Als sich das Schlachtenglück im Großen Hyperraumkrieg noch jederzeit wenden könnte droht der abtrünnige Jedi Saes mit zwei Sith-Kreuzern den Sieg der Streitkräfte Naga Sadows herbeizuführen. Auf dem unbewohnten Planeten Phaegon III hat Neo-Sith Saes das höchst wertvolle Lignan Erz entdeckt mit welchem Fähigkeiten der dunklen Seite um ein vielfaches verstärkt werden können. Dass sie eine große Menge des Erzes bergen lässt sich nicht vermeiden, doch Saes einstigem Meister Relin Druur und seinen Padawan Drev könnte es doch nocht gelingen die Harbinger und Omen daran zu hindern die wertvolle Fracht zurück zu Sadows Flotte zu bringen...
Etwa 5000 Jahre in der Zukunft und 41,5 Jahre nachdem Luke Skywalker den Todesstern zerstört hat quält Jedi Ritter Jaden Korr neben argen Zweifeln an der Mission der Jedi eine mysteriöse Vision, die auf einen Mond in den Unbekannten Regionen hindeutet. Jaden bricht auf und hofft dadurch vielleicht mit sich selbst ins Reine zu kommen, nachdem er im erst kürzlich zu Ende gegangenen Jedi Bürgerkrieg seinen Glauben an die gute Sache verloren hat und nun auch Blut an seinen Händen kleben hat. Jaden ist allerdings nicht der einzige der diese Vision erhalten hat und auch auf Korriban entsenden die Anhänger Darth Krayts einen Agenten, der jedoch schon bald ein viel größeres Interesse an Jaden zu entwickeln beginnt...
In Jaden Korrs Star Wars-Debüt Jedi Knight: Jedi Academy hat der damalige Jedi Schüler bereits eine erste Begegnung mit Sith-Kultisten überstanden und den Geist von Naga Sadows Vorgänger als dunklen Lord der Sith, Marka Ragnos, in die Schranken gewiesen. Leider hat Paul S. Kemp die Chance nicht genutzt sich näher mit diesem Aspekt der Hintergrundgeschichte seines Protagonisten auseinanderzusetzen und so fehlt dem Jedi Knight-Fan so manchmal der Bezug und man will sich auch nicht damit abfinden dass Jaden anscheinend genau jenes in Jugendjahren gebaute Lichtschwert mit sich herumträgt das er auf Vjun verloren hat (einem Interview nach behält er sich die Geschichte, wie Jadens Lichtschwert auf Vjun geborgen wurde, übrigens für eine künftige Kurzgeschichte vor, genauso wie er gerne eine Kell Douru-Kurzgeschichte für einen künftigen Tales of-Sammelband bereitstellen würde). Doch diese gedämpfte Wiedersehensfreude fällt nicht zu sehr ins Gewicht, hat Paul S. Kemp seine Story doch perfekt mit dem EU verbunden und das gleich in zwei Ären.
Der erste Handlungsstrang zu Zeiten des Großen Hyperraumkriegs bietet für Kenner von John Jackson Millers Lost Tribe oft he Sith E-Books eine besondere Überraschung, wird doch gezeigt was aus dem Schwesterschiff der Omen wurde und wie es zur Katastrophe die schließlich zum Absturz auf Kesh führte kommen konnte. Die Fehlfunktionen der Hyperantriebe auf beiden Schiffen (wobei Omen eher blind springt als von einer Fehlfunktion betroffen zu sein) sind übrigens gar keine so abwegigen Ideen, schon im Stark Hyperspace Krieg ging ein Großteil der illegalen republikanischen Flotte auf diese Art verloren und auch das FactFile ließ die Option offen dass Schiffe auf ihrer Reise durch Raum und Zeit eben auch in beiden Dimensionen verloren gehen könnten.
In der Legacy-Ära hingegen wird deutlich wie weit sich diese eigentlich spannt indem hier einerseits noch die Nachwehen des letzten Bürgerkriegs zu bewältigen sind und andererseits mit Krayts Sith-Orden und namentlich Darth Wyyrlok I. bereits eine Verbindung zu den Legacy-Comics besteht. Doch Krayts Sith müssen sich noch davor hüten entdeckt zu werden, weshalb sie auf so illustre Mittelsmänner wie Kell Douru angewiesen sind. Ein machtsensitiver Anzati den es nach der Suppe eines Jedi zu dürsten beginnt und über ein ganz besonderes Talent verfügt kann er doch die Schicksalslinien dean nosi wahrnehmen, eine Fähigkeit die mit den Bruchlinien Mace Windus verwandt sein könnte.
Und dann sind da noch der Outbound Flight-Überlebende Khedryn Faal und sein erster Maat Marr mit einer sehr unterschiedlichen Einstellung zur Macht. Der eine ist mit den Horrorgeschichte über Jorus C'baoth und dessen Verrat aufgewachsen, glaubt diese allerdings nicht, der andere ist sich seiner Machtsensitivität nur teilweise bewusst, verfügt aber über eine beeindruckende Gabe in Sachen Astronavigation. Hieß es während New Jedi Order oft die Jedi wären deshalb so als Piloten prädestiniert weil sie auch scheinbar unmögliche Hyperraumsprünge ermöglichen könnten, der Fleisch gewordene Navicomputer Marr setzt dem eindeutig noch die Krone auf. Sieht man sich all diese Charaktere an, so glaubt man sagen zu können, Paul S. Kemp hätte bis auf Saes alle üblichen Stereotypen vermieden.
Kemps Jedi zeigen auch dunkle Seiten, wenn sie Dinge geschehen lassen die Jedi eigentlich unbedingt vermeiden müsste. Doch so ähnlich sich die beiden aus mancher Perspektive sind, am Ende treffen sie gänzlich unterschiedliche Entscheidungen. Um eine von Kemps eigenen Formulierungen zu verwenden, seine Helden zweifeln und dieser Zweifel, sowie ihr Streben nach eigentlich unerreichbaren Idealen hält sie auf der hellen Seite. Ihre Antagonisten hingegen haben den Zweifel hintangestellt, sie sind überzeugt und deutlich fanatischer in der Verfolgung ihrer Ziele. Der Autor gibt dessen ungeachtet aber zu einen Faible für die Potentium Lehre entwickelt zu haben, womit er ein Stück Philosophie ins Spiel bringt, die sich auf die verschiedenen Perspektiven der Protagonisten bezieht. Ihre Vorstellungen zwingen der Macht die Schattierungen auf.
Aber nicht nur in Hinsicht auf neue Betrachtungen der Macht zeigt Crosscurrent Potential, denn Kemps Werk folgt noch einem anderen für manche Fans regelrecht ärgerlichen Trend, nämlich immer wieder Realismus einzustreuen. Natürlich bleibt es trotzdem eine Space Opera die auf einer Mischung aus Philosophie, Science Fiction und Fantasy basiert, es ist und bleibt eben doch Star Wars, auch wenn das Ganze als Ausdruck neuer Zeiten dunklere Schattierungen angenommen hat. So erlaubt Kemp seinen Charakteren auch realistisch zu denken, womit er zumindest bei mir besondere Sympathien geweckt hat. Manche der Entscheidungen und Überlegungen von Kemps Charakteren würde man als Leser vielleicht teilen, sie sind nicht soweit hergeholt. Kurzum, es kommt seltener vor dass man sich denkt, das hätte ich anders gemacht. Auch in der klassischen Trilogie finden sich solche (halt noch einfacher gestrickte) Archetypen mit denen man sich identifizieren konnte, Jahrzehnte später wecken Kemps durchgehend reifere Charaktere ähnliche Gefühle. Dass er zudem den lobenswerten Versuch unternimmt die eigentlich bestehende Sinnkrise innerhalb des Jedi Ordens zu thematisieren, die in Fate of the Jedi zunächst völlig übergangen wird und hier eine emotionale Dimension zeigt die man schon lange nicht mehr erlebt hat sei ergänzend noch angemerkt.
Von meiner Warte aus gesehen hat Paul S. Kemp mit Crosscurrent trotz mancher Unpässlichkeiten bei den für manche nicht unwichtigen Details (auf die er in einer Q&A-Session auf Theforce.net eingegangen ist) solide Arbeit geleistet. Um Vergleiche zu ziehen, Crosscurrent schlägt in eine ähnliche Kerbe wie Matthew Stovers "Traitor" nur dass es hier kein in seiner Sichtweise eigentlich gefestigter junger Mann sondern ein durch seine Taten in die Midlife Crisis gedrängter Jedi um die 40 ist, der sich auf die Suche nach einer neuen Perspektive begibt. So überzeugt wie Jacen Solo anfangs von der Lehre seines Meisters Luke Skywalker ist, so sehr hadert Jaden Korr mit der Kyle Katarns, für ihn gibt es sehr wohl eine helle und eine dunkle Seite, auch wenn der Grat dazwischen in einem trüben Grau gehalten ist. Dabei fungiert Relin Druur als Jadens Gegenstück, ein Jedi Meister der alten Republik der in eine ähnliche Situation gerät, aber doch einen anderen Weg einschlägt. Im Gegensatz zu Traitor wird allerdings deutlich mehr an Action und Cliffhangern geboten. Zudem, man wird von Paul S. Kemp als Star Wars Fan unweigerlich noch einiges zu lesen bekommen, schließlich wurde er aufgrund des Erfolgs von Crosscurrent bereits für ein Sequel sowie den zweiten The Old Republic Tie-in-Roman engagiert. Das muss übrigens noch nicht alles gewesen sein, hat Del Rey doch bekannt gegeben in Zukunft mehr auf Trilogien und Einzelromane statt den seit New Jedi Order umstrittenen Reihen zu setzen. Frisches Blut für das Star Wars Universum, dass sich nicht zuletzt auch dank eines anderen Debütanten, Joe Schreiber, intensiver seinen gereiften Fans zuwendet und dabei versucht neue Wege zu beschreiten. Auch handwerklich hat mich Paul S. Kemp als Autor beeindruckt und so bleibt mir der fromme Wunsch er möge sich für sein Crosscurrent-Sequel doch noch genauer mit der Hintergrundgeschichte Jaden Korrs und somit Jedi Knight III beschäftigen.
Fazit:
Trotz kleiner Schönheitsfehler bei den Details ein bemerkenswerter Lichtblick unter den Werken zur Legacy-Ära.