen, um sie zu versenken, schöpfen die Deutschen keinen Verdacht."
Diese ganze Geheimnistuerei spiegelt sich in der Gegenwartshandlung wider, in der sich die Enkel der Weltkriegshelden -- der unnachahmliche Programmierfreak Randy Waterhouse und die schöne und starke Amy Shaftoe -- zusammentun, um in Südostasien eine Offshore-Datenoase zu schaffen und nach Möglichkeit auch den Verbleib von Gold aufzudecken, das für die Schatulle der Nazis bestimmt war. Um den paranoiden Ton der Geschichte abzurunden, taucht der mysteriöse Enoch Root, einer der Topangehörigen des Sonderkommandos 2702 und der Societas Eruditorium, mit einem nicht dechiffrierbaren Verschlüsselungskonzept aus dem Zweiten Weltkrieg auf, um die Protagonisten von 1990 mit verschwörerischen Verbindungen zu verwirren.
Cryptonomicon ist von der ersten bis zur letzten Seite Neal Stephenson vom Feinsten: knapp in der Handlung, aber erschöpfend präzise im Detail. Jede Seite enthält eine Mathematikaufgabe, einen zitierbaren Insider-Witz, eine faszinierende Idee oder ein Stückchen beißender Prosa. Cryptonomicon ist zudem voll gepackt mit wahrhaft seltsamen Figuren -- irren Technologie- und Kryptofreaks und mehr Kryptologie, als man jemals brauchen wird -- vom gegenwärtigen Computerjargon einmal ganz abgesehen. Vorsicht: Wenn Sie dieses Buch in einem Zug lesen, könnten Sie einer Informationsüberlastung (und dem Hungertod) zum Opfer fallen. --Therese Littleton -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Während des 2. Weltkriegs legt Japan mit Hilfe von Deutschland eine riesige Goldreserve an. Die Alliierten werden zwar auf verschlüsselte Mitteilungen aufmerksam, doch es gelingt ihnen nicht, den "Arethusa"-Code zu knacken. Ein halbes Jahrhundert später stößt eine Gruppe amerikanischer Unternehmer im Wrack eines U-Boots auf die Spuren einer gigantischen Verschwörung ...
Klappentext
Publishers Weekly
"Stephensons respektlose Phantasie wirkt geradezu befreiend ..."
Neue Zürcher Zeitung
"Fantastisch geschrieben! In diesem Roman kann man auf sehr unterhaltsame Art erfahren, wie die Internetgeneration tickt."
Wolfgang Herles, ZDF
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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Über den Autor
Auszug aus Cryptonomicon von Neal Stephenson, Juliane Gräbener-Müller, Nikolaus Stingl. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Was albtraumhaft gefährliche, mnemetisch programmierte Todesmaschinen angeht, hätte man keine netteren kennen lernen können. In der Tradition seines Namensvetters (des puritanischen Schriftstellers John Bunyan, der einen Großteil seines Lebens im Gefängnis oder mit dem Versuch, ihm zu entgehen, verbracht hatte) predigte der Reverend Waterhouse niemals lange an einem Ort. Die Kirche versetzte ihn alle ein, zwei Jahre von einem Kaff in den Dakotas ins nächste. Möglich, dass Godfrey diesen Lebensstil als einigermaßen entfremdend empfand, denn irgendwann im Laufe seines Studiums am Fargo Congregational College büxte er der Herde aus, verfiel, zum fortwährenden Kummer seiner Eltern, weltlichen Zwecken und bekam schließlich irgendwie seinen Doktor in Altphilologie an einer kleinen Privatuniversität in Ohio. Da Akademiker nicht weniger nomadenhaft sind als kongregationalistische Prediger, nahm er Arbeit an, wo er welche finden konnte. Er wurde Professor für Griechisch und Latein am Bolger Christian College (Gesamtzahl der Studenten 322) in West Point, Virginia, wo der Mattaponi und der Pamunkey zum York River zusammenfließen und die widerlichen Dämpfe der Papierfabrik jede Schublade, jeden Schrank, ja sogar die inneren Seiten von Büchern durchdrangen. Godfreys junge Braut, eine geborene Alice Pritchard, die ihrerseits in ihrer Kindheit ihrem Wanderprediger-Vater durch die Weiten Ost-Montanas gefolgt war - wo die Luft nach Schnee und Salbei roch -, übergab sich drei Monate lang. Sechs Monate später gebar sie Lawrence Pritchard Waterhouse.
Der Junge hatte eine eigenartige Beziehung zu Lauten. Ihn störte, wenn ein Feuerwehrauto vorbeikam, weder das Sirenengeheul noch das Gebimmel der Glocke. Wenn aber eine Hornisse ins Haus geriet und in einer breiten Lissajous-Figur mit fast unhörbarem Summen unter der Decke entlangflog, schrie er vor Schmerz über das Geräusch auf. Und wenn er etwas sah oder roch, was ihm Angst machte, hielt er sich die Ohren zu.
Was ihn überhaupt nicht störte, war der Klang der Orgel in der Kapelle des Bolger Christian College. Die Kapelle war nicht weiter erwähnenswert, aber die Orgel war von der Familie, der die Papierfabrik gehörte, gestiftet worden und hätte für eine viermal so große Kirche ausgereicht. Sie entsprach aufs Schönste dem Organisten, einem Mathematiklehrer im Ruhestand, der der Meinung war, dass sich bestimmte Eigenschaften des Herrn (Gewalttätigkeit und Launenhaftigkeit im Alten Testament, Majestät und Glorie im Neuen) durch eine Art frontale klangliche Durchdringung unmittelbar den Seelen der in den Bänken zusammengepferchten Sünder nahe bringen ließen. Dass er dabei das Risiko einging, die Buntglasfenster herauszupusten, war ohne Belang, weil sowieso niemand sie mochte und die Dämpfe der Papierfabrik die Bleifassungen zerfraßen. Doch nachdem zum wiederholten Mal eine kleine alte Dame nach dem Gottesdienst vom Tinnitus befallen den Mittelgang entlang wankte und dem Geistlichen gegenüber eine bissige Bemerkung über die ungemein dramatische Musik machte, wurde der Organist ersetzt.
Er gab allerdings weiterhin Unterricht auf dem Instrument. Die Schüler durften erst an die Orgel, wenn sie das Klavierspielen beherrschten, und als man das Lawrence Pritchard Waterhouse erklärte, brachte er sich binnen drei Wochen selbst bei, eine Bachfuge zu spielen, und meldete sich für Orgelstunden an. Da er zu diesem Zeitpunkt erst fünf Jahre alt war, konnte er nicht zugleich die Manuale und die Pedaltasten erreichen und musste deshalb im Stehen - oder vielmehr von Pedal zu Pedal spazierend - spielen.
Als Lawrence zwölf war, ging die Orgel kaputt. Die Stifterfamilie hatte keinerlei Mittel für Instandhaltung und Reparatur hinterlassen, und so beschloss der Mathematiklehrer, sich selbst daran zu versuchen. Er war bei schlechter Gesundheit und brauchte einen geschickten Assistenten: Lawrence, der ihm half, das Gehäuse des Instruments zu öffnen. Zum ersten Mal in all den Jahren sah der Junge, was eigentlich passierte, wenn er die Tasten drückte. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .