Fast zehn Jahre nach ihrem letzten Release wagen Run-D.M.C. ein Comeback. Und jetzt mal so vorweg: Egal was man als Hörer musikalisch von der Scheibe hält, die Jungs verdienen verdammt großen Respekt, da sie es schon wieder geschafft Hip-Hop frisch und anders klingen zu lassen, und das im Jahr 2001!
Zuerst einmal möchte ich sagen, dass hier kein Comeback zu erwarten ist, welches immer noch dem guten, alten Old-School-Stil frönt, was seinen guten Grund hat: Kein Künstler findet es erstrebenswert, musikalisch auf der Stelle zu stehen, Run-D.M.C. wohl am Wenigsten. Doch Ich denke das war von Vornherein klar.
Das Album fängt mit "It's Over", mit einem dramatischen Track an, der von einem bombastisch klingenden Jam Master Jay-Beat gestützt wird, der einen ganz gehörig aufhorchen lässt: Jay scheint sich weiterentwickelt zu haben. Nicht, dass er das nötig hätte, doch es klingt halt völlig anders als der alte Stuff. Dieser Eindruck setzt sich auch in jedem einzelnen anderen Song fort, denen allesamt moderne, saugute Beats zugrunde liegen. In Sachen Dramatik und Up-Tempo lässt Jay die meisten Jungspunde meilenweit hinter sich. Aber auch die ruhigeren, entspannten Töne beherrscht er ganz hervorragend.
Dies zeigt sich bereits im zweiten Track, "Queens Day", welcher mit Nas und Prodigy die absoluten Vorzeigerapper aus Queens und eigentlich auch aus ganz NY featured. Jays Beat in Verbindung mit genialen Raps von zwei der besten Rapper aller Zeiten und einer ebenfalls sehr guten Vorstellung von Run ergeben einen Song, mit einer so fantastischen Atmosphäre, dass er für mich auf jeden Fall das Highlight des Albums darstellt und sogar in den Top 25 meiner absoluten Lieblingssongs zu finden ist.
Auch Run hat sich übrigens rhymetechnisch weiterentwickelt: Er rappt schneller und flüssiger, was sich zwar wirklich gut anhört, allerdings sehr zu Lasten seines früheren, unverwechselbaren Stils fällt. Außerdem vermisst man auf Crown Royal die legendären Abwechslungen mit DMC, da dieser kaum Anteil an der Platte hat (auf den letzten beiden Liedern und zwischendurch im Hook).
Der Rest der, bis auf "Let's stay Together feat. Jagged Edge", allesamt guten Tracks besteht in etwa gleich großen Teilen aus Rock-Crossovern wie in alten Zeiten, und ebenso überzeugenden Rap-Tracks. Die imposante Feature-Liste von Fred Durst (Limp Bizkit), über Everlast, bis zu Method Man erlaubt dies.
Abschließend muss ich sagen, dass das Album mir wirklich gut gefallen hat. Es ist sowohl Run-D.M.C.-Fans zu empfehlen, die offen für Weiterentwicklungen und leichte Stiländerungen sind, als auch Hip-Hop-Fans, die vorher überhaupt nichts mit den Oldschoolgöttern am Hut hatten und sie noch nicht einmal besonders mochten. 4 Sterne, aber locker! Für 5 waren zu wenige Bombtracks drauf.
One Love!
R.I.P. Jam Master Jay. You still live on in your music!