"Crossing All Over" schlägt seinem Titel gemäß massiv Brücken zwischen den Genres - und scheint damit voll den Zeitgeist zu treffen.
Das hieße ja, dass Fans von Wir sind Helden auch total auf Caliban stehen, oder?
Mitnichten. Auch Käufer, die zugreifen, weil die Nr.1 der Charts „Augen Auf!" von Oomph! vertreten ist, werden hier wohl mehr als große Augen machen.
Allein die Songkombination auf der ersten CD erinnert an Knoblauch-Rahbarbar -Torte, da hier so gar nichts zusammenpasst. Auf Oomph! folgen die fantastischen Toten Hosen mit dem musikalischen Leckerbissen namens „Friss Oder Stirb". Danach werden JET ins Rennen geschickt, um anschließend von Franz Ferdinand's „Take Me Out" überholt zu werden. Auch The Ataris halten mit „Boys Of Summer" das Niveau hoch bevor die Bravohelden namens Busted alles zu Nichte machen. Mit dem sinnfreien Song „Crashed The Wedding" übertrumpfen sie fast noch die Toten Hosen. Die Happy, Underwater Circus und Placebo fallen in die Kategorie Lückenfüller ohne besondere Höhen und Tiefen.
Wir Sind Helden sind wohl eher aus taktischen Gründen auf Crossing All Over gerutscht, um die Auflage hoch zu halten und ein bisschen auf der Echo-Erfolgswelle mitzureiten. Richtige Musik wird dann wieder mit den Beatsteaks gereicht und zaubert wieder ein zucksüßes Lächeln auf das Gesicht des schwerangeschlagenen Hörer. Während er noch der Berliner Kapelle lauscht und von musikalischem Niveau träumt, taucht plötzlich die berühmteste Dauerwelle auf und faselt etwas von „Someday" oder doch „How You Remind Me"? Egal, Nickelback sind leider nur der Vorgeschmack auf das grausamste, was Holland zu bieten hat. „Running Up That Hill" von Within Temptation wandelt das Lächeln in ein Regengesicht. Dieser Song lässt alle Dämme brechen. Auch der gute Dave Gahan, Coldplay oder Radiohead haben nur noch lindernde Wirkung.
Wer es dennoch schafft die zweite CD einzulegen, wird so richtige dolle mit den Langweilern von Wolfsheim oder den lustigen Finnen von HIM entschädigt.
Danach gibt es mal wieder ein Strecke mit Niveau. Muse, The Cooper Temple Clause, Turbonegro und die Backyard Babies bringen wieder Stimmung in den tristen Plattenbau. Tape, Exilia, Clawfinger fallen dann allerdings schon wieder unter den Tisch, weil diese Bands keiner braucht oder sie ihren Zenit vor 10 Jahren schon überschritten haben. Bei „White Wedding" von den Murderdolls fängt der Kit im Gesicht erneut an zu bröckeln, der im weiteren Verlauf aber halten sollte.
Mit Type O Negative, Mudvayne, Caliban und Machine Head folgen sehr anständige Songs, die einen Helden-Fan wohl die Kinnlade fallen lassen, weil ihm nie bewusst war, dass es so böse und laute Musik auf der so friedlichen Erde gibt.
Fazit: Mit dieser Mischung ist keinem geholfen. Früher war die Sache eindeutig. Harte Musik für harte Jungs. Heute locken nur Machine Head, Mudvayne, Caliban, Sepultura und Type O Negatige. Der Rest trägt zum Einschlafen der Gesichtshälften bei. Auch die Fraktion der Helden-Fans werden nur ein paar Songs finden, die ihn erfreuliche Momente schenken.
Entweder lässt man das Projekt weiterhin auf der härteren Schiene laufen und muss Abstriche in Sachen Verkaufszahlen machen, aber mit glücklichen Käufern, oder man schließt sich den Bravo-Hits an.