sich wehrend gegen romantisierung oder bagatellisierung, kitsch oder staatstreue, reklame oder sensation, versucht die vom museum ludwig und der tate gallery zusammengestellte dokumentation "stiller" fotografie aufmerksam zu machen auf diejenigen strömungen innerhalb des mediums, die sich besonders durch eine nüchterne aber auch ernsthafte, "grausame" aber auch empathiefähige realitätszuwendung auszeichnen. bei den altmeistern wird besonders auf walker evans und august sander eingegangen, bei der gegenwarts-fotografie fallen zum beispiel andreas gursky oder fazal sheikh auf: der erstere, in düsseldorf arbeitend, erlangte internationalen ruhm durch seine eine ameisenhafte massengesellschaft darstellenden, digital bearbeiteten fotografien, fazal sheikh, in new york und zürich arbeitend, besticht mit klassisch wirkenden schwarz-weiss-portraits aus flüchtlingslagern: was den dargestellten diejenige menschliche würde zurückgibt, die die umstände ihnen nahmen. das geniale dieser buch-veröffentlichung beruht auf der zugrundeliegenden ausstellungskonzeption: in der absicht, möglichst unterschiedliche wirklichkeitszugänge aufzulisten, entstand eine intelligente "orchestrierung"; durch die zusammenstellung, durch ein im leser sich entfachendes beschleunigtes vergleichen zwischen industrie-architektur und arbeitslosenporträt, zwischen konsum-explosion und familiengeschichte, entsteht eine neuordnung dessen, was wichtig ist im leben. "woran liegt es, dass uns einige fotografien unser ganzes leben lang faszinieren können?" fragt thomas weski in einem begleit-essay; warum einige bilder in uns "blockieren" und eine erhöhte "verweildauer" erstreiten, ist in der tat oft nicht einfach zu ergründen. klar sichtbar aber ist, dass dieser fotoband mit sechs unterschiedlichen essays zum thema "fotografie als kunst" eine der brauchbarsten textsammlungen enthält, die zur zeit erhältlich ist ...