Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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50 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wir sind die Männer der Nacht..., 15. September 2007
... die Straße ist unser Jagdrevier", so lautete die deutsche Werbezeile zum Kinostart von "Cruising", und sie beschreibt Inhalt und Atmosphäre des Films treffend. Regisseur William Friedkin - bestens bekannt für den Welterfolg "Der Exorzist" inszenierte hier eine düstere Krimi-Fantasie, in der Al Pacino als Undercover-Cop auf der Jagd nach einem Serienkiller in die New Yorker Schwulen-S/M-Szene eintaucht, deren Faszination er nach mehreren Anpassungs-Schwierigkeiten bald erliegt... oder nicht?
"Cruising" erhitzte 1980 sämtliche Gemüter. Amerikanische Schwulenverbände protestierten lautstark und sabotierten die Dreharbeiten, weil sie sich beleidigend dargestellt fühlten. Die Aufregung hat dem Film allerdings nicht geholfen. Er war ein finanzieller Flop, hat aber seinen Ruf über die Jahre deutlich verbessert und ist mittlerweile Geheimtipp und Kult.
Friedkin durchbricht in "Cruising" gleich mehrere Filmregeln. Er bietet weder klar positive noch negative Figuren, alle Charaktere bleiben merkwürdig verschlüsselt und unverständlich, was aber den Reiz des Films erhöht. Al Pacino ist schlicht großartig in der Hauptrolle. Er wird praktisch eins mit seiner Rolle, und auch er lässt sich für den Zuschauer nie einordnen. Mal ist er ein liebenswerter Kerl (z.B. im Verhältnis zu seinem netten Nachbarn Don Scardino), dann wieder reagiert er kalt und unnahbar. An keiner Stelle spricht er aus, was er fühlt oder denkt. Das Filmende ist gar so offen, dass es Raum für wüsteste Spekulationen um Pacinos Charakter lässt (mehr sei hier nicht verraten, aber man kann ganze Abende über das Ende von "Cruising" diskutieren).
William Friedkin, der nie vor provokantem Material zurückschreckte, lässt seine Kamera immer wieder durch die S/M- und Lederszene streifen, er beobachtet äußerst voyeuristisch das nächtliche Treiben, das Anmachen, das Cruisen. Wer daran keinen Gefallen findet, dem wird letztendlich auch den Film als Ganzes nicht mögen, denn der Krimi-Plot interessiert Friedkin keine Spur. Die Suche nach dem Täter ist derart nebensächlich für den Film, dass man geradezu überrascht ist, wenn die Sprache darauf kommt. In bester Hitchcock-Tradition ist sie nur ein "MacGuffin", ein Aufhänger für die persönlichen und psychologischen Entwicklungen des Protagonisten. Und so absurd einem bei "Cruising" der Vergleich mit Hitchcock vorkommen muss, so treffend ist er, denn die Spannung in "Cruising" hat allein mit Pacinos Charakter zu tun, und der Frage, wann und wie er seiner Faszination erliegt.
Technisch muss man sagen, dass "Cruising" ein Meisterwerk an Atmosphäre ist. Kein Anflug von Humor stört das alptraumhafte Geschehen, Szenen bei Tageslicht sind so selten wie echte Emotionen. Besonders der Soundtrack wird brillant genutzt, sowohl in der pechschwarzen musikalischen Untermalung als auch in der reinen Tonmischung. "Cruising" ist ein Film, der von Fetischen besessen ist - sei es das Geräusch von Stiefel-Absätzen auf Asphalt, Schlüsselgeklimper oder Leder.
Damit verabschiedet er sich endgültig vom Mainstream und vom Unterhaltungskino und wird zur Filmkunst. Egal, was man vom Film hält, er ist kompromisslos und obsessiv. Ein Film, der spaltet, der viele Risiken eingeht (bis zur totalen Ablehnung), aber auf seine Art, und wenn man einen Zugang dazu findet faszinierend, verführerisch, auf sehr brutale Art sexy und unvergesslich. Sicher nichts für jedermann, aber definitiv einer meiner absoluten Lieblingsfilme.
Zur DVD: Die Special Edition ist ungekürzt, was erstaunlich ist, befand sich doch der Film seit seinem Erscheinen hierzulande auf dem Index. Die Bildqualität ist fantastisch, zum ersten Mal wird Friedkins ausgeklügeltes Farb- und Verfremdungsschema wirklich wiedergegeben. Wer nur die VHS-Fassung kennt, wird sehr überrascht vom Look sein. Als Extras gibt es einen Audiokommentar von Regisseur Friedkin, der sich zumindest in der ersten Hälfte lohnt - in der zweiten beschränkt er sich zu sehr auf die Nacherzählung des Offensichtlichen (wie schon bei seinem Kommentar zu "Der Exorzist"). Dazu gibt es zwei neue Dokumentationen (mit vielen der Beteiligten)und den Trailer. Das wurde auch Zeit, würde ich sagen!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Den Parkwächter..., 18. März 2008
... im zweideutigen Sinne gibt Al Pacino in diesem recht düsteren Szenekrimi, der nun vor beinah 30 Jahren gedreht wurde. Geht man zurück in die Zeit seiner Entstehung ist "Cruising" sicher als ein auf der ganzen Linie gelungener, sehr gut gemachter Film zu werten, wenn auch kein herausragendes Meisterwerk. Charaktere, Stil der Inszenierung, Dramaturgie und selbst die Dialoge passen ins Bild der Zeit und tauchen ähnlich auch in anderen Filmen auf- mit einer entscheidenden Ausnahme: das Umfeld in dem die Geschichte spielt. Erstmals taugt ein bestimmter Teil der Homosexuellen- Szene zu mehr als einem verschämten Schocker am Rande der Handlung eines Krimis bzw. Thrillers sondern ist selbstverständlicher Bestandteil des Plots. Warum damals Schwulenvereinigungen auf die Barrikaden gingen und in die mediale Schlacht gegen "Cruising" zogen, erscheint mir rätselhaft bis unverständlich. Die Szene der Leder- und SM- Schwulen wird in keiner Weise reißerisch überzeichnet, geschweige denn verunglimpfend oder verfälscht dargestellt. Es werden weder platte Klischees bedient noch erhobene Zeigefinger oder moralische Keulen geschwungen. "Cruising" hat wann immer die Szene den Rahmen einer Szene bildet eine eigene (seltsam kühle aber dennoch erotische) Ästhetik, die alles andere als vordergründig abstoßend inszeniert ist. Abstoßend mochten da allein die gezeigten Tatsachen wirken- in den Augen der was "diese Thematik" angeht, unbedarften (heterosexuellen?) Zuschauer, was sicher nicht verwundert. Aus heutiger "abgeklärterer" Sicht verträgt Volkes Seele eine satte Portion mehr dieser Tatsachen, was bewirkt dass "Cruising" den Rang des Aufregers mit der Zeit eingebüßt hat. Nicht zuletzt durch das ausgeklügelte Spiel Pacinos, der wirklich brilliert, aber auch die eigenartige unterkühlte Atmosphäre, diese stets aufrecht erhaltene, seltsame Unnahbarkeit der Figuren, ist "Cruising" bis heute absolut sehenswert. Ein spannendes Katz- und Mausspiel das ein Stück weit aufwühlt, auf ganzer Länge unterhält und zuweilen auch mitreißt. Immer noch ein besonderer Film, obwohl die Aspekte, die ihn zu etwas Besonderem machen sich verschoben haben: vom damals von mehreren Teilen der Gesellschaft angeprangerten Schocker und Kassengift zum seiner eigenwilligen Inszenierung wegen beachteten und geschätzten Kultstreifen.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Brillant, Kontrovers ... Cruising, 8. November 2007
Eine grausige Mordserie in der homosexuellen Lederszene stellt die Polizei vor unlösbare Rätsel. Captain Edelsteen beschliesst den Cop Steve Burns (Al Pacino), der den Opfern äusserlich stark ähnelt, als V-Mann in die Szene einzuschmuggeln und hofft den Täter auf frischer Tat zu schnappen. Steve nimmt den Job an und versinkt in einer Welt aus Gewalt, sadomasochistischem Sex und kalter Liebe...
CRUISING bricht mit vielen Tabus, lotet Grenzen aus und definiert sie neu. Die Lederszene, die auch unter Homosexuellen umstritten ist, gewährt selten Einblicke in ihre inneren Strukturen und Rituale. William Friedkin (DER EXORZIST) sandte Al Pacino somit auf eine Reise, die nicht nur einen heterosexuellen Mann um den Verstand bringen kann. Pacino erarbeitete die psychologische Zerreißprobe des Steve Burns derart intensiv , dass es einem kalte Schauer über den Rücken jagt. CRUISING ist kontrovers und schockierend - ein Film, der es verdient, dass man sich mit ihm auseinander setzt.
DVD-Facts: Der schon halbwegs verschollen geglaubte, lange Zeit nur als Bootleg-DVD erhältliche Film wurde nun von Warner adäquat umgesetzt. Für einen Film dessen Alter nunmehr 27 Jahre misst, ist die Bildqualität überaus angemessen gemastert worden. Auch wenn der Ton aufpoliert wurde und im englischen sogar als DD 5.1 vorliegt, zeigen wir uns mit der Monospur mal wieder zufrieden, lieber so, als, wie derzeit üblich, eine neue Synchronisation in DD 5.1. Neben dem Audiokommentar vom Regisseur, werden 2 Dokumentationen (Die Geschichte von CRUISING und Geistervertreibung: CRUISING) und der US-Trailer auf dieser Special-Edition mitgeliefert.
Fazit: Einer der besten Thriller aller Zeiten erblickt in neuem Glanz die Welt der Heimkinoanlagen und wurde zudem hervorragend auf DVD umgesetzt. Und ab ins eigene DVD-Regal - Pflichtkauf!
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