Wer "Shiver" von Lisa Jackson gelesen hat, wird einige Bestandteile wieder erkennen. In diesem Buch ging es um einen Serienmörder, der in enger Verbindung zur gleichen Klinik stand, auch Benz und Montoya und einige andere Charaktere treten wieder auf. Dennoch kann man "Cry" auch lesen, ohne den ersten Teil der New-Orleans-Reihe zu kennen, die paar Zusammenhänge werden im Verlauf der Geschichte erklärt.
"Cry" wartetet mit einer spannenden Geschichte und einem überraschenden Ende auf. Den Mörder kennt man als Leser eigentlich, da er selbst in Passagen zu Wort kommt, aber wer genau er ist, erfährt man erst im finalen Showdown.
Leider ist die Handlung so voll mit Morden, Verdächtigungen, Fragen und Recherchen, dass wenig Zeit für Zwischenmenschliches bleibt. Alle Bindungen zwischen den handelnden Personen scheinen auf sexueller Anziehungskraft zu beruhen, sei es zwischen Eve und Cole oder zwischen den Polizisten und ihren Frauen. Nur die Angst Benz' um seine Tochter, die unbedingt für ein Buch auf eigene Faust ermitteln will, bricht aus diesem Schema aus. Ein paar wirkliche Gefühle, vor allem zwischen Eve und Cole, hätten dem Ganzen noch einen besonderen Reiz gegeben, so wird die einfache Lösung gewählt und eine Sexszene als Liebesbeweis gewertet. Auch, wie Eve Cole, der manches verheimlicht, so schnell wieder vorbehaltlos vertrauen kann, ist nicht unbedingt logisch. Aber wenn es selten bemängelt wird, dass Frauen in Krimis auch mal mitten in der Nacht in einsamen Gegenden joggen gehen, in denen sich bekanntlich ein Serienmörder umtreibt, werden vielleicht auch bei anderen Handlungen nicht wirklich nachvollziehbare Aktionen erwartet, mag sich die Autorin gedacht haben.
Leider werden nicht alle Handlungsstränge am Ende zusammen geführt; so bleibt dem Leser nur, sich am Ende manche Sachen selbst zusammenzureimen. So zum Beispiel auch, ob Eves Brüder nur deshalb so schnell verschwinden, weil sie vom erwarteten Erbe ihres Vaters nichts kriegen oder ob nicht doch mehr dahinter steckt. Doch da das Ende des Buches schon auf den nächsten Band hindeutet, werden diese offenen Fragen vielleicht noch aufgeklärt, auch wenn die Handlung von "Cry" eigentlich abgeschlossen ist.
"Cry" ist ein schöner Thriller für Stunden auf dem Sofa, in denen man sich ein wenig ängstigen und mitraten kann, wer der Mörder ist und welche Beweggründe er haben mag.