Alexander Hacke, Bassist der "Einstürzenden Neubauten" nimmt uns bei der Hand und führt uns auf eine farbenprächtige Entdeckungsreise durch die musikalischen und sozialen Höhen und Tiefen Istanbuls - welches so viel mehr ist, als nur eine Stadt: Istanbul ist zugleich alles verschlingendes Moloch und üppiges Paradies, Heimat von Erfolgen und Stätte von Versagen, gleichzeitig wunderschön, erhaben, elegant, verführerisch und abstoßend, heruntergekommen, vulgär und sündig! Istanbul ist mehr als eine Stadt. Für viele Türken ist es schlichtweg DIE STADT (immerhin hat es mehr Einwohner als Schweden) und ein Sinnbild für die Türkei. Istanbul liegt auf zwei Kontinenten und ist verewigter Hohn in den Augen Jener, die meinen interkulturelle Kommunikation sei nicht möglich, die Multikulti Gesellschaft sei tot - jene Prediger des "clash of civilizations". Istanbul ist Produkt jahrhunderte langer kultureller Vermischung und Vermengung - und das spiegelt sich vor Allem in der Musik wieder. Die musikalische Welt Istanbuls könnte nicht Vielfältiger sein. Hier mischt sich moderner Hip Hop, Drum & Bass, Heavy Metal, Punk mit den alten türkischen, persischen, arabischen, griechischen, armenischem, romanischen Musiktraditionen und heraus kommt...nun ja, heraus kommt das musikalische Istanbul :-), das nicht facettenreicher sein könnte. Dieses Projekt ist zugleich Liebeserklärung an eine Stadt und an die türkische Musik. Sie zeigt bekannte Gruppen (Sezan Aksu, Orient Expressions), aber auch vieles Unbekannte.
Ein kleines Manko bleibt dennoch: vielleicht von zu Hause aus darauf eingestimmt verbleibt Alexander Hacke für meinen Geschmack etwas zu lange bei den Rockern - deswegen werden leider wichtige musikalische Bereiche (z.B. die Istanbules Jazz Szene) außer Acht gelassen.