Mit einem lachenden und weinenden Auge wird man dieser Veröffentlichung entgegensehen. Einerseits, weil man nach zweijähriger Wartezeit endlich wieder die vielleicht beste Band der Welt im Elektrobereich zu hören bekommt, andererseits weiß man aber auch, dass es sich bei diesem Output um das letzte Werk der Band auf dem Label Dependent handelt. Zukunft also ungewiss? Eigentlich sollte dies nicht sein, denn Crossroads, das mittlerweile dritte Werk des österreichischen Duos Stefan Poiss/Markus Hadwiger, ist sozusagen eine sehr souveräne Visitenkarte für andere Labels und es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn danach nicht die Plattenmanager bei MIAB Schlange stehen würden. Auf Crossroads geht die Geschichte, die bei Lost Alone und Dreamweb erzählt wurde, weiter. Dieses Mal wird der Fokus auf den Protagonist, es handelt sich um einen Mann namens Black, gerichtet. Crossroads ist die Darstellung des Treffen mit einem weiblichen Wesen namens Night. Die gemeinsame Nähe wird auch durch ihre Namen deutlich. Für Black bedeutet es aber, alte Brücken abzureißen und sich auf neue, unbekannte Pfade zu begeben. Er steht am Scheideweg seines Lebens. Crossroads beschreibt das Gefühlschaos, die Ängste, das Unbehagen und die Hinterfragung seiner eigenen Geschichte auf eindringliche Weise. So gehen Identity und What Used To Be mit einem verzweifelt-aggressiven Gesang auf die Zerrissenheit des Protagonisten ein. Das betörende Fear und das grandiose Amnesia dagegen, das stilistisch an Change erinnert, bieten einen eher inneren introvertierten Blick. Die schon bekannten Songs Introspection (Saw II) und Stalkers (Septic VII) wurden in ein neues Gewand verpackt und überzeugen ebenfalls auf ganzer Linie. Sehr stark ist auch The Place, ein sehr ruhiges, zerbrechliches Stück, das mit seinen voluminösen Sequenzern einen meditativen Punkt innerhalb des Albums setzt. Mit dem Überfliegersong Crossroads haben Mind.In.A.Box eine wundervolle Clubhymne gezaubert, und auch Redefined wird sicherlich schnell die Tanzflächen erobern. Mit dem letzten Stück, dem filmreifen Outro Run For Your Life, ist die Geschichte aber noch lange nicht zu Ende erzählt. Musikalisch haben MIAB ihren Sound weiter verfeinert und ausgebaut. Wieder mal überwiegen die eingängigen Melodien und die unkonventionellen Sounds der Band, sowie die Aufhebung des üblichen Strophe-Refrain-Strophe Schemas. Crossroads bietet neben genialer Musik, tollem Artwork, auch ein 24-seitiges Booklet mit allen Lyrics, eine grandiose Kurzgeschichte von Andreas Gruber und einen Zugangscode zu 3 weiteren unveröffentlichten, neuen Songs! MIAB zu hören heißt, sich auf eine Reise zu den eigenen Gefühlen zu machen. Auch der dritte Streich ist wieder gelungen und wird Fans sicherlich wieder begeistern und bestimmt neue Hörer in ihren Bannkreis ziehen. Kauftipp!